Nickerchen: Kurzer Schlaf ist gut fürs Gedächtnis

Heilpraxisnet

Nickerchen: Kurzer Schlaf verbessert Gedächtnis um Vielfaches

23.03.2015

In einer neuen Studie haben deutsche Forscher nachgewiesen, dass bereits kurzer Schlaf die Gedächtnisleistung deutlich erhöhen kann. Für die, die im Job, an der Uni oder der Schule lernen müssen, kann sich also ein Mittagsschlaf oder ein Nickerchen äußerst positiv auswirken. Zudem tut man damit auch seiner Gesundheit etwas Gutes.

Kurzer Schlaf verbessert Gedächtnisleistung
Bereits ein kurzer Schlaf von etwa einer Stunde kann die Gedächtnisleistung deutlich erhöhen. Das haben nun Forscher der Saar-Universität nachgewiesen, wie „idw-online“ berichtet. Die Forscher untersuchten in der Studie 41 Probanden, die zunächst Wörter und Wortpaare lernen mussten. Im Anschluss daran wurde der Lerninhalt geprüft. Etwa die Hälfte der Teilnehmer schlief nach dieser ersten Prüfung, die anderen schauten eine DVD. Es zeigte sich, dass die Hälfte der Teilnehmer, die ein Nickerchen gehalten hatten, nach dem Schlaf noch deutlich mehr Wortpaare im Gedächtnis hatte als die Kontrollgruppe der DVD-Schauer. Die Studie wurde im Fachmagazin „Neurobiology of Learning and Memory“ veröffentlicht.

Auswirkungen des „Power Nap“
„Bereits ein kurzer Schlaf von 45 bis 60 Minuten verbessert das Gedächtnis um den Faktor fünf“, erklärte Dr. Axel Mecklinger. Er ist der Doktorvater der Neuropsychologin Sara Studte, die mit ihm und ihrer Kollegin Emma Bridger untersuchte, wie sich ein Nickerchen, neudeutsch „Power Nap“, auf die Gedächtnisleistung auswirkt. Genauer gesagt, verbessert sich nicht die Gedächtnisleistung, sondern sie verschlechtert sich im Vergleich nicht. „Die Kontrollgruppe, die DVDs geschaut hat, während die andere Gruppe geschlafen hat, konnte sich anschließend deutlich schlechter an die zuvor gelernten Wortpaare erinnern als die Schlafgruppe. Diese wiederum zeigte nach dem Power Nap genauso gute Erinnerungsleistungen wie vor dem Schlaf, also gleich nachdem die Begriffe gelernt wurden“, sagte Mecklinger.

Hippocampus im Visier
Die Wissenschaftler hatten insbesondere den Hippocampus im Visier, die Hirnregion, in der Lerninhalte zu Erinnerungen im Langzeitgedächtnis werden. „Wir haben dazu die so genannten Schlafspindeln untersucht, die eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung von Erinnerungen während des Schlafens spielen“, erläuterte Sara Studte. Man versteht darunter kurze, aber schnelle Schwingungen (Oszillationen) im Elektroenzephalogramm (EEG). „Wir vermuten, dass genau in diesen Phasen bestimmte Gedächtnisinhalte, insbesondere solche die zuvor ‚getagged‘, also markiert wurden, bevorzugt konsolidiert werden“, so Dr. Mecklinger. Dies bedeutet, dass neu erlernte Dinge im Gedächtnis mit einem Etikett versehen werden, durch das man sie später leichter wieder findet. Man erinnert sich also an etwas. Und zwar umso besser, je mehr Schlafspindeln zuvor im EEG aufgetreten sind.

„Mittagsschlaf im Büro oder Nickerchen in der Schule“
Eines der Fazite, dass die Forscher aus ihrer Arbeit ziehen können, ist eindeutig: „Schon ein kurzer Mittagsschlaf im Büro oder ein Nickerchen in der Schule verbessern den Lernerfolg signifikant. Daher sollte überall dort, wo man lernt, ernsthaft über die positive Wirkung des Schlafs nachgedacht werden“, so Axel Mecklinger. Man muss nicht auf abergläubische Methoden, wie sich Bücher unters Kopfkissen zu legen, zurückgreifen: Konzentriertes Lernen und ein kurzer, erholsamer Schlaf reichen bereits völlig aus.

Nickerchen auch gut für die Gesundheit
Zudem tut man mit einem Mittagsschlaf auch seiner Gesundheit etwas Gutes. Wie französische Wissenschaftler um den Schlafforscher Brice Faraut von der Paris Descartes Universität vor kurzem in einer Studie herausgefunden haben, verringert bereits ein 30-minütiges Nickerchen am Tag Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Energielosigkeit. Die Experten hatten die gesundheitlichen Folgen von Schlafmangel untersucht. Bekannt ist, dass anhaltende Schlaflosigkeit die Gesundheit massiv belastet. Der Körper wird unter Stress gesetzt und das Immunsystem geschwächt. Unter dauerhaftem Schlafmangel entwickeln sich daher auch verstärkt Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und Übergewicht beziehungsweise Adipositas. Den französischen Forschern zufolge könnte ein kurzes Nickerchen die Möglichkeit bieten, die schädlichen Auswirkungen von Schlafentzug zu lindern. (ad)

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