Öko-Test-Studie: Diese Margarinen sind nur ungenügend oder sogar mangelhaft

Alfred Domke
Fettschadstoffe: Viele Margarinen fallen bei Öko-Test durch
Viele Menschen, die sich morgens Margarine statt Butter aufs Brot schmieren, begründen dies damit, dass der pflanzliche Aufstrich umweltschonender und gesünder sei. Doch eine aktuelle Untersuchung des Verbrauchermagazins „Öko-Test“ zeigt, dass selbst in Bio-Margarinen gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe enthalten sind. Zudem wird für die Herstellung häufig das aus Umweltschutzgründen umstrittene Palmöl verwendet.

Gesünder und umweltschonender?
Über die Frage, ob morgens Butter oder Margarine aufs Brot soll, sind die Bundesbürger geteilter Meinung. Während der Pro-Kopf-Verbrauch von Margarine in Deutschland etwa fünf Kilo pro Jahr beträgt, liegt der von Butter bei rund sechs Kilogramm. Viele, die sich für die pflanzliche Variante entscheiden, tun dies, weil sie auf tierische Produkte verzichten wollen, andere, weil Margarine oft als gesünder angesehen wird. Doch wie sich in einer aktuellen Untersuchung des Verbrauchermagazins „Öko-Test zeigte, sind zahlreiche Margarinen – auch Bio-Produkte – mit gesundheitlich bedenklichen Schadstoffen belastet.

Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ bewertete in einer aktuellen Untersuchung zahlreiche Margarinen mit „ungenügend“ oder „mangelhaft“. In den Produkten sind teilweise gesundheitlich bedenkliche Fettschadstoffe enthalten. (Bild: Marietjie Opperman/fotolia.com)

Viele Margarinen fallen im Test durch
Als die Experten der Stiftung Warentest vor kurzem 19 Margarinen genauer unter die Lupe nahmen, zeigte sich, dass auch viele günstige Margarinen gut sind. Nur ein Produkt fiel mit „mangelhaft“ durch.

In einer aktuellen Untersuchung von „Öko-Test“ fielen die Ergebnisse jedoch deutlich schlechter aus. Die Experten testeten insgesamt 20 Produkte und bewerteten sechs davon mit „mangelhaft“ und fünf mit „ungenügend“.

Unter den durchgefallenen Marken war unter anderem auch eine besonders bekannte. Die Ergebnisse der Untersuchung können auf der Webseite von „Öko-Test“ kostenpflichtig eingesehen werden.

Regenwaldrodungen für Palmölplantagen
Margarine besteht zu 30 Prozent aus Palmöl. Das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzenöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen und ist nach Angaben der Natur- und Umweltschutzorganisation „WWF“ gegenwärtig in etwa jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten.

Das Problem dabei: Für die Herstellung werden hektarweise Regenwald abgeholzt. Das hat schwerwiegende Folgen wie zum Beispiel den Ausstoß immenser Mengen Kohlendioxid (CO2) und der Verlust der Artenvielfalt.

Viele Hersteller verwenden daher mittlerweile Palmöl mit RSPO-Zertifizierung, welche bestätigt, dass das Öl aus nachhaltiger Produktion stammt.

Doch eine aktuelle Untersuchung des Magazins „Öko-Test“ zeigt, dass auch dieses Zertifikat offenbar kein Garant dafür ist, dass die Kriterien für eine umweltverträgliche Herstellung tatsächlich voll und ganz eingehalten werden.

20 Margarinen und Streichfette im Test
„Öko-Test“ untersuchte im Labor 20 verschiedene Margarinen und Streichfette, darunter die vier Bio-Produkte „Alnatura Margarine Dreiviertelfett“, „Rapunzel Prima Reine Pflanzenmargarine“, „Alsan-Bio Margarine“ und „Landkrone Bio-Margarine“.

Da alle getesteten Produkte Palmöl enthalten, forderten die Tester von den Herstellern Belege für die Herkunft des Öls bzw. Nachweise für die RSPO-Zertifizierung.

Die Tester erhielten dem Bericht des Magazins zufolge Antworten zu 19 der getesteten Produkte, wonach 18 ausschließlich nach dem RSPO-Standard zertifiziertes Palmöl enthalten sollen.

Nicht alle Hersteller reichen Belege ein
Aussagekräftige Belege über den gesamten Herstellungsprozess wurden jedoch nur von den Bio-Anbietern sowie den konventionellen Herstellern Walter Rau und Vandemoortele geliefert – jeweils auch für die jeweiligen Discounter-Produkte.

Nachhaltig produziertes Palmöl findet sich demnach in „Deli Reform Das Original“, „Landkost Pflanzen Margarine“ und den Margarinen von Aldi Süd, Norma und Globus (produziert von Walter Rau) sowie denen von Aldi Nord, Kaufland und Lidl (produziert von Vandemoortele).

Der Weltkonzern Unilever hingegen blieb für seine vier getesteten Produkte („Homa Gold“, „Becel Gold“, „Rama Dreiviertelfett“ und „Flora Pflanzenmargarine“) unter anderem die Belege schuldig, sodass „Öko-Test“ die Kriterien des mitgeschickten RSPO-Zertifikats nur als „teilweise“ erfüllt bewertete.

Auch REWE konnte aus Sicht der Experten die erforderlichen Kriterien nur „teilweise belegen“, gar keine Angaben machte der Anbieter Heirler für sein Produkt „Eden Die Gute Pflanzenmargarine mit Sonnenblumenöl“ aus dem Reformhaus.

Fettschadstoffe in Bio-Produkten
Auch im Labor machten die Experten einige unerfreuliche Entdeckungen. Alle vier getesteten Bio-Margarinen enthielten demnach Fettschadstoffe, wobei die höchste Belastung in der Alsan-Bio Margarine festgestellt wurde.

Drei der vier Bio-Margarinen bekamen außerdem bei der Fettzusammensetzung nur ein „befriedigend“ (Rapunzel, Alsan) oder „ausreichend“ (Landkrone), da sie reichlich gesättigte, aber wenig ungesättigte Fettsäuren liefern.

Das kann nachteilig für die Gesundheit sein, denn eine Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäuren erhöht Studien zufolge unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Im Gesamturteil erreichte bei den Bio-Streichfetten nur die Alnatura-Margarine ein „befriedigend“, alle anderen bekamen ein „ausreichend“ oder sogar „ungenügend“.

Ebenfalls unerfreulich ist, dass in allen vier Bio-Produkte erhöhte bis stark erhöhte Gehalte an gesättigten Mineralöl-Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) gemessen wurden.

Diese stehen teilweise im Verdacht, potenziell krebserregend zu sein und sollen daher in Lebensmitteln so wenig wie möglich eingesetzt werden. Den höchsten Wert erreichte hier „Eden Die Gute“ von Heirler.

„Das ist ärgerlich. Alle vier Bio-Marken sind stark mit Schadstoffen belastet. Warum schaffen es die Hersteller nicht, das besser in den Griff zu bekommen?“, so die Öko-Test Redakteurin und Ernährungswissenschaftlerin, Birgit Hinsch laut dem Magazin.

Discounter-Margarine schneidet am besten ab
Insgesamt erreichten sechs der getesteten Streichfette ein „mangelhaft“, darunter z.B. „Becel Gold“, die „Ja! Pflanzenmargarine “ von Rewe, „Bellasan“ von Aldi Süd und die „Landkost Pflanzen Margarine“ von Walter Rau.

Die bekannte „Rama“ von Unilver sowie „Frisan“ von Norma und „Eden die Gute“ sowie zwei weitere Produkte bewerteten die Experten insgesamt sogar mit „ungenügend“.

Das beste Gesamturteil erhielten „Deli Reform Das Original“ von Walter Rau sowie „K-Classic Pflanzenmargarine“ von Kaufland und „Vita D‘Or Classic von Lidl“ (beide vom Produzenten Vandemoortele).

Diese drei kamen auf ein „befriedigend“ bei den Inhaltsstoffen und ein „sehr gut“ bei der Fettzusammensetzung, zudem konnten alle die nötigen Belege zur RSPO-Zertifizierung liefern.

Umstrittenes Palmöl
Von vielen Experten wird grundsätzlich kritisiert, dass für die Herstellung von Margarine Palmöl verwendet wird. Dieses Öl steht unter anderem im Verdacht, bei starker Erhitzung an der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt zu sein.

Allerdings weisen Produzenten darauf hin, dass sich dieses Fett hervorragend für die Herstellung von Margarine eignet und es bislang keine abschließende Bewertung für das gesundheitliche Risiko gibt.

Außerdem stimmen „Behauptungen, dass Palmöl nur verwendet wird, weil es billiger ist“, nicht, schreibt das Unternehmen Alsan, dessen Margarine im Test schlecht abschnitt.

Darüber hinaus betonte die Firma in der Stellungnahme, dass man bei den Fettschadstoffen unter den von der EU-Kommision vorgeschlagenen Werten liege.

Und Landkrone teilte auf seiner Webseite mit, dass es für die Fettschadstoffe keine gesetzlichen Regelungen gebe. (ad)