Neuer Wirkstoff: Antibiotika bei Pest resistent

Astrid Goldmayer

Antibiotika bei Pest oft resistent: Neue Wirkstoffe machen Hoffnung

16.01.2012

Noch immer treten jedes Jahr einige hunderte Fälle von Pest auf. Die bisher eingesetzten Antibiotika zur Bekämpfung des „Schwarzen Todes“ wirken zum Teil nicht mehr. Bereits 2010 wurden zwei Pesterregerstämme aus Madagaskar entdeck, bei denen Antibiotika gänzlich unwirksam waren. Ein deutsch-amerikanisches Wissenschaftlerteam fand nun zwei neue Hemmstoffe, die den Pesterreger angreifen.

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Pest nicht ausgestorben
Obwohl die Pest im Bewusstsein vieler Menschen mit dem vergangenen Jahrhundert verknüpft ist, gilt sie weiterhin als gefährliche, nicht ausgestorbene Infektionskrankheit. Jährlich werden mehrere Hundert Pestfälle von Afrika bis in den Südwesten der USA gemeldet. In seltenen Fällen führt die Krankheit auch heute noch zum Tod.

Auslöser der hochgradig ansteckenden Infektionskrankheit ist das Bakterium Yersinia pestis. Die Behandlung von Erkrankten erfolgt üblicherweise durch Antibiotika. Doch ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten entwickelt sich auch bei Yersinia pestis eine zunehmende Antibiotika-Resistenz. Französische Wissenschaftler vom Institut Pasteur in Paris haben bereits 2010 zwei Pesterregerstämme entdeckt, bei denen Antibiotika unwirksam waren. Die beiden Bakterienstämme stammten aus Madagaskar, einem der Zentren der weltweiten Pestausbrüche. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden dort 313 Fälle von Pest im Jahr 2010 gemeldet. Im Kongo wurden 152 Fälle bekannt. In Peru waren es im selben Jahr laut WHO-Statistik 27 Erkrankungen.

Zwei neue Hemmstoffe gegen Pesterreger analysiert
Einem deutsch-amerikanischen Wissenschaftlerteam der Universitäten Würzburg und Stony Brook in den USA gelang es jetzt, den Wirkmechanismus von zwei Hemmstoffen zu analysieren, die gegen den Pesterreger wirksam sind. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Structure" vor.

Beide Hemmstoffe stammen aus der Gruppe der Pyridone. Ihre Wirkung beruht auf der Anlagerung an das Bakterienenzym FabV, wodurch dieses unschädlich gemacht wird. Das Bakterienenzym FabV ist für den letzten Arbeitsschritt bei der bakteriellen Fettsäurenproduktion zuständig. Durch die Hemmstoffe wird es jedoch blockiert. In der Folge stirbt der Pesterreger ab, da dieser seine schützende Zellmembran nicht ohne Fettsäuren aufrechterhalten kann.

Caroline Kisker vom Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg berichtet: „Noch aber hemmen die beiden Stoffe das Enzym nicht gut genug.“ Deshalb ist die weitere Analyse und Untersuchung der neuen Hemmstoffe und ihrer Wechselwirkungen mit dem Enzym bereits in Planung.

Antibiotika-Resistenzen nehmen zu
Im Fall der Pest und anderer schwerer Erkrankungen hat die Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen gravierende Folgen. Wirkt ein Antibiotikum nicht mehr gegen bestimmte Bakterien, können diese sogar beim Fortschreiten der Krankheit zum Tod des Erkrankten führen. Da die Ursache für die Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen – die leichfertige, unsachgemäße und zum Teil unnötige Verschreibung von Antibiotika für Patienten sowie der massive Einsatz des Medikaments in der Tierproduktion – nicht ohne Weiteres zu beheben sind, ist es umso wichtiger, neue Stoffe gegen Bakterien zu erforschen. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan erklärte bereits im letzten Jahr, dass die Welt „auf ein postantibiotisches Zeitalter“ zusteuere, denn immer mehr krankheitserregende Bakterien entwickelten Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika. (ag)