Neuer Test kann Autismus bei Kindern früher feststellen

Alexander Stindt

Durchbruch bei der frühzeitigen Diagnose von Autismus?

Wissenschaftler haben jetzt die ersten Schritte unternommen, um einen neuartigen Blut- und Urintest für Autismus zu entwickeln, welcher in Zukunft schnell und effektiv zu einer frühzeitigen Diagnose der Erkrankung führen kann. Der Test zeigte bereits erste Erfolge bei Untersuchungen an Kindern.


Die Forscher der University of Warwick entwickeln derzeit einen Test, welcher eine sogenannte Autismus-Spektrum-Störung feststellen kann. Dieser Test benötigt lediglich Blut und Urin von den Patienten, um eine erfolgreiche Diagnose zu stellen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Molecular Autism“.

Kann ein neuer Test Autismus in Zukunft frühzeitig feststellen? (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Höhere Niveaus der Proteinschädigung bei erkrankten Kindern

Bei ihrer Forschungsarbeit untersuchten die Experten Kinder mit und ohne Autismus. Dabei stellten sie durch den neuartigen Test höhere Niveaus der Proteinschädigung bei den erkrankten Kindern fest. Im Blut der Betroffenen konnten mehr Verbindungen gefunden werden, welche durch spontane Oxidation und Glykation entstehen. Die Forscher sagen, dass der Test letztlich zur früheren Entdeckung des Zustands führen könnte. Normalerweise ist die Erkrankung schwierig zu diagnostizieren und viele Betroffene erhalten erst deutlich verspätet eine Diagnose.

Autismus kann nur schwer diagnostiziert werden

Autismus beeinflusst das Verhalten und besonders die soziale Interaktion, aber der Zustand ist leider sehr schwer zu erkennen und wird in der Regel nicht vor dem Alter von zwei Jahren diagnostiziert, oft erst noch viel später. Gegenwärtig gibt es keine biologischen Tests, welche den Zustand erkennen können. Die Erkrankung wurd bisher durch die Bewertung des Verhaltens von Medizinern diagnostiziert.

Probanden waren zwischen fünf und elf Jahre alt

Für die aktuelle Studie suchten die Forscher nach chemischen Unterschieden im Blut und Urin von 38 autistischen Kindern und 31 Kindern ohne diese Erkrankung. Die Teilnehmer waren alle zwischen fünf und zwölf Jahre alt. Mit der Hilfe eines Algorithmus analysierten die Experten die festgestellten Ergebnisse. Bei den Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung identifizierten die Wissenschaftler verstärkt Proteinschäden (insbesondere im Blutplasma), welche generell mit einer schlechten Gesundheit in Verbindung stehen.

Sensitivität für wichtige Marker lag bei 92 Prozent

Erhöhte Konzentrationen von für Autismus charakteristischen Verbindungen (Tyrosin-Dimer Dityrosin und sogenanntes Advanced Glycation Endproduct) waren ein effektiver Nachweis für Autismus-Erkrankungen. Die Sensitivität der beiden Marker für die Erkrankung lag bei 92 Prozent und die sogenannte Spezifität lag bei 84 Prozent, erläutern die Forscher. Wenn Ärzte nach diesen Markern suchen würden, könnten sie Autismus früher in der Kindheit diagnostizieren, erläutert Studienautorin Dr. Naila Rabbani von der University of Warwick.

Weitere Studien mit jüngeren Kindern werden benötigt

Der nächste Schritt besteht jetzt darin, die Studienergebnisse bei anderen Gruppen zu überprüfen. Die nötige Methode dafür ist vorhanden, jetzt müssen nur noch die Ergebnisse in anderen Untersuchungen bestätigt werden, fügt die Expertin hinzu. Weitere Studien sollten an jüngeren Kindern durchgeführt werden, vielleicht an Probanden im Alter von ein oder zwei Jahren. Dann müssen die dabei festgestellten Ergebnisse in einer größeren Kohorte validiert werden, danach könnte der neue Test zum Screening bereit sein. Hoffentlich kann der Test schließlich auch einige der Faktoren aufdecken, welche Autismus verursachen und so die Diagnose verbessern, sagt die Medizinerin.

Klinische Befragung und Beobachtung die beste Form der Diagnose?

Es ist scheinbar noch nicht bekannt, ob diese Technik den Unterschied zwischen Autismus, ADHS, Angstzuständen oder anderen ähnlichen Zuständen unterscheiden kann, sagen Kritiker der Untersuchung, Denn die Studie habe nur eine kleine Gruppe von Menschen untersucht. Der beste Weg zur Diagnose von Autismus sei daher immer noch eine klinische Befragung und Beobachtung.

Es gibt eine zunehmende Anzahl von Autismus-Diagnosen

In den letzten 20 Jahren hat die Anzahl der diagnostizierten Fälle von Autismus stark zugenommen, der Grund dafür scheinen genauere Diagnosemethoden zu sein. Generell wird die Erkrankung bei Männer häufiger festgestellt als bei Frauen. Es gibt bisher keine Heilung für den Zustand, aber Interventionen sind verfügbar. (as)