Oft unterschätzt: Depressionen bei Kindern

Astrid Goldmayer

Kinder leiden viel häufiger an Depressionen als bisher angenommen

25.09.2013

Immer mehr Kinder leiden an psychischen Problemen wie Depressionen. So lautete eines der aktuellen Zwischenergebnisse der Gesundheitsstudie des Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Zudem wurde festgestellt, dass bei Erwachsenen Alterserkrankungen wie bestimmte Netzhaut- oder Gefäßveränderungen viel früher auftreten als bislang angenommen. Auch Adipositas betrifft demnach immer mehr Menschen.

Immer mehr Kinder mit Depressionen und Vitamin D-Mangel
Während Erwachsene häufiger an Allergien und Übergewicht leiden, nehmen bei Kindern psychische Probleme zu. „Bei Kindern und Jugendlichen sind Depressionen ein unterschätztes Problem“, berichten die Wissenschaftler von LIFE. Im Rahmen der Gesundheitsstudie zu Zivilisationserkrankungen wurden bisher rund 500 acht- bis 14-Jährige untersucht. Bei zehn Prozent der minderjährigen Probanden wurde eine depressive Störung diagnostiziert. Meist leben die betroffenen Kindern in einem sozial schwierigen und belastenden Umfeld. Etwa bei einem Drittel leiden auch die Eltern an Depressionen. „Viele der Kinder leiden außerdem an anderen psychischen Problemen. Depressionen, Ängste aber auch Verhaltensauffälligkeiten treten bei ihnen besonders häufig gleichzeitig auf“, berichten die Wissenschaftler.

Weitere Untersuchungen der Kindergruppe (LIFE-Child) im Rahmen der Gesundheitsstudie wurden zur Erhebung von Referenzwerten für Schilddrüsen, Nieren- und Knochenparameter durchgeführt. Diese sollen später dabei helfen, festzustellen, ob ein Untersuchungswert im normalen Bereich liegt oder auf eine Erkrankung hinweist. „In den Auswertungen ist zu erkennen, dass die Blutkonzentration von dem für den Knochenaufbau bedeutendem Vitamin D bei den meisten Kindern und Jugendlichen nach dem zweiten Lebensjahr deutlich unter der empfohlenen Blutkonzentration liegt“, heißt es in einer Mitteilung zur Studie. Als Ursache wird zu wenig Bewegung im Freien angesehen. Denn viele Kinder verbringen mehr Zeit vor dem Computer oder Fernseher statt im Garten oder Wald zu spielen.

Immer mehr Erwachsene leiden an Übergewicht und verfrühten Alterskrankheiten
Das Zwischenergebnis der LIFE-Studie zeigt eine Zunahme von Zivilisationskrankheiten bei Erwachsenen. Demnach beginnen Alterskrankheiten schon viel früher als gedacht. Bei den Studienteilnehmen unter 50 Jahren stellten die Wissenschaftler unter anderem Gefäßveränderungen fest, die später zur koronaren Herzerkrankung führen können. Auch bei der Untersuchung der Netzhaut im Auge wurden Veränderungen (Makuladegnerationen) entdeckt, die einem „späteren Sehverlusten um Jahre voraus laufen“, heißt es in der Mitteilung.

Eine weitere Volkskrankheit ist Bluthochdruck, der ebenfalls bereits sehr früh auftreten kann. So wurde bei rund einem Viertel der unter 40-jährigen Studienteilnehmer „ein abzuklärendes Messergebnis gefunden“. In der Gruppe der über 60-Jährigen waren es sogar vier von fünf Probanden.

Bei der Untersuchung der Probanden stellen die Wissenschaftler zudem eine Zunahme der Allergien bei Erwachsenen fest. Vor allem auf die aus Amerika eingeschleppt Ambrosia reagieren viele Menschen hypersensibel.

Laut LIFE-Studie gibt es darüber hinaus immer mehr Übergewichtige. „Auch das krankhafte Übergewicht (Adipositas) ist auf dem Vormarsch. Mit zunehmendem Alter wächst der Anteil an übergewichtigen Personen (BMI >25) auf 80 Prozent und der Anteil an adipösen Personen (BMI >30) auf 30 Prozent“, berichten die Wissenschaftler. Dabei verändert sich die Körperfettverteilung mit den Jahren. Während sich das Fett im mittleren Alter meist an Gesäß und Beinen (Birnenform) anlagert, verteilt es sich mit zunehmendem Alter vor allem im Bereich des Bauches (Apfelform).

LIFE-Studie untersucht Gesundheit von Kindern und Erwachsenen
Im Rahmen der LIFE-Studie, die mit 40 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen und aus EU-Mitteln gefördert wird, versuchen Forscher herauszufinden, warum immer mehr Deutsche an bestimmten Zivilisationskrankheiten leiden. Bis zum Jahr 2014 sollen 10.000 Erwachsene und mehrere tausend Kinder untersucht werden. Bisher nahmen 4.240 Erwachsene und fast 2.700 Kinder an der Studie teil.

Derzeit findet die achte Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) zusammen mit dem ersten Internationalen LIFE-Symposium in Leipzig statt. Rund 450 Experten stellen sich auch dabei der Frage: „Was hält uns gesund, was macht uns krank?“ (ag)

Bild: Simone Peter / pixelio.de