Mediziner: Nierenversagen durch zu viel Eistee

Heilpraxisnet

Vier Liter Eistee pro Tag verursachten Nierenversagen

03.04.2015

Ein 56-jähriger Mann aus den USA hat durch den jahrelangen exzessiven Eistee-Konsum offenbar die Funktion seiner Nieren zerstört. In dem Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ beschreiben Wissenschaftler der University of Arkansas for Medical Sciences der Stadt Little Rock den Fall des Patienten, bei dem infolge des Konsums von durchschnittlich 16 Gläsern (jeweils 250 Milliliter) Eistee pro Tag eine schwere Nephropathie auftrat.

Generell ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr für den menschlichen Organismus unerlässlich, doch zeigt der aktuelle Fall erneut, dass nicht alle Getränke geeignet sind. Vier Liter Eistee pro Tag haben die Nieren des 56-Jährigen aus Arkansas offensichtlich ruiniert. Die Mediziner um Umbar Ghaffar vom medizinischen Institut der Universität von Arkansas kommen zu dem Schluss, dass die enthaltenen Oxalate im Eistee zu dem Nierenversagen des Patienten geführt haben.

Nierenversagen des 56-Jährigen erfordert eine Dialyse
Den Angaben der Ärzte zufolge wurde der Mann im Mai 2014 mit allgemeinem „Schwächegefühl, Müdigkeit, Gliederschmerzen und einem erhöhten Serum-Kreatinin-Wert“ ins Krankenhaus eingeliefert. Der Patient zeigte keine Proteinurie (Eiweiß im Urin) oder Hämaturie (Blut im Urin), jedoch waren im Urin bemerkenswert viele Kalziumoxalatkristalle vorhanden, berichten die Ärztin Umbar Ghaffar und Kollegen. In der Familie des Patienten seien ansonsten keine Nierenerkrankungen aufgetreten und der Mann hatte zuvor keine Nierensteine, so die US-Mediziner. "Im weiteren Verlauf hat sich der Zustand des Patienten deutlich verschlechtert und das Einsetzen urämischer Symptome (Beschwerden infolge der zu hohen Konzentration von Harnsäure im Blut) erforderte laut Umbar Ghaffar den Beginn einer Dialyse", so die Ärzte.

16 Gläser Eistee pro Tag
Die rasch fortschreitende Natur des Nierenversagens bei normaler Nierengröße im Ultraschall veranlasste die Ärzte zu einer Nierenbiopsie, bei der extrem viele Oxalatkristalle und interstitielle Entzündungen in den Nieren entdeckt wurden. Der Befund habe in Kombination mit den festgestellten Eosinophilen (spezielle Leukozyten) und interstitiellen Ödemen auf eine sogenannte „Oxalat-Nephropathie“ hingewiesen. Als Ursache sei „mit ziemlicher Sicherheit übermäßiger Konsum von Eistee“ zu bewerten, schreiben Ghaffar und Kollegen. Denn schwarzer Tee enthält reichlich Oxalat. „Mit 16 Tassen Tee täglich, betrug der tägliche Konsum von Oxalat des Patienten mehr als 1500 Milligramm“, berichten die Wissenschaftler. Damit habe der Patient etwa drei- bis zehnmal mehr Oxalat aufgenommen als der durchschnittliche Amerikaner.

Auch Rhabarber oder Erdnüsse können den Nieren schaden
Die US-Mediziner kommen zu der Schlussfolgerung, dass die Oxalat-Nephropathie eine vielfach unterbewertete Ursache für Nierenversagen sein könnte. „In Fällen ungeklärten Nierenversagens, bei dem die Proteinurie fehlt und reichlich Oxalatkristalle im Urinsediment vorhanden sind, sollte eine gründliche Kontrolle der Ernährungsgeschichte erfolgen, da die Nierenfunktionsstörungen auf eine Oxalat-reiche Ernährung zurückgehen kann“, so Ghaffar und Kollegen. Denn neben Eistee können zum Beispiel auch die Sternfrucht, Rhabarber oder Erdnüsse zu entsprechenden Störungen der Nierenfunktion führen.

Verzicht auf schwarzen Tee nicht erforderlich
Zu dem aktuellen Fall erklärte der Nierenspezialist Randy Luciano von der Medizinschule der Yale University gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“, dass dieser sehr ungewöhnlich sei. Er habe bereits mehrmals Oxalat bedingte Nierenschäden untersucht, aber würde den Leuten nicht raten, dass sie aufhören sollen, Tee zu trinken. Der 56-Jährige Patient aus Arkansas habe es mit rund vier Litern Eistee pro Tag einfach zu sehr übertrieben. (fp)

>Bild: simvero / pixelio.de