Ohne Hormone verhüten: Hormonfreie Alternativen zur Pille auch sicher

Sebastian

Verhütung auch ohne Hormone möglich

Über die Hälfte der Deutschen setzt auf die Anti-Baby-Pille wenn es um Verhütung geht. Doch die Einnahme des Medikaments ist mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden. Manche Frauen vertragen sie gar nicht. Es gibt jedoch verschiedene Alternativen, die keine oder weniger Belastungen für die Gesundheit verursachen.

Über die Hälfte der Deutschen verhütet mit der Pille
In Deutschland und auch vielen anderen Ländern wird die Verhütung mit Pille und Kondom bevorzugt.  So ergab eine Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vor wenigen Jahren, dass rund 53 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen die Pille zur Verhütung nutzen und etwa 37 Prozent Kondome. Die Experten gaben damals auch an, dass „die häufige Doppelnutzung der beiden Verhütungsmethoden“ auffällig sei.

Verhütung klappt auch sicher ohne Hormone. Bild: gpointstudio - fotolia
Verhütung klappt auch sicher ohne Hormone. Bild: gpointstudio – fotolia

Laut BZgA gilt die Pille als sehr sicher. Sie reguliert zudem den Zyklus und mindert starke Monatsblutungen. Das Medikament ist aber nicht für alle Frauen geeignet. Der Präsident des Bundesverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, erklärte in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa: „Die Pille ist grundsätzlich nicht empfehlenswert für Mädchen und Frauen, die sich nicht zuverlässig an die tägliche Einnahme halten, und bei denen gesundheitliche Risiken wie eine Neigung zu Thrombosen bestehen.“

Pille mit unangenehmen Nebenwirkungen
Frauen, die eine bestimmte Pille nicht vertragen und unter Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen, Gewichtszunahme oder Abnahme der sexuellen Lust leiden, könnten versuchen, auf ein anderes Hormonpräparat umzusteigen, meinte Albring. Denn „die“ Pille gebe es nicht. Im Angebot sind sehr unterschiedlich zusammengesetzte Varianten. „Wenn eine Art der Pille für ein Mädchen oder eine Frau völlig ungeeignet ist, kann eine andere die ideale Lösung darstellen“, so der Gynäkologe. In den vergangenen Jahren war berichtet worden, dass Verhütungsmittel der dritten und vierten Generation oft mit schwerwiegenderen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden, als ältere Arzneien. In Zukunft steht womöglich auch ein Hormonchip für Frauen zur Verhütung zur Verfügung. Schon seit längerem arbeiten Forscher an der Entwicklung dieser Methode. Und japanische Wissenschaftler berichteten kürzlich über ihre Forschungsarbeit zur Pille für den Mann. Allerdings testeten sie diese bislang nur an Mäusen.

Alternativen zur hormonellen Verhütung
Es bieten sich ohnehin Alternativen zur hormonellen Verhütung an. Die Frauenärztin Helga Seyler vom Familienplanungszentrum Hamburg nennt in der dpa-Meldung „Barrieremethoden“ wie Kondome, die Kupferspirale oder natürliche Verhütungsmethoden. Alternative Nummer eins ist das Kondom. Es hat zudem den Vorteil, dass es als einziges Verhütungsmittel auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie vor einer HIV-Infektion schützt. Werden Kondome richtig angewendet und passt die Größe, gelten sie der BZgA zufolge als sicher. Andere Barrieremethoden wie das Diaphragma oder die Portiokappe spielen zwar zahlenmäßig bei der Verhütung keine große Rolle, können aber für manche Frauen interessant sein. Sie können sich die entsprechende Kappe in einer Arztpraxis oder einer Beratungsstelle individuell anpassen lassen. „Wenn die Kappe richtig angepasst ist und richtig angewendet wird, ist sie ein zuverlässiges Verhütungsmittel“, so Seyler.

Kupferkette und Spirale
Weniger bekannt und verbreitet ist die sogenannte Kupferkette zum Verhüten. Diese besteht aus einem Nylonfaden, der mit kleinen Kupferzylindern bestückt ist. Sowohl Kupferkette als auch Kupferspirale werden in die Gebärmutter eingesetzt und können dort bis zu fünf Jahre bleiben. Seyler zufolge deuteten neuere Studien darauf hin, dass die Kupferspirale sogar sicherer verhütet als die Pille. Christian Albring hält zwar beide Methoden für gleich sicher, aber: „Im Gegensatz zur Pille kann man die Spirale nicht vergessen, sie kann aber verrutschen.“

Auch bei der Spirale gibt es Risiken und Nebenwirkungen. So wird die Monatsblutung häufig stärker, und es kann zu allergischen Reaktionen kommen. Die Kupferspirale wird – aufgrund ihrer Größe – meist Frauen empfohlen, die bereits ein Baby zur Welt gebracht haben. „Wenn jüngere Frauen mit einer Spirale verhüten wollen, muss man das sehr gut besprechen“, sagte Seyler. Für Frauen, die noch kein Kind bekommen haben, könne laut Albring eventuell eine neue kleinere Ausführung einer Hormonspirale geeignet sein. Diese müsse jedoch öfter gewechselt werden.

Ganz natürliche Methoden
Aus naturheilkundlicher Sicht ist als Alternative auch noch der Mexican Wild Yam (auf deutsch: „mexikanische wilde Yamswurzel“) zu nennen. Der Wirkstoff spielte schon bei der Erfindung der Antibabypille eine entscheidende Rolle und in der Heilkunde der mexikanischen Naturvölker wird die Yamswurzel seit Generationen zur Verhütung aber auch zur Behandlung anderer Krankheiten eingesetzt. Wollen Paare bei der Verhütung ganz auf hormonelle oder stoffliche Mittel verzichten, können sie auf die „symptothermale Methode“ zurückgreifen: Die Frau misst dabei jeden Tag ihre Körpertemperatur und beobachtet gleichzeitig Veränderungen ihrer Scheidenflüssigkeit (Scheidenausfluss), um so ihre fruchtbaren Tage zu ermitteln.

An den fruchtbaren Tagen müssen die Paare dann auf Sex verzichten oder Kondome verwenden. Von einer Expertengruppe wurde ein standardisiertes Verfahren dieser Methode entwickelt. Dieser „Sensiplan“ kann in Kursen erlernt werden. Mittlerweile gibt es auch einige Apps, die dabei helfen, die Daten aus der symptothermalen Methode richtig auszuwerten. Laut BZgA kann auch mit natürlichen Verhütungsmethoden relativ sicher verhütet werden, wenn man konsequent ist und alles richtig macht. (ad)