Norovirus kann weit durch die Luft fliegen

Sebastian
Forscher weisen Verbreitung des Virus über den Luftweg nach
Noroviren gelten als extrem ansteckend und sind daher für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten Magen-Darm-Infekte bei Kindern und Erwachsenen verantwortlich. Bislang wurde davon ausgegangen, dass die Viren fäkal-oral (z.B. über Kontakt mit verunreinigten Flächen) oder durch die orale Aufnahme virushaltiger Tröpfchen infolge des Erbrechens übertragen werden. Doch kanadische Forsche haben nun herausgefunden, dass diese offenbar auch größere Distanzen auf dem Luftweg zurück legen können. Dies könnte erklären, warum Ausbrüche der Erkrankung bislang nur schwer kontrollierbar waren.

Ansteckung erfolgt auf „fäkal-oralem“ Weg
Mehr als 50% der Magen-Darm-Infekte wird durch so genannte „Noroviren“ verursacht. Dabei reicht bereits eine geringe Anzahl der Erreger, um in nur wenigen Stunden Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen hervorzurufen. Hinzu kommt normalerweise ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Da die Viren hoch ansteckend sind, breiten sie sich vor allem dann schnell aus, wenn sich viele Menschen auf einem Fleck befinden, wie z.B. in Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern. Bislang wurde davon ausgegangen, dass die Übertragung insbesondere auf dem „fäkal-oralen“ Weg erfolge. In diesem Fall werden die Viren über den Stuhl und Erbrochenes von Infizierten ausgeschieden und anschließend infolge unzureichender Händehygiene z.B. durch Händeschütteln oder verunreinigte Gegenstände (Türdrücker etc.) weitergegeben.

Forscher entnehmen Luftproben in acht Krankenhäusern und Pflegeheimen
Dabei stellt die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch den hauptsächlichen Grund für die hohe Zahl an Norovirus-Infektionen dar, neben dem können diese aber auch durch kontaminierte Speisen (Salate, Muscheln etc.) oder z.B. verunreinigtes Wasser entstehen. Zudem ist schön länger bekannt, dass die Erreger kurze Wege auch über die Luft bewältigen können, wobei sie in winzige Tröpfchen eingeschlossen sind, die durch Erbrechen eines Kranken in direkter Nähe entstehen.

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Nun haben kanadische Forscher jedoch herausgefunden, dass die Viren offenbar viel weiter „fliegen“ können als bisher vermutet. Die Wissenschaftler um Caroline Duchaine von der Université Laval in Quebec hatten für ihre Studie Luftproben in acht Krankenhäusern und Pflegeheimen gesammelt, in denen Magen-Darm-Infekte aufgetreten waren. Die Luft entnahmen die Experten dabei in den Krankenzimmern der Betroffenen mit einem Meter Abstand zu den Kranken, hinzu kamen Proben von den Fluren vor den Zimmern und aus den Räumen der Krankenschwestern, so die Mitteilung der Université Laval.

Luft in 54% der Krankenzimmer kontaminiert
In der Luft von sechs der acht untersuchten Einrichtungen wurden die Wissenschaftler schließlich fündig, indem Konzentrationen von 13 bis 2350 Stück pro Kubikmeter nachgewiesen werden konnten. Dabei sei normalerweise bereits eine Dosis von 20 Norovirus-Partikeln ausreichend, um einen Magen-Darm-Infekt auszulösen. „Die Viren wurden in 54% der Krankenzimmer von Gastroenteritis-Patienten, 38% der zu diesen führenden Fluren und rund 50% der Aufenthaltsräume der Schwestern erfasst“, so die Information der Universität. Aus der Luft könnten die Erreger dann in den Rachen gelangen, verschluckt werden und schließlich zu einer Infektion führen – welche im Falle von Noro-Viren nur im Verdauungssystem ausgelöst werden könne.

Bisherige Sicherheits-Maßnahmen nur auf direkten Patienten-Kontakt ausgerichtet
Dass die Viren offenbar doch weiter fliegen könnten, sei eine neue Erkenntnis, welche möglicherweise erklären könne, warum Ausbrüche der Krankheit bisher nur schwierig zu kontrollieren waren.
„Die im Krankenhaus bestehenden Maßnahmen sind bisher nur auf den direkten Kontakt mit infizierten Patienten beschränkt. Angesichts unserer Ergebnisse bedarf es nun jedoch eine Überprüfung dieser Vorgaben, um die Möglichkeit der Übertragung von Noroviren durch die Luft zu berücksichtigen. Der Einsatz von mobilen Luftfilteranlagen oder das Tragen von Atemschutz in der Umgebung von Patienten mit Gastroenteritis sind Maßnahmen die getestet werden sollten“, so die Studienleiterin Caroline Duchaine von der Université Laval.

Bei Erkrankung unbedingt auf konsequente Hygiene achten
Bislang ist eine Impfung gegen Noroviren nicht möglich. Dementsprechend kann nur versucht werden, eine Ansteckung über konsequente Hygiene zu vermeiden. Dazu gehört für Kontaktpersonen von Erkrankten z.B. das Tragen von Handschuhen oder Atemschutz, sorgfältige Handhygiene und -desinfektion sowie die Desinfektion von Flächen, mit denen der Erkrankte Kontakt hatte, wie z.B. Toiletten, Waschbecken oder Türgriffen. (nr)

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Bild: Aka / pixelio.de