Neues Arneimittel gegen Schlafkrankheit: „Antilopen-Parfüm“ wehrt Tsetse-Fliegen ab

Alfred Domke

Mit „Antilopen-Parfüm“ Tsetse-Fliegen von Rindern fernhalten

Die in weiten Teilen Afrikas verbreitete Schlafkrankheit kann unbehandelt auch zum Tode führen. Nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Rindern. Übertragen wird die Infektion durch Tsetse-Fliegen. Forscher haben nun einen Weg gefunden, die Insekten von Kühen fernzuhalten: Mithilfe eines „Antilopen-Parfüms“.

Schlafkrankheit kann zum Tod führen

Die Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) gehört laut „Ärzte ohne Grenzen“ zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung nur unzureichend investiert wird. Sie wird durch die Tsetse-Fliege übertragen und endet ohne Behandlung tödlich. „Im Endstadium schädigen die Parasiten das zentrale Nervensystem, was zu Schlafstörungen, Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus, Verhaltensänderungen, geistiger Verwirrung und schließlich zum Tod führt“, schreiben die Experten auf ihrer Webseite. Auch für Tiere stellt die Tropenkrankheit eine massive Bedrohung dar. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun erforscht, wie sich die Krankheit verhindern lässt.

Die durch Tsetse-Fliegen übertragene Schlafkrankheit stellt in Afrika eine tödliche Gefahr für Mensch und Tier dar. Forscher haben nun herausgefunden, dass man die Fliegen mit einem „Antilopen-Parfüm“ von Rindern fernhalten kann. (Bild: mycteria/fotolia.com)

Durch weit verbreitete Fliegen übertragen

Tsetse-Fliegen sind in Afrika weit verbreitet. Sie ernähren sich von Blut und können dabei die gefürchtete Schlafkrankheit übertragen.

Zu den ersten Symptomen gehören schwere Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, geschwollene Lymphknoten, Blutarmut und Hautausschlag.

Im Spätstadium der Krankheit kommt es zu fortschreitendem Gewichtsverlust und zu einem Dämmerzustand, der der Krankheit ihren Namen gegeben hat. Bleibt die Infektion unbehandelt, endet sie tödlich.

Zahlreiche Menschen im tropischen Afrika sind direkt gefährdet, doch auch die Übertragung auf Rinder hat teils drastische Folgen für die Landwirtschaft: Beim Vieh sind Einbußen an Milch, Fleisch und Arbeitskraft zu verzeichnen.

Der Schaden in Afrika beträgt nach Schätzungen rund 4,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Tsetse-Fliegen mögen keinen Antilopen-Geruch

Prof. Dr. Christian Borgemeister vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn hat nun mit einem Team aus Forschern des International Centre of Insect Physiology and Ecology (icipe), vom Interafrican Bureau for Animal Resources (beide in Kenia) und vom Rothamsted Research, Harpenden (Großbritannien) im Kampf gegen die Schlafkrankheit einen neuen Ansatz verfolgt.

Die Tsetse-Fliegen meiden Wasserböcke, eine afrikanische Antilopenart, weil sie den Geruch der Tiere abstoßend finden.

Laut einer Mitteilung der Uni Bonn hat das internationale Wissenschaftlerteam zuerst die Abwehrstoffe des Wasserbocks isoliert, identifiziert und im Labor synthetisiert.

Winzige Mengen der Tsetse-Fliegen abweisenden Substanz füllten die Forscher in Plastikbehälter, die den Rindern mit einem Halsband umgebunden wurden.

Fortan verströmte das Vieh den Geruch der ungeliebten Wasserböcke – wie beim berühmten Wolf im Schafspelz wurden die Tsetse-Fliegen durch das „Antilopen-Parfüm“ getäuscht.

Wasserbockgeruch reduziert Erkrankungsraten um mehr als 80 Prozent

Die innovative Methode zur Krankheitsprävention wurde in einem groß angelegten zweijährigen Feldversuch in Kenia getestet. Für das Experiment stellten 120 Maasai-Hirten mehr als 1.100 ihrer Rindern zur Verfügung.

Wie die Forscher im Fachmagazin „PLOS Neglected Tropical Diseases“ berichten, waren die Erkrankungsraten der mit dem Abwehrstoff behandelten Tiere im Vergleich zu ungeschützten Rindern um mehr als 80 Prozent reduziert.

Allgemein waren die Tiere mit dem schützenden Halsband gesünder, schwerer, gaben mehr Milch, konnten mehr Land pflügen und erzielten auf den regionalen Märkten deutlich höhere Verkaufserlöse.

Besonders attraktive und erfolgversprechende Vorgehensweise

„All dies trug zu einer deutlichen Verbesserung der Ernährungssicherheit und des Haushaltseinkommens der beteiligten Hirtenfamilien bei“, erklärte Borgemeister.

Im Vergleich zu den ansonsten eingesetzten Tiermedikamenten sei die Halsband-Methode deutlich kostengünstiger und damit wirtschaftlicher, so die Forscher.

Darüber hinaus stieß die neue Technologie bei den Maasai-Hirten auf eine sehr große Akzeptanz. Rund 99 Prozent der Hirten möchten die Halsbänder gerne nutzen.

„Diese in der Praxis erfolgreich getestete Methode bedeutet einen großen Fortschritt für die Nahrungssicherheit vieler Hirten und Viehhalter in Afrika“, sagte Borgemeister.

Da die Halsbänder mit dem Abwehrstoff einfach anzuwenden sind und keine hohen Kosten verursachen, sei diese Vorgehensweise besonders attraktiv und erfolgversprechend. (ad)