Neuer Urintest zur Überprüfung der Ernährung und der späteren gesundheitlichen Auswirkungen

Alexander Stindt
Studie: Urintest erkennt Nahrungsmuster und kann dadurch auftretende Probleme verhindern
Sicherlich achten viele Menschen generell auf eine gesunde Ernährung. Aber wie können wir eigentlich feststellen, ob unsere Mahlzeiten wirklich gesund für unseren Körper sind. Britische Forscher entwickelten jetzt einen Urintest, welcher dabei helfen soll, die Ernährungsmuster der Nutzer zu identifizieren.

Die Wissenschaftler des Imperial College London, der Northwestern University und der University of Southern Denmark stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass ein simpler Urintest anzeigen kann, wie gesund unsere Mahlzeiten wirklich sind. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet Diabetes and Endocrinology“.

Es wäre in vieler Hinsicht hilfreich, wenn Menschen ihre Ernährung analysieren und deren gesundheitlichen Auswirkungen durch einen einfachen Urintest feststellen könnten. Mediziner entwickelten jetzt einen solchen simplen und effektiven Test. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Selbsteinschätzung von Ernährung ist meist sehr unzuverlässig
Die Experten versuchten bei ihrer neuen Studie über Ernährung und Gesundheit herauszufinden, ob es nicht einen besseren und zuverlässigeren Weg zur Bewertung der Auswirkung unserer Ernährung gibt, als eine notorisch unzuverlässige Selbstberichterstattung und Selbsteinschätzung. Während der Durchführung der Studie wurde festgestellt, dass die meisten Menschen anfällig für eine persönlich ungenaue Berichterstattung über den Konsum von ungesunden Lebensmittel sind, verglichen mit der persönlichen Berichterstattung über den Konsum von gesunden Lebensmitteln, erläutern die Wissenschaftler.

Urinproben wurden auf metabolische Profile untersucht
Bei der aktuellen kleinen Untersuchung konsumierten die 20 Teilnehmer vier verschiedene Arten von Ernährung. Diese wurden im Hinblick auf internationale Richtlinien zwischen sehr gesund und sehr ungesund eingestuft. Dann wurden Urinproben der Probanden auf Substanzen getestet, welche mit bestimmten Arten von Ernährungsmustern assoziiert sind. Diese werden auch als metabolische Profile bezeichnet.

Weitere Forschung ist nötig
Die Forscher konnten so herausfinden, dass Urin-Tests tatsächlich in der Lage sind, die Ernährungsmuster der Teilnehmer zu identifizieren. Die festgestellten Ebenen von 19 Substanzen (Metaboliten) waren beispielsweise deutlich erhöht bei den Konsumenten der gesündesten Ernährungsgruppe, sagen die Mediziner. Weil aber die Studie nur eine sehr geringe Stichprobengröße hatte, sei es notwendig, zusätzliche Forschung zu diesem Thema durchzuführen.

Führen Sie eine Ernährungstagebuch
Wenn Sie versuchen möchten, Ihre Ernährung gesünder zu gestalten, können Sie ein sogenanntes Nahrungsmitteltagebuch führen. In diesem sollten Sie dann genau notieren, was Sie gegessen haben, anstatt auf Ihr unzuverlässiges Gedächtnis zu vertrauen, raten die Experten.

Ungesunde Ernährung erhöht das Risiko für Erkrankungen
Die randomisierte kontrollierte Crossover-Studie untersuchte, ob die Nahrungsaufnahme bei Einzelpersonen analysiert und mit Urinproben gemessen werden kann. Denn eine ungesunde Ernährung kann das Risiko von nicht-übertragbaren Krankheiten wie beispielsweise Typ-2 Diabetes und Herzerkrankungen deutlich erhöhen.

Test bietet Methode zur Bewertung des Ernährungsverhaltens der Bevölkerung
Aktuelle sogenannte Ernährungs-Tools sind nicht immer in der Lage, die Auswirkungen von politischen Veränderungen auf das Ernährungsverhalten in der Bevölkerung zu beurteilen, erläutern die Forscher. Die aktuelle Untersuchung sollte klären, ob metabolische Profile im menschlichen Gehirn die Aufnahme von Nahrung widerspiegeln können. Dies könnte eine alternative Methode zur Bewertung des Ernährungsverhaltens in der Bevölkerung bieten.

Probanden waren zwischen 21 und 65 Jahren alt
Zwischen dem August 2013 und dem Mai 2014 wurden für die aktuelle Studie gesunde Freiwillige im Alter von 21 bis 65 Jahren mit einem Body Mass Index (BMI) zwischen 20 und 35 aus einer Datenbank des UK National Institute for Health Research (NIHR)/ Wellcome Trust Imperial Clinical Research Facility (CRF) rekrutiert. Zunächst wurden 300 Personen zu der Studie eingeladen. Von diesen wurden allerdings nur 26 Menschen als geeignet eingestuft und schließlich 20 dieser Probanden in der Studie aufgenommen.

Versuchsdurchführung:
Die Testpersonen wurden gebeten, an vier stationären Aufenthalten von 72 Stunden (getrennt durch mindestens fünf Tage) teilzunehmen. Während dieser Zeit erhielten sie eine von vier verschiedenen Zusammensetzungen von Nahrungsmitteln, erläutern die Autoren. Die Einhaltung der Nahrungsaufnahme wurde sorgfältig überwacht, wobei die Nahrung unmittelbar vor und nach der Verabreichung an die Teilnehmer gewogen wurde. Darüber hinaus durften die Teilnehmern nur eine sehr leichte körperliche Aktivität betreiben. Auch diese wurde genau beobachtet und aufgezeichnet.

Urin wurde im Versuch dreimal am Tag gesammelt
Während des stationären Aufenthaltes wurde der Urin der Probanden dreimal täglich gesammelt: Es gab eine Morgensammlung (9.00 bis 13.00 Uhr), eine Nachmittagssammlung (13.00 bis 18.00 Uhr) und eine Probe beim Abend- und Nachtaufenthalt (18.00 nis 9.00 Uhr). Dann wurde ein Verfahren zur Analyse der chemischen Zusammensetzung eingesetzt.

Analyse des Urins könnte Risiken für Krankheiten vorhersagen
Die sogenannten Urin-Stoffwechsel-Profile waren deutlich genug, um die aufgenommenen Nahrungsmittel zu unterscheiden. Die Untersuchung der im Urin ausgeschiedenen Metabolit-Modelle könnte Menschen als Nutzer bestimmter Ernährungen einordnen, erklären die Forscher. So könnten niedrigere oder höhere Risiken für nichtübertragbare Krankheiten auf der Basis multivariater Metabolit-Muster assoziiert werden, betonen die Experten. (as)