Öko, Bio & Regional: Wie verlässlich sind Lebensmittel-Label tatsächlich?

Sebastian
Öko, Bio, Regional: Was Verbraucher über Siegel wissen sollten
Ein „Öko“-Siegel deutet darauf hin, dass die Umwelt geschont wird. „Bio“ ist gesünder und „Regional“ hebt hervor, dass die Produkte aus der Nähe kommen. So einfach ist es aber leider nicht. Solche Labels geben Verbrauchern nicht unbedingt eine hundertprozentige Garantie. Einige Gewissheiten gibt es aber trotzdem.

„Bio“ und „Öko“ geben Verbrauchern ein gutes Gefühl
bio-siegelÄpfel aus dem Bioladen und Milch aus dem Bioregal im Supermarkt. Siegel wie „Bio“ oder „Öko“ geben Verbrauchern in der Regel ein gutes Gefühl, auch wenn sie häufig gar nicht wissen, was diese Begriffe genau bedeuten. Sind etwa in Biowaren weniger gefährliche Pestizide enthalten? Oder soll man besser Bioprodukte kaufen oder auf Obst und Gemüse aus der Region setzen? In einer aktuellen Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa gibt es einen Überblick, an dem sich Verbraucher orientieren können:

Biosiegel sagt nichts über den Schadstoffgehalt
Alexandra Borchard-Becker von der Verbraucher Initiative erläutert zur Frage darüber, was Biosiegel über einen möglichen Schadstoffgehalt aussagen: „Gar nichts. Kein Siegel kann das leisten. Biosiegel kennzeichnen nur die Form des Anbaus.“ Allerdings können sich Konsumenten darauf verlassen, wenn sie beispielsweise Ware mit dem Demeter-Siegel kaufen, dass keine chemisch-synthetischen Düngemittel benutzt wurden oder auch dass die Produkte nur 13 absolut notwendige Zusatzstoffe enthalten.

Das ist echte Bio-Ware
Wie man echte Bio-Waren erkennen kann, hatte auch die Lebensmittelexpertin Laura Gross von der Verbraucher Initiative Berlin im vergangenen Jahr im Gespräch mit der dpa erklärt. Sie wies unter anderem darauf hin, dass alle Bio-Händler für ihre Produkte eine Öko-Kontrollstellennummer vorweisen können müssen. Ganz entscheidend bei der Produktion von Bio-Ware ist der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, deren Rückstände bei konventionellen Produkten häufig auf oder in den Lebensmitteln verbleiben und zum Teil gesundheitsschädlich sind oder zumindest im Verdacht stehen, Allergien auszulösen oder sogar Krebserkrankungen zu begünstigen.

Manche Anbauverbände haben strengere Vorgaben
Wie es in der aktuellen Agenturmeldung heißt, gilt grundsätzlich, dass Verbraucher bei Lebensmitteln mit dem EU-Bio-Logo – einem stilisierten Blatt aus zwölf weißen Sternen auf grünem Grund – wissen, dass die gesetzlichen Vorgaben der EG-Öko-Verordnung mindestens erfüllt sind. In der Regel haben Labels von Anbauverbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland strengere Vorgaben als die der EG-Bio-Verordnung. „Ich habe aber auch hier keine Garantie, dass das Lebensmittel ganz clean ist“, so Borchard-Becker. Zum Teil liege dies auch gar nicht an der Art des Anbaus. Wenn sich ein Feld mit Biomöhren zum Beispiel in der Nähe eines Feldes mit konventionellem Anbau befindet, könne es durchaus sein, dass sich auch auf der Biomöhre Rückstände von Pestiziden finden, da der Wind das Spritzmittel verteilt. Verbrauchern bleibt letztlich nur, auf Lebensmittelkontrollen zu vertrauen. Bei diesen muss auffallen, wenn Rückstände einen gesetzlich erlaubten Wert überschreiten.

Produkte aus Übersee oder aus der Region
Ob man auf Bioprodukte, die aus Übersee importiert werden oder lieber auf regionale Lebensmittel zurückgreifen soll, müssen Verbraucher selbst abwägen. Dabei hilft es, sich auch bei den Waren aus dem Bioladen die Angaben auf der Verpackung genauer anzusehen. Beispielsweise ob ein Apfel aus China oder Ägypten kommt. „Da muss ich mir die Frage stellen: Wie viel ist mir die Biovariante wert?“, meint Borchard-Becker. So kann man fragen, ob man dafür einen hohen Wasserverbrauch und lange Transportwege in Kauf nehmen will oder sich lieber für Produkte entscheidet, die auch hier wachsen. Und in der Folge möglicherweise lieber den Apfel oder die Kartoffel vom Bauern um die Ecke nimmt.

Regional heißt nicht gleich Bio
Zu beachten ist dabei, dass umgekehrt Regional nicht gleich Bio heißt. Normalerweise bietet sich aber auf dem Markt oder in einem Hofladen die Möglichkeit, nachzufragen, wie Obst und Gemüse angebaut oder behandelt wurden. Bei Obst, Gemüse und anderen Produkten aus dem Supermarkt, die mit schwammigen Begriffen wie „aus der Region“ gekennzeichnet sind, wird es aber knifflig. Das blaue „Regionalfenster“ gibt eine bessere Orientierung. Dieses zeigt an, woher die Hauptzutat eines Produktes stammt, wo es verarbeitet wurde und wie hoch der Gesamtanteil der regionalen Zutaten ist. Allerdings ist die Nutzung des Logos für Hersteller und Handel freiwillig. (ad)

1: FotoHiero / pixelio.de
Bild2: Bio-Sigel offiziell