Ökotest-Resultate: Oftmals Gesundheitsgefahren in Margarine- auch in Bio

Sebastian
Tester fordern Nachweise für nachhaltige Palmöl-Produktion
Lange Zeit galt gesunde Margarine als Alternative zur Butter. Doch das „gesunde Image“ bröckelt. Zum einen sind die pflanzlichen Fett mit schädlichem Palmöl versetzt, zum anderen fand Öko-Test auch in Bio-Margarinen gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe. Hier die Ergebnisse in der Übersicht:

Viele Menschen schmieren sich lieber Margarine statt Butter auf ihr Brot. Sei es, weil sie auf tierische Produkte verzichten möchten oder das pflanzliche Fett als gesünder und umweltschonender eingeschätzt wird. Was viele Verbraucher nicht wissen: Margarine enthält oft Palmöl, für dessen Herstellung hektarweise Regenwald gerodet wird. Öko-Test sich die Streichfette genauer angeschaut und auf Herkunft und Inhaltsstoffe geprüft. Das erschreckende Ergebnis: Auch viele Bio-Marken sind mit Schadstoffen belastet.

Schlechte Bewertungen für Margarine bei Ökotest- Bild: Marietjie Opperman-fotolia

Regenwaldrodungen für Palmölplantagen

Margarine besteht zu 30 Prozent aus Palmöl. Das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzenöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen und ist nach Angaben der Natur- und Umweltschutzorganisation „WWF“ gegenwärtig in etwa jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten. Das Problem dabei: Für die Herstellung werden hektarweise Regenwald abgeholzt. Das hat schwerwiegende Folgen wie zum Beispiel den Ausstoß immenser Mengen Kohlendioxid (CO2) und der Verlust der Artenvielfalt.

Hersteller setzen auf RSPO-Zertifizierung

Viele Hersteller verwenden daher mittlerweile Palmöl mit RSPO-Zertifizierung, welche bestätigt, dass das Öl aus nachhaltiger Produktion stammt. Doch eine aktuelle Untersuchung des Magazins „Öko-Test“ zeigt, dass auch dieses Zertifikat offenbar kein Garant dafür ist, dass die Kriterien für eine umweltverträgliche Herstellung tatsächlich voll und ganz eingehalten werden.

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20 Margarinen und Streichfette im Test

Öko-Test untersuchte im Labor 20 verschiedene Margarinen und Streichfette, darunter die vier Bio-Produkte „Alnatura Margarine Dreiviertelfett“, „Rapunzel Prima Reine Pflanzenmargarine“, „Alsan-Bio Margarine“ und „Landkrone Bio-Margarine“. Da alle getesteten Produkte Palmöl enthalten, forderten die Tester von den Herstellern Belege für die Herkunft des Öls bzw. Nachweise für die RSPO-Zertifizierung. Die Tester erhielten dem Bericht des Magazins zufolge Antworten zu 19 der getesteten Produkte, wonach 18 ausschließlich nach dem RSPO-Standard zertifiziertes Palmöl enthalten sollen.

Nicht alle Hersteller reichen Belege ein

Aussagekräftige Belege über den gesamten Herstellungsprozess wurden jedoch nur von den Bio-Anbietern sowie den konventionellen Herstellern Walter Rau und Vandemoortele geliefert – jeweils auch für die jeweiligen Discounter-Produkte. Nachhaltig produziertes Palmöl findet sich demnach in „Deli Reform Das Original“, „Landkost Pflanzen Margarine“ und den Margarinen von Aldi Süd, Norma und Globus (produziert von Walter Rau) sowie denen von Aldi Nord, Kaufland und Lidl (produziert von Vandemoortele).

Keine Angaben zu Reformhaus-Margarine

Der Weltkonzern Unilever hingegen blieb für seine vier getesteten Produkte („Homa Gold“, „Becel Gold“, „Rama Dreiviertelfett“ und „Flora Pflanzenmargarine“) unter anderem die Belege schuldig, sodass Öko Test die Kriterien des mitgeschickten RSPO-Zertifikats nur als „teilweise“ erfüllt bewertete. Auch REWE konnte aus Sicht der Experten die erforderlichen Kriterien nur „teilweise belegen“, gar keine Angaben machte der Anbieter Heirler für sein Produkt „Eden Die Gute Pflanzenmargarine mit Sonnenblumenöl“ aus dem Reformhaus.

Fettschadstoffe in Bio-Produkten

Auch im Labor machten die Experten einige unerfreuliche Entdeckungen. Alle vier getesteten Bio-Margarinen enthielten demnach Fettschadstoffe, wobei die höchste Belastung in der Alsan-Bio Margarine festgestellt wurde. Drei der vier Bio-Margarinen bekamen außerdem bei der Fettzusammensetzung nur ein „befriedigend“ (Rapunzel, Alsan) oder „ausreichend“ (Landkrone), da sie reichlich gesättigte, aber wenig ungesättigte Fettsäuren liefern.

Zu viele gesättigte Fettsäuren

Das kann nachteilig für die Gesundheit sein, denn eine Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäuren erhöht Studien zufolge unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Gesamturteil erreichte bei den Bio-Streichfetten nur die Alnatura-Margarine ein „befriedigend“, alle anderen bekamen ein „ausreichend“ oder sogar „ungenügend“.

Ebenfalls unerfreulich ist, dass in allen vier Bio-Produkte erhöhte bis stark erhöhte Gehalte an gesättigten Mineralöl-Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) gemessen wurden. Diese stehen teilweise im Verdacht, potenziell krebserregend zu sein und sollen daher in Lebensmitteln so wenig wie möglich eingesetzt werden. Den höchsten Wert erreichte hier „Eden Die Gute“ von Heirler.

„Das ist ärgerlich. Alle vier Bio-Marken sind stark mit Schadstoffen belastet. Warum schaffen es die Hersteller nicht, das besser in den Griff zu bekommen?“, so die Öko-Test Redakteurin und Ernährungswissenschaftlerin, Birgit Hinsch laut dem Magazin.

Discounter-Margarine schneidet am besten ab

Insgesamt erreichten sechs der getesteten Streichfette ein „mangelhaft“, darunter z.B. „Becel Gold“, die „Ja! Pflanzenmargarine “ von Rewe, „Bellasan“ von Aldi Süd und die „Landkost Pflanzen Margarine“ von Walter Rau. Die bekannte „Rama“ von Unilver sowie „Frisan“ von Norma und „Eden die Gute“ bewerteten die Experten insgesamt sogar mit „ungenügend“.

Das beste Gesamturteil erhielten „Deli Reform Das Original“ von Walter Rau sowie „K-Classic Pflanzenmargarine“ von Kaufland und „Vita D‘Or Classic von Lidl“ (beide vom Produzenten Vandemoortele). Diese drei kamen auf ein „befriedigend“ bei den Inhaltsstoffen und ein „sehr gut“ bei der Fettzusammensetzung, zudem konnten alle die nötigen Belege zur RSPO-Zertifizierung liefern.

Exkurs Ungesunde Palmfette

„Das Problem bei Palmöl ist der Gehalt an gesättigten Fettsäuren“, sagen Experten. Diese führen zur „Verschlechterung der Blutfette, was letztlich das Diabetes-Risiko erhöht“. Damit nicht genug: Es kann eine Schädigung der Gefässwand und sogenannter oxidativer Stress „dazu führen, dass die Gefässverkalkung begünstigt wird und die ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall bis hin zum Tod“. (sb, nr)