Nuklearmedizin zur besseren Diagnose und Therapie von Alzheimer

Fabian Peters
Sicher Diagnose und neue Therapieansätze bei Alzheimer dank Nuklearmedizin
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenzerkrankungen und insbesondere bei älteren Menschen relativ weit verbreitet. Sowohl die Ursachen der Erkrankung, als auch die zugrundeliegenden Mechanismen bleiben jedoch bislang relativ unklar. Neue nuklearmedizinische Bildgebungsverfahren könnten hier wesentlich zu einer Lösung beitragen, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin.

Die neurodegenerativen Erkrankungen werden ein Schwerpunktthema auf der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Nuklearmedizin Ende April in Dresden. Denn neue nuklearmedizinische Verfahren der molekularen Bildgebung können dabei helfen, „die Veränderungen im Gehirn objektiv zu erfassen und damit die Entwicklung dieser Erkrankungen besser zu verstehen und in einem nächsten Schritt hoffentlich auch erfolgreich zu behandeln“, so die Mitteilung der DGN.

Die Eiweißablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten können mit Hilfe der Nuklearmedizin visualisiert werden, was auch zu einem besseren Verständnis der Krankheitsursachen und der Entwicklung neuer Therapieansätze beitragen kann. (Bild: Juan Gärtner/fotolia.com)

Neurodegenerative Erkrankungen besonders gefürchtet
Demenzerkrankungen sind angesichts des mit ihnen verbundenen Rückgangs der geistigen Fähigkeiten und des Verlustes der eigenen Persönlichkeitsmerkmale ein besonders gefürchtetes Beschwerdebild. Sie zählen zu den sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen wie beispielsweise auch Morbus Parkinson, wobei sich Parkinson jedoch vor allem in neurodegenerativen Bewegungsstörungen äußert, während Demenz vor allem die kognitiven Fähigkeiten betrifft.

Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung und Therapie
Bei beiden Beschwerdebildern (Parkinson und Demenz) „handelt es sich um neurodegenerative Erkrankungen, genauer um solche, die zum Funktionsverlust und Ausfall von Nervenzellen führen“, erläutert die DGN. Diese Erkrankungen seien gleichzeitig besonders schwer diagnostizierbar und therapierbar, was unter anderem daran liege, dass die neurodegenerativen Erkrankungen bereits viele Jahre bis Jahrzehnte vor den ersten fassbaren Symptomen beginnen, sich im Gehirn auszubreiten. Hier ist das Gehirn jedoch durch Kompensationsmechanismen in der Lage, die Ausfälle bis zu einem gewissen Grad aufzufangen und daher läuft der Prozess lange unbemerkt ab, erklärt die DGN. Entsprechend spät erfolge oft eine Diagnose.

Veränderungen im Gehirn erfassen und Krankheitsursachen besser verstehen
Selbst nach Einsetzen der ersten Symptome bleibe eine zuverlässige Diagnose der Krankheitsursache oftmals unmöglich, „da ihr Erscheinungsbild variiert und somit keine sicheren Rückschlüsse auf die zugrundeliegenden Veränderungen im Gehirn zulässt“, so die Mitteilung der DGN. „Neue nuklearmedizinische Verfahren der molekularen Bildgebung können nun dabei helfen, die Veränderungen im Gehirn objektiv zu erfassen und damit die Entwicklung dieser Erkrankungen besser zu verstehen und in einem nächsten Schritt hoffentlich auch erfolgreich zu behandeln“, berichtet die Fachgesellschaft weiter.

Eiweißablagerungen im Gehirn von entscheidender Bedeutung
Bisher war ein sicherer Nachweis der krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn nur durch die Analyse von Hirngewebe unter dem Mikroskop möglich, so dass eine sichere Diagnose der Erkrankung zu Lebzeiten des Patienten ausgeschlossen blieb, berichtet die DGN. Zwei Formen der krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn gelten als typisch für Alzheimer: Die sogenannten Amyloid-Plaques im Zellzwischenraum des Gehirns sowie weitere Ablagerungen des sogenannten Tau-Eiweißes (Neurofibrillen oder „Tangles“) in den Nervenzellen.Welche genaue Wirkung die Eiweißablagerungen haben, ist bisher nicht bekannt, aber es werde davon ausgegangen, dass sie ursächlich mit der Erkrankung in Verbindung stehen, so die Mitteilung der DGN.

Visualisierung der Auffälligkeiten im Gehirn
Die frühen Formen der verklebten Eiweißbruchstücke beeinträchtigen vermutlich die Funktion der Synapsen – also der Nervenübertragungsstellen – und damit der Nervenzellen insgesamt, berichtet die DGN. Mittels neuer nuklearmedizinischer, bildgebender Verfahren werde nun eine Visualisierung der betreffenden Auffälligkeiten im Gehirn auch beim lebenden Menschen möglich. Das erfolge mittels der sogenannten Positronen-Emissions-Tomographie (PET). „Bei diesem hochempfindlichen Bildgebungsverfahren werden beim Menschen durch den Einsatz sogenannter Tracer – gering radioaktiv markierter Spürsubstanzen – Veränderungen in molekularer Größenordnung sichtbar gemacht“, erläutern die Experten.

Sogenannte Tracer machen die Eiweißablagerungen sichtbar
Zunächst wird zur Vorbereitung der PET den Patienten eine kleine Menge der Tracer-Substanz in eine Armvene injiziert, so dass sie sich im Körper verteilt und sich dann gezielt mit den krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn verbindet, berichtet die DGN. Die Verteilung des Tracers im Körper könne anschließend „durch die von ihm ausgehende radioaktive Strahlung mittels einer speziellen, hochempfindlichen PET-Kamera dargestellt werden.“ Das Verfahren sei für die untersuchte Person mit keinerlei Schmerzen oder anderen Unannehmlichkeiten verbunden.

Basis für die Entwicklung neuer Therapieansätze
Mittlerweile wurden für neurodegenerative Erkrankungen zahlreiche Tracer entwickelt und beispielsweise sie ein Nachweis der Amyloid-Ablagerungen auf diesem Wege schon länger möglich, berichtet die DGN. Eine Alzheimer-Erkrankung könne damit sehr früh nachgewiesen oder ausgeschlossen werden, wobei letzteres gerade bei Patienten mit leichten Beeinträchtigungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit eine wichtige Rolle spiele. Ebenso habe das Verfahren der Amyloid-Bildgebung eine große Bedeutung im Hinblick auf die Entwicklung neuer Therapieansätze gegen Alzheimer sowie deren spätere Erfolgskontrolle. Erst seit kurzem seien auch Tracer verfügbar, die eine Bildgebung von Tau-Ablagerungen ermöglichen. Jedoch befinden sich die Tau-Tracer derzeit noch in der Erprobung und werden bislang noch nicht routinemäßig eingesetzt, so die Mitteilung der DGN. (fp)

Advertising