Notärzte erleben täglich Ignoranz der Autofahrer

Heilpraxisnet

Notärzte kritisieren Ignoranz der Autofahrer

22.02.2015

Notärzte müssen schnell am Einsatzort sein, um Leben zu retten. Die Sirene soll ihnen dabei helfen, möglichst rasch und ohne Unfall voran zukommen. Doch viele Autofahrer ignorieren die Sondersignale. Das kann Leben kosten, kritisieren Notärzte.

Aggressivität im Straßenverkehr
Nacht Ansicht der Notärzte ignorieren Bayerns Autofahrer immer öfter die mit Sondersignal fahrenden Notarztwagen. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigten Notärzte (agbn), Peter Sefrin, sagte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa: „Es herrscht mittlerweile ein ewiger Egoismus im Straßenverkehr. Und das macht sich natürlich auch bei den Einsatzfahrten bemerkbar.“ Dies sei zwar nur eine von vielen Formen der Aggressivität im Straßenverkehr. „Aber das ist eine, die eine größere Gruppe betreffen kann, wenn man eigentlich ausrückt, um anderen zu helfen“, so Sefrin.

Behinderungen bei 70 Prozent der Einsatzfahrten
Dem Vorsitzenden der agbn zufolge werden die Rettungswagen bei 70 Prozent der Einsatzfahrten ignoriert, ausgebremst oder bewusst blockiert. „So nach dem Motto: „Den lass ich jetzt nicht durch. Der fährt ja nur mit seinem Auto Pizza holen.“ Dabei ist das überhaupt nicht möglich.“ Durch diese Reaktionen der Autofahrer steigt das ohnehin hohe Unfallrisiko zusätzlich an. Zwar seien die Notärzte sowohl praktisch als auch theoretisch für die gefährlichen Situationen im Straßenverkehr geschult. Doch eine spezielle Fahrweise sei aufgrund der vielfältigen Reaktionen gar nicht möglich. „Die Unberechenbarkeit für die Fahrer ist überproportional.“ Den Angaben zufolge seien die bayerischen Notärzte im vergangenen Jahr fast 370.000 Mal mit Sondersignal ausgerückt.

Autofahrer sollen sensibilisiert werden
Notärzten bleibt nichts anderes übrig als zu warten, wenn die Straße – absichtlich oder unabsichtlich – blockiert ist. „Mehr können wir nicht tun.“ Die Mediziner würden auch keine Kennzeichen aufschreiben. „Wir möchten nicht die Lehrer der Nation sein und halten das auch nicht für ein adäquates Druckmittel“, erklärte Sefrin. Stattdessen wünsche er sich mehr Aufklärung, damit Autofahrer sensibilisiert werden. „Man muss zeigen, dass jeder innerhalb von kürzester Zeit selbst in die Situation kommen kann, dass er dringend Hilfe vom Notarzt braucht.“ Wenn man bedenkt, dass etwa bei Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall jede Minute über Leben oder Tod entscheiden kann, ist die Ignoranz mancher Verkehrsteilnehmer wahrlich erschreckend.

Strafbefehl gegen Notarzt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs
Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein rein bayerisches Problem. Auch aus Thüringen wurde kürzlich ähnliches berichtet. Die „Thüringer Allgemeine“ zitierte Dr. Hans-Jürgen Arndt, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Nordhausen: „Es wird einem die Vorfahrt genommen, man wird ausgebremst oder blockiert. Für 75 Prozent spielt es keine Rolle, wenn wir mit Blaulicht unterwegs sind.“ Vor rund zwei Wochen sorgte der Strafbefehl gegen einen bayerischen Notarzt für bundesweite Schlagzeilen. Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs bei einer Einsatzfahrt sollte dieser 4.500 Euro zahlen und den Führerschein ein halbes Jahr abgeben. Wenig später wurde der Strafbefehl wieder aufgehoben. (ad)

Bild: Martin Jäger / pixelio.de

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