Olivenöle im Test: Muss gutes Öl immer teuer sein?

Alfred Domke

Olivenöle aus dem Supermarkt und vom Discounter: Nicht jedes teure Produkt überzeugt

Olivenöle zählen zu den beliebtesten Speiseölen der Deutschen. Die Auswahl fällt aber oft nicht leicht: In Supermärkten und Discountern sind unzählige Sorten davon zu finden. Auch die Preise variieren enorm. Lohnt es sich also, für gute Qualität mehr Geld auszugeben? Weiterhelfen kann hier eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest. Die Experten stellten dabei fest, dass längst nicht jedes teure Produkt überzeugt.

Eines der besten Speiseöle

Olivenöl zählt zu den besten Speiseölen für die Küche. Es ist insbesondere bei Menschen populär, die der mediterranen Ernährung zugeneigt sind. Im Handel sind zahlreiche Sorten zu finden. Verbraucher erwarten bei Olivenöl vor allem Qualität und gesicherte Herkunft. Doch leider rangiert dieses Öl bei den Top 10 des Lebensmittelbetrugs ganz weit oben. Eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest kann dabei helfen, gute von schlechter Ware zu unterscheiden.

Die Stiftung Warentest hat 27 Olivenöle der Güteklasse „nativ extra“ untersucht. Sie stellten fest, dass gute Öle ihren Preis haben, aber auch nicht jedes teure Produkt überzeugt. (Bild: luigi giordano/fotolia.com)

27 Olivenöle im Test

Fast alle Olivenöle im deutschen Handel heißen „nativ extra“ – oder „extra vergine“, wie die Italiener sagen. Damit versprechen sie höchste Qualität – unabhängig davon, ob sie fünf oder 36 Euro pro Liter kosten. Lohnt es sich, mehr Geld auszugeben?

Die Stiftung Warentest hat 27 Olivenöle der Güteklasse „nativ extra“ untersucht, darunter Marken wie Bertolli, Sasso oder Gaea und Eigenmarken von Aldi, Lidl, Edeka, dm, Rossmann und Rewe. Unter den getesteten Produkten war auch Bio-Olivenöl.

Die Tester stellten fest: Sensorisch sehr gute Öle haben ihren Preis. Doch nicht jedes teure Öl konnte überzeugen. Und: Zwei Öle hätten nicht als „nativ extra“ verkauft werden dürfen und sind deshalb mangelhaft.

Zwei Öle sind nicht Extraklasse

Obwohl die gesetzlichen Regeln für Olivenöl seit einigen Jahren kontinuierlich ausgeweitet und auf EU-Ebene harmonisiert wurden, findet bei diesen Produkten noch immer oft ein großer Etikettenschwindel statt.

„In der EU-Verordnung 61/2011 wurden die Güteklassen für Olivenöl geregelt: Für den Verbraucher sind das „Native Olivenöl“ und das „Native Olivenöl Extra“ wohl die Wichtigsten“, erklärt der TÜV Süd auf seiner Webseite.

„Natives Olivenöl Extra – auch Extra Vergin genannt – muss direkt aus den Oliven unter ausschließlich mechanischen Verfahren gewonnen werden. Wärmeeinwirkung oberhalb von 40 Grad Celsius ist nicht erlaubt“, so die Experten.

Und: „Diese Güteklasse darf nur einen sehr geringen Säuregehalt (weniger als 0,8 %) und keinerlei sensorische Fehler haben. Es wird auch als Olivenöl der Kategorie 1 bezeichnet. Natives Olivenöl hingegen darf etwas mehr Säure (bis zu 2 %) enthalten.“

Zwei griechische Öle im aktuellen Test erfüllen diese Anforderung nicht, bei ihnen wurden sensorische Fehler festgestellt. Eins schmeckt laut den Testern alt und stichig, das andere ranzig und nach Oliven, die Frostschäden erlitten haben.

Das Urteil lautet daher mangelhaft. Sie dürften nur als „nativ“ verkauft werden, nicht aber als „nativ extra“.

Drei geschmackliche Highlights

Die geschmackliche Vielfalt von Olivenölen ist groß. Ausdrucksstarke Produkte riechen und schmecken intensiv fruchtig, aber auch bitter und scharf. Sie sind besonders ausgewogen – also ein Geschmackserlebnis.

Intensive und vielseitige Noten nach Blüten, frischgeschnittenem Gras, Früchten oder Mandeln zeichnen sie aus.

Drei Öle im Test sind geschmackliche Highlights und schneiden in der sensorischen Prüfung sehr gut ab. Sie kommen aus Spanien oder Italien, kosten 24 bis 36 Euro pro Liter und gehören damit zu den teuersten Produkten im Test.

Wegen schlechter Kennzeichnung kassieren sie allerdings Minuspunkte. Das günstigste der vier Guten ist nicht mehr zu haben: Aldi Süd hatte es im Sommer als Aktionsware für zehn Euro pro Liter angeboten.

Zum Braten und Backen genügen auch Mischungen

Der aktuelle Test bestätigt, was die Tester der Stiftung Warentest schon im vergangenen Jahr herausgefunden haben:

Günstige Olivenöle für weniger als zehn Euro pro Liter sind oft Mischungen von Olivenölen verschiedener Herkunft – durchschnittliche Massenware, die im Test bestenfalls befriedigend abschneidet.

Zum Braten von Fleisch oder Gemüse und zum Pizzabacken genügen sie aber vollkommen. Denn beim Erhitzen gehen die flüchtigen Aromakomponenten im Öl ohnehin verloren.

Weniger mit Schadstoffen belastet

Den Testern zufolge sei erfreulich, dass die Olivenöle im aktuellen Test teilweise sensorisch besser und auch geringer mit Schadstoffen belastet sind, als in den Tests der vergangenen zwei Jahre. 2017 war kein einziges Olivenöl gut, 2016 nur eins.

In beiden Vorgängertests gab es reihenweise mangelhafte Urteile. Diesmal schneidet keines der Produkte wegen Schadstoffen mangelhaft ab. Es wurden keine Weichmacher nachgewiesen.

Kein Olivenöl war nennenswert mit Pflanzenschutzmitteln, Lösemitteln oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet.

Mineralöle bleiben ein Problem

Einziges Problem bleiben Mineralöle. Alle Produkte im aktuellen Test enthalten gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, MOSH.

Diese können sich laut Experten in Lymphknoten, Leber, Milz und Fettgewebe anreichern und Organe schädigen – im Tierversuch haben Wissenschaftler Schäden an Leber und Lymphknoten nachgewiesen.

Sechs Olivenöle sind deutlich damit belastet und schneiden deshalb im Prüfpunkt Schadstoffe nur ausreichend ab. Mehr als jedes dritte Produkt enthält die bedenklicheren aromatischen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, MOAH genannt – aber nicht in hohen Konzentrationen.

MOAH gelten als besonders gefährlich: In dieser Gruppe befinden sich Substanzen, die in geringsten Mengen Krebs erregen können.

Laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) „sollte kein nachweisbarer Übergang von MOAH auf Lebensmittel stattfinden.“

Es gibt aber weder auf europäischer noch auf nationaler Ebene Grenzwerte für diese Verunreinigungen.

Neun der 27 Produkte im Test erreichen dennoch gute Schadstoffnoten, eins ist sogar nahezu schadstofffrei. Die genauen Ergebnisse können auf der Webseite der Stiftung Warentest kostenpflichtig heruntergeladen werden. (ad)