Oftmals falsche ADHS Diagnose bei Kindern

Sebastian

Oftmals zu schnelle und falsche ADHS Diagnose bei Kindern.

(18.08.2010) Wie eine US-Studie heraus fand, werden ADHS Diagnosen zu häufig voreilig bei Kindern gestellt. Die Autoren der Studie schätzen, dass rund eine Million Kinder in den USA mit einer falsch gestellten ADHS Diagnose leben.

Kinder spielen und sind dabei häufig sehr lebhaft. Viele Eltern, Lehrer und Ärzte attestieren manchmal den Kindern ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS), obwohl andere Gründe für das Verhalten eine Rolle spielen. Die Folge, die Kinder müssen zur Therapie und erhalten Medikamente wie Ritalin, Medikinet, Concerta oder Strattera. Wie eine Studie der Universität Michigan anhand einer Studie fest stellte, leben rund eine Million Kinder in den USA mit einer falschen ADHS Diagnose. Betroffen sind vor allem die jüngsten Kinder in Kindergärten oder Schulen, wie Studienleiter Todd Elder im „Journal of Health Economics“ erläuterte. In den letzten Jahren sind zudem die ADHS Diagnosen rasant angestiegen.

Einerseits liege es daran, dass Eltern und Pädagogen nun genauer hinschauen, andererseits werden Kinder bei Auffälligkeiten oder lebhaften Verhalten zu schnell in die ADHS Ecke gestellt. Das könnte für Kinder schwerwiegende Folgen haben, weil solche Medikamente natürlich auch in die Entwicklung des Kindes eingreifen und Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit oder Magenbeschwerden hervor rufen können. Eine Überdosierung kann zu Schwindel, Herzklopfen, erhöhtem Blutdruck und Schlafproblemen führen. Eine sehr starke Überdosierung kann zu Übererregtheit des zentralen Nervensystems, Krämpfen, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen führen.

Anders als in Deutschland werden in den USA auch Kindern im Vorschulalter ADHS Medikamente verschrieben. Das zeigt sich auch an den Studienergebnissen. Im Durchschnitt wird zu 60 Prozent häufiger ADHS bei Kleinkindern diagnostiziert als bei Kindern, die in den jeweiligen Kindergarten oder Schulgruppen zu den Älteren gehören. Bei den Schulkinder sei der Anteil sogar doppelt so hoch, wie in der Studie berichtet wird.

Der Wissenschaftler Todd Elder warnt daher, impulsives Verhalten mit einer ADHS Störung gleichzusetzen. Bei ADHS treten folgende Symptome auf: Konzentrationsschwächen, starker Bewegungsdrang und extreme Impulsivität. Aber "die Symptome können einfach nur die emotionale und geistige Unreife der jüngeren Kinder widerspiegeln", so Todd Elder im Fachmagazin. Es ist geradezu fatal, dass die Kinder zu Unrecht den Arzneimitteln ausgesetzt sind. Denn die Langzeitwirkungen einer Therapie von Kindern mit Psychopharmaka ist bislang nicht gut genug erforscht. Bei der vorgestellten Studie wurden die Daten von rund 12.000 Kinder untersucht.

Laut Angaben der Techniker Krankenkasse werden auch in Deutschland immer mehr ADHS-Arzneimittel verschrieben. So ist der Kosnum von ADHS Medikamenten in den letzten drei Jahren um fast 30 Prozent angestiegen. Es ist daher anzunehmen, dass auch in Deutschland viele Kinder mit einer falschen ADHS Diagnose leben. (sb)

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