Ökotest: Kaum gute Noten für Multivitaminsäfte

Heilpraxisnet

Ökotest: Schlechte Ergebnisse bei vielen Multivitaminsäften- Acht Säfte mit Note “sechs“ bewertet

09.01.2014

Das Bundesamt für Verbraucherschutz kritisiert die Überversorgung von Nahrungsergänzungsmitteln in Lebensmitteln. Dazu zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballastoffe. Diese sollten lieber über natürliche Nahrung dem Körper zugeführt.Die Zeitschrift “Ökotest“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe mehrere Saftmischung auf deren Inhaltsstoffe untersucht und die Zugabe von Aromen und Vitaminen bemängelt. So soll den Verbrauchern gerade in der kalten Jahreszeit durch die Zugabe von Vitaminen mehr Schutz vor grippalen Infekten suggeriert werden. Doch wirklichen Nutzen bringen die Präparate den Verbrauchern nicht.

Doch gerade Multivitaminsäfte, die oft mit zusätzlichen Vitaminen angereichert worden sind, finden unter Verbrauchern großen Anklang. “Ökotest“ hat einige der im Handel befindlichen Säfte genauer untersucht und ist in den meisten Fällen zu einem vernichtenden Urteil gekommen.

Acht Saftmischungen wurden “sechs“ bewertet
Insgesamt hatte “Ökotest“ 18 Saftmischungen genauer unter die Lupe genommen. Acht wurden mit einem glatten “Ungenügend“ bewertet. Darunter sind auch die in der Werbung oft als besonders gesund angepriesenen Marken „Hohes C Multivitamin“, der Fruchtsaft von “Bauer“ und auch ein Produkt der Firma “Valensina“ anzutreffen. Die Tester führten als hauptsächlichen Grund für die schlechten Bewertungen die Mengen an zusätzlichen Vitaminen an, die der Körper lieber aus richtigen Lebensmitteln verwerten sollte. Lediglich die getesteten Öko-Fruchtsäfte schnitten bei der Bewertung gut ab.

Den Namen „Multivitaminsaft“ darf nur verwendet werden, wenn die Säfte eine extra Portion Vitamine beinhalten. Das macht eine Zugabe von künstlichen Stoffen eigentliche überflüssig. Oft deckt dadurch schon ein einzelnes 250 ml Glas 125 Prozent der empfohlenen Tageszufuhr ab, erklärt „Ökotest“.

Bei der Herstellung der Multivitaminsäfte wird als Basis je nach dem Apfel-, Birnen- und Orangensaft verwendet. In der Regel handelt es sich um ein Fruchtkonzentrat, dem nach dem Pressen das Wasser entzogen wurde. Dadurch verlieren die Säfte allerdings auch ihr natürliches Aroma und hinterher werden künstliche Aromen wieder hinzugegeben, um den Geschmacksverlust abzumildern. Dabei werden die Säfte auch mit Nahrungsergänzungsmitteln angereichert. Direkt gepresster Saft wird eher selten verwendet.

Zugabe von Vitaminen eher kontraproduktiv
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät schon seit 2001 dazu, bei Lebensmitteln auf eine Anreicherung mit künstlichen Vitaminen ganz zu verzichten. Experten von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Fachleute des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bewerten die Zugabe ebenfalls eher als schädlich, als dass es der Gesundheit damit geholfen wird. In Einzelfällen, wenn Menschen beispielsweise auf Milchprodukte verzichten, kann eine Zugabe von Calcium sinnvoll sein.

Der Glaube, durch die Einnahme von Ergänzungspräparaten können schlechte Ernährungsgewohnheiten kompensiert werden, ist schlicht weg falsch. In Deutschland ist ein Vitaminmangel in der Bevölkerung eher selten, so die DGE. „Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise kann nicht durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden“, erklären Experten und halten eine Einnahme für überflüssig. Zu viel davon kann sogar schaden, wie das Beispiel Betacarotin zeigt. Studien hatten schon Anfang der 2000er Jahre ergeben, das natürliches Betacarotin besser über die Zugabe von Karotten erfolgen sollte, anstelle einer künstlichen Varianten, denn das kann sogar gefährlich werden. So soll bei Rauchern die Zugabe zu einer Erhöhung der Lungenkrebsrate und bei Herzkranken zu vermehrten Todesfällen geführt haben. (fr)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de