Norovirus im Internat in Hessen bestätigt

Fabian Peters

45 Norovirus-Infektionen im hessischen Internat durch Gesundheitsbehörden bestätigt

01.02.2011

Das Norovirus geht um. Nachdem DRK und Notärzten am Freitag zu einem Großeinsatz wegen akutem Brechdurchfall von Schülern in der Hermann-Lietz-Schule in Hohenwehrda ausgerückt waren, hat sich mittlerweile der Verdacht auf eine Norovirus-Infektion bestätigt

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Fünf Lehrkräfte und 40 Schüler seien zwischenzeitig wegen den typischen Norovirus-Symptome – Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet von drohenden Kreislaufzusammenbrüchen – in medizinischer Behandlung gewesen. 27 Schüler wurden direkt nach dem Großeinsatz am Freitag ambulant behandelt. Von den drei Kindern, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, konnten allerdings mittlerweile zwei bereits wieder entlassen werden, teilte Dieter Gobrecht, Amtsarzt des Kreises Hersfeld-Rotenburg, am Montag mit. Das vorübergehende Krankenlager in dem Internat wurde derweil auch wieder aufgelöst und der Schulbetrieb laufe normal weiter, berichtete die Schulleiterin Sabine Hasenjäger.

Norovirus-Infektionen: Internat wird desinfiziert
Zwar seien immer noch rund zehn Kinder und drei Lehrkräfte betroffen, doch das Norovirus klinge allmählich wieder ab, erläuterte der Amtsarzt des Kreises Hersfeld-Rotenburg. „Nach 24 bis 36 Stunden ist das (…) meist für den Einzelnen ausgestanden“, so Gobrecht. Um weitere Infektionen zu vermeiden, wird aktuell das ganze Schulgebäude vorsorglich äußerst penibel desinfiziert, erklärte die Schulleiterin. „Hier sieht es aus wie in einem OP“, so der Kommentar von Sabine Hasenjäger zu den umfassenden Desinfektionsmaßnahmen. Einige Eltern hätten zwar verständlicherweise deutlich beunruhigt auf die Vorfälle in dem Internat reagiert, der Großteil sei jedoch nach nach telefonischer Rücksprache besonnen mit den Ereignissen umgegangen, so die Aussage der Schulleiterin. Außerdem werde die Schulleitung alle Angehörigen der Schüler in einer Rundmail über die Erkrankung und die erfolgten Maßnahmen informieren, betonte Hasenjäger.

Norovirus-Infektionen deutschlandweit drastisch gestiegen
Derzeit scheint eine regelrechte Norovirus-Welle Deutschland zu erfassen. Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen ist in den letzten beiden Monaten rasant gestiegen. An sich nichts ungewöhnliches, denn wie auch die saisonalen Grippewellen treten die Norovirus-Infektionen vor allem in den Wintermonaten auf. Doch ist die Zahl der Neuerkrankungen insgesamt ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in den letzten zehn Jahren drastisch gestiegen. So infizierten sich den Schätzungen des RKI zufolge im vergangenen Jahr deutschlandweit rund eine Million Menschen mit dem Norovirus, was etwa hundertmal mehr waren als noch im Jahr 2001.

Norovirus-Infektion verursacht schwere Gastroenteritis
Eine Infektion mit dem Norovirus ist gekennzeichnet durch eine relativ kurze Inkubationszeit, gefolgt von einer ebenfalls relativ kurzen aber heftigen Erkrankungen. Die Symptome entsprechen dabei im wesentlichen einer starken Gastroenteritis – schlagartiger Durchfall und heftiges Erbrechen sind häufig Anzeichen einer Norovirus-Infektion. Übertragen wird das Virus durch die sogenannte Schmier- oder Kontaktinfektion. Die Noroviren werden von bereits infizierten Personen über Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden und von ihrem Mitmenschen auf fäkal-oralem Weg aufgenommen. Da die Noroviren außerdem sehr resistent sind – Temperaturschwankungen von minus 20 bis plus 60 Grad können ihnen nichts anhaben – ist eine Übertragung auch relativ leicht über kontaminierte Gegenstände, Speisen und Getränke möglich.

Norovirus-Infektionsrisiko in Gemeinschaftseinrichtungen deutlich erhöht
In Gemeinschaftseinrichtung wie dem jetzt betroffenen hessischen Internat ist das Infektionsrisiko zudem besonders hoch, da nicht nur der generell enge Kontakt zu den Mitbewohnern sondern auch die gemeinsame Nutzung der Hygiene-Einrichtungen, zum Beispiel gemeinsamer Toiletten, einen lokalen Ausbruch fördert. Die strenge Einhaltung gewisser Hygienestandards wie regelmäßiges Händewaschen oder das Abkochen von Wäsche und Geschirr, kann dabei jedoch helfen sich zumindest grob vor einer Infektion zu schützen. Da mit einer Norovirus-Infektion ein erhebliche Flüssigkeitsverlust einhergeht, sollte der Brechdurchfall vor allem bei Kindern, älteren und geschwächten Menschen nicht auf die leichte Schulter genommen werden und bei schwerem Krankheitsverlauf dringend ein Arzt hinzugezogen werden. (fp)