Ohne tierische Inhaltsstoffe: Wein vor allem für Veganer

Sebastian
Kein Tier mehr enthalten: Vegane Wein-Produktion in Deutschland
Vegane Ernährung liegt im Trend. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Ernährungsweise, die ohne tierische Produkte auskommt. Oft fällt das gar nicht so leicht, da in vielen Lebensmitteln versteckt tierische Zutaten enthalten sind. Selbst im Wein sind mitunter Teile von Fischblasen, Gelatine oder anderes tierisches Eiweiß zu finden. Doch manche deutsche Weinbauern satteln jetzt auf vegane Produktion um.

In vielen Lebensmitteln sind versteckt tierische Inhaltsstoffe enthalten
Immer mehr Menschen in Deutschland leben aus Gesundheitlichen, moralischen und ethischen Gründen fleischfrei. Vegane Lebensmittel haben längst das Nischendasein im Bioladen verlassen und sind „Mainstream“ geworden. Was vielen Menschen jedoch nicht bewusst ist: Egal ob Brot, Wein oder Bananen: Lebensmittel sind oft nicht vegetarisch oder vegan. So ist etwa im Käse häufig Lab zu finden, das aus Kälbermägen produziert wird. Und im Wein kann man mitunter Teile von Fischblasen, Gelatine oder anderes tierisches Eiweiß finden. Doch mittlerweile stellen auch einige deutsche Weingüter auf vegane Produktion um. Manche Vorreiter haben dabei besondere Hürden zu bewältigen.

Veganer Wein im Trend. Bild: Eléonore H - fotolia
Veganer Wein im Trend. Bild: Eléonore H – fotolia

Veganes Weinlokal mitten in deutscher Weingegend eröffnet
Auch Tobias Franz und Marion Lohsse sind solche Vorreiter. Sie haben sich mächtige Gegner ausgesucht, wie unter anderem die Wurst. „Natürlich hatten wir zuerst Bedenken und dachten, dass es vielleicht etwas zu früh ist“, sagte Marion Lohsse gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Es gibt hier Leute, die meiden fleischloses Essen wie der Teufel das Weihwasser.“ Das Paar, Mitte 40, hat vor kurzem in Mainz ein veganes Weinlokal eröffnet. Wie die dpa berichtet, reichen die Beiden ihren Gästen in Rheinland-Pfalz ausschließlich Speisen, in denen keinerlei tierische Produkte, wie etwa Eier, verarbeitet sind. Zudem sind bei ihnen nur vegane Weine im Angebot. Wie es heißt, ist an dieser Stelle die Irritation in Mainz, das mitten in einer Weingegend liegt, groß. Den meisten Gelegenheitstrinkern dürfte es wohl kaum bewusst sein, dass Wein während der Herstellung mit tierischen Produkten in Berührung gekommen sein könnte. Tobias Franz sagte: „Ich selbst wusste es lange Zeit ja auch nicht.“

Seit Jahren kann man Hinweis „vegan“ auf Weinflaschen finden
Allerdings würde heutzutage bereits ein genauer Blick auf die Weinetiketten in einem einigermaßen gut sortierten Supermarkt genügen. Bereits seit längerem schreiben viele Winzer den Hinweis „vegan“ auf ihre Flaschenetiketten. „Seit fünf Jahren hat das Thema deutlich Schwung aufgenommen. Es gibt bei uns immer mehr Anfragen, wie man sich entsprechend zertifizieren kann“, erklärte Ralph Dejas, Geschäftsführer des ökologischen Weinbauverbandes Ecovin. Unterschiede gibt es in der Herstellung. So nahmen und nehmen Winzer tierische Produkte zur Hilfe, um nicht-veganen Wein zu klären.

Proteine aus Fischblase oder Gelatine für die Wein-Produktion
„Über Jahrhunderte wurde Eiweiß in den Wein geschlagen. Das bindet die Trübstoffe, die sich dann absetzen, damit der klare Wein abgezogen werden kann“, so Paulin Köpfer, Betriebsleiter beim Weingut Wilhelm Zähringer in Baden, das seit 2012 komplett vegan produziert. Es ist aber nur eines von vielen in Deutschland. Den Angaben zufolge können auch Proteine aus der Fischblase oder Gelatine bei der Klärung helfen. Und auch wenn sich später nichts mehr davon in der Flasche wiederfindet, ist ein so geklärter Wein für Veganer aber auch für viele andere Menschen nicht mehr trinkbar. Trotzdem wollen auch sie Wein. „Wir haben umfangreiche Versuche gemacht, um auf pflanzliche Proteine umzustellen. Diese stammen vorzugsweise von Erbsen oder Weizen“, erläuterte Köpfer. Hubertus Weinmann, Chef des Weinguts Neumer in Rheinhessen, das ebenfalls komplett auf vegane Produktion umgestellt hat, berichtete Ähnliches. Dies habe auch weitere positive Nebeneffekte. „Es gab zwei Beweggründe. Zum einen natürlich den Tierschutz. Zum anderen verströmt Gelatine bei der Produktion einen etwas muffigen Eigengeruch, den man eher nicht so gut findet“, erklärte Weinmann.

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Von Verzicht kann keine Rede sein
Zwar ist moderneren Menschen durchaus bewusst, dass Veganer keine Kostverächter sind, doch manchen Winzern mache das etwas asketische Image, das Veganern in bestimmten Kreisen noch anhaftet, Kummer. Daher setzt beispielsweise das Weingut Zähringer auf diskrete Hinweise auf den Flaschen. „Der Gedanke war, dass der Wein als Genussmittel nicht in erster Linie mit Verzicht assoziiert werden soll“, erläuterte Fabian Zähringer. Im Mainzer Weinlokal Gutenberger kann von Verzicht auch nicht die Rede sein. Die Weinkarte ist prall gefüllt. Manche Einheimischen würden zwar bei der Aussicht auf veganen Eiersalat noch die Nase rümpfen, doch der Besitzer des Hauses fand indes Gefallen am veganen Publikum. Seine Gäste ernähren sich in der Regel ziemlich bewusst, wozu auch der maßvolle Konsum von Alkohol gehört. (ad)