Neues Diagnoseverfahren bei Brustkrebs

Heilpraxisnet

Neues Diagnoseverfahren bei Brustkrebs wird erstmals von der Krankenkasse bezahlt. Damit könnten viele Chemotherapien der Vergangenheit angehören, so die Hoffnung der Experten.

Die Bremer Handelskrankenkassen (hkk) übernimmt als erste Krankenversicherung Deutschlands die Behandlungskosten des speziellen Brustkrebs-Tests „uPA/PAI-1“. So könnte die Diagnose bei den jährlich knapp 58.000 Frauen, die hierzulande an Brustkrebs erkranken, erheblich vereinfacht werden. Auch lässt sich mit Hilfe des neuen Verfahrens in vielen Fällen die bisher übliche Chemotherapie mit den bekannten, schweren Nebenwirkungen vermeiden.

Brustkrebs-Test: bisher 400 Euro Selbstbeteiligung
Der sogenannten „uPA/PAI-1-Test“ ist seit 2007 weltweit als zuverlässiges Diagnoseverfahren anerkannt, wurde bisher jedoch nur von wenigen Krankenhäuser in Deutschland angeboten und von den Krankenkassen nicht bezahlt. Dies hat die hkk nun in einem ersten Schritt geändert und sich bereit erklärt als erste Deutsche Krankenkasse die Kosten für den „uPA/PAI-1-Test“ grundsätzlich zu übernehmen. So erklärte Michael Lempe vom hkk-Vorstand: „Bisher wurde der Test nur in wenigen Krankenhäusern regelmäßig durchgeführt. Aus Kostengründen mussten die Betroffenen 400 Euro dazu bezahlen. Das ändern wir jetzt.“

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Kostenübernahme durch die Krankenkasse verspricht Hoffnung
Der „uPA/PAI-1-Test“ ist vielen Frauen bisher nicht bekannt, doch bietet er gute Chancen nach einer Operation nicht zwingender Maßen eine Chemotherapie durchführen zu müssen. So erklärte der Direktor der Universitätsklinik Halle, Dr. med. Christoph Thomssen: „Nicht alle an Brustkrebs erkrankten Frauen brauchen nach der Operation eine Chemotherapie. Wenn kein Lymphknotenbefall im Achselbereich vorliegt, kann mit dieser Gewebeanalyse das Metastasierungsrisiko ermittelt werden.“ Dr. Mustafa Aydogdu, Chefarzt des Brustkrebszentrums am Klinikum Bremen-Mitte ergänzte: „Jeder vierten Brustkrebserkrankten kann damit die belastende Chemotherapie erspart werden.“ Wobei die Fachleute sich einig sind, dass die angekündigte Kostenübernahme durch die hkk „ein wichtiger Schritt“ ist.

Am Mittwoch hat die hkk einen entsprechenden Vertrag zur Kostenübernahme mit der Universitätsklinik Halle unterzeichnet, welche eines der Fachlabore für die Untersuchungen der „uPA/PAI-1-Test“ betreibt. Bereits seit Ende der 1980er Jahre wird in Deutschland an dem „uPA/PAI-1-Test“ geforscht, wobei zahlreiche Studien die Zuverlässigkeit des Diagnoseverfahrens bestätigt haben und der Test heute in der Fachwelt als wissenschaftlich und klinisch fundiert gilt. Sind die festgestellten Werte in dem tumorbiologischen Test niedrig, kann den Patientinnen, die keinen Lymphknotenbefall in der Achsel aufwiesen, eine Chemotherapie mit den entsprechenden Nebenwirkungen erspart werden.

„uPA/PAI-1-Test“ kann Chemotherapie vermeiden
Nach Ansicht des hkk-Vorstands Michael Lempe sollte der „uPA/PAI-1-Test“ generell zum allgemeinen Behandlungsstandard der medizinischen Versorgung gehören, da er für die Betroffenen eine erhebliche Erleichterung darstellen kann. Daher übernehme die hkk fortan alle Kosten, die der „uPA/PAI-1-Test“ mit sich bringt. Das Verfahren an sich beruht auf der Untersuchung frischen Tumorgewebes auf zwei Eiweißmoleküle hin, erklärte Martina Vetter vom Forschungslabor in Halle. Ist der festgestellte Wert hoch, handele es sich um eine bösartige Tumorzelle, die zur Bildung von Metastasen neige und eine Chemotherapie erforderlich mache, so die Expertin. „Bei niedrigen Werten wird sich der Tumor (hingegen) nicht verteilen und er würde auch nicht auf Chemo ansprechen“, betonte Martina Vetter. Wobei Vetter im Gegensatz zu Dr. Mustafa Aydogdu sogar davon ausgeht, dass künftig nicht ein Viertel sondern knapp die Hälfte der Betroffenen ohne Chemotherapie behandelt werden könnte. Ein Grund zur Hoffnung für die wachsende Zahl der Brustkrebspatientinnen. Denn deutschlandweit ist das Mammakarzinom (Brustkrebs) mit einem Anteil von 28 Prozent aller Krebsneuerkrankungen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, wobei im Schnitt 30 Prozent der Patientinnen in Folge der Erkrankung versterben. (fp, 11.11.2010)