Pollenflug beeinflusst das Beschwerdebild der Neurodermitis

Fabian Peters
Pollenbelastung verursacht vermehrte Neurodermitis-Beschwerden
Seit langem wurde ein Zusammenhang zwischen dem Pollenflug und Neurodermitis vermutet, nun ist Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin (Fraunhofer ITEM) der Nachweis dieses Zusammenhangs gelungen. „Der Gräserpollenflug hat einen Einfluss auf Neurodermitis – Betroffene zeigen ein deutlich verschlechtertes Krankheitsbild“, so die Mitteilung der MHH. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in dem Fachmagazin „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.

Das Forscherteam des Fraunhofer ITEM und der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der MHH konnte mit Hilfe eines sogenannten Pollenraums nachweisen, dass der Pollenflug eindeutig einen Einfluss auf die Beschwerden bei Neurodermitis hat. Sie setzten freiwillige Probanden mit Neurodermitis in den Fraunhofer-Pollenprovokationsraum, auf die sogenannte „Wiese im Labor“, und stellten fest, „dass die Probanden mit deutlich sichtbaren Schüben der Neurodermitis reagierten“, berichtet die MHH. Ob die Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Wirkstoffe für die Immuntherapie bei Neurodermitis genutzt werden können, sollen nun weitere Untersuchungen klären.

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Das Hautbild der Neurodermitis-Patienten kann sich durch den Pollenflug innerhalb von Stunden deutlich verschlechtern. (Bild: casi/fotolia.com)

Hautbild innerhalb von Stunden verschlechtert
Vor allem ein quälender juckender Hautausschlag kennzeichnet die Neurodermitis, wobei die Erkrankung in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat und weiterhin steigende Fallzahlen zu beobachten sind. „Ihre Behandlung ist nach wie vor besonders schwierig, auch weil die Faktoren, die die Krankheit auslösen individuell sehr unterschiedlich sind“, berichtet die MHH. Durch die Studie im Pollenprovokationsraum des Fraunhofer ITEM – in dem Gräserpollen wie auf einer natürlichen Sommerwiese fliegen – sei nun allerdings klar, dass die Pollenbelastung der Luft das Hautbild der Neurodermitispatienten innerhalb von Stunden signifikant verschlechtert. Die Laboruntersuchungen an der MHH hätten zudem gezeigt, dass die Marker für allergische Entzündungen im Blut dieser Patienten anstiegen. Die Auswirkungen der Pollenbelastung waren somit auch im Blut der Studienteilnehmer nachweisbar.

Neue Möglichkeiten der Behandlung?
Angesichts der Untersuchungsergebnisse stellten sich die Forscher die Frage, ob die Pollenprovokation möglicherweise für die Entwicklung von neuartigen Wirkstoffen zur Behandlung von Neurodermitis geeignet ist. Bisher würden die verfügbaren Therapien zur Behandlung der Neurodermitis darauf abzielen, die Entzündungsreaktion mit breit wirksamen Medikamenten wie Kortikosteroiden zu unterdrücken. Hier könnte „ein gänzlich neuer Weg mit einer neuartigen Behandlungsform beschritten werden, nämlich mit der Verwendung von DNAzymen – synthetischen DNA-Molekülen mit Enzymaktivität“, so die Hoffnung der Forscher. Die Wissenschaftler hatten sich bereits in einem anderen Projekt mit einem DNAzym als Therapeutikum beschäftigt. Ihre Aufgabe war die Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit des DNAzym-Wirkstoffs zur Behandlung von allergischem Asthma, den die Firma Sterna Biologicals zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Marburg entwickelt hatte, berichtet die MHH.

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Der untersuchte Wirkstoff mit der Bezeichnung „SB010“ habe auf der Hemmung des Transkriptionsfaktors GATA-3 basiert, welcher für Entzündungsreaktionen und damit einhergehende Symptome verantwortlich gemacht wird. Das Forscherteam um Professor Thomas Werfel, Leiter der Forschungsabteilung „Immundermatologie und experimentelle Allergologie“ an der MHH, konnte wichtige Hinweise auf die Wirksamkeit von „SB010“ bei Allergien anhand von menschlichen Zellsystemen in Laborversuchen bestätigen. Eine 28-tägige Behandlung mit dem Wirkstoff habe im Vergleich zu Placebo nach spezifischer Allergenprovokation eine signifikanten Verbesserung der Lungenfunktion bewirkt, so die Mitteilung der MHH. Dabei habe sich „SB010“ als „sicher und gut verträglich“ erwiesen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Studie in dem Fachmagazin „New England Journal of Medicine“.

Forschungen zu neuen therapeutischen Ansätzen
In der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie an der MHH soll nun unter der Studienleitung von Professor Werfel untersucht werden, ob ein Einsatz des DNAzyms „SB010“ auch bei der Therapie von Neurodermitis möglich wäre. Die Folgeuntersuchungen werden hierbei wieder in Kooperation mit dem Fraunhofer ITEM erfolgen. „Die hervorragenden Forschungsbedingungen und die kurzen Wege zwischen unseren benachbarten Institutionen, werden wir auch für zukünftige gemeinsame Projekte in der Allergieforschung intensiv nutzen“, so Professor Werfel. (fp)

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