Onkologie: Immer mehr Krebserkrankungen bei Teenagern

Alfred Domke
Mehr Jugendliche erkranken an Krebs
Die Menschen werden weltweit immer älter. Vor allem die Lebenserwartung in westlichen Industrieländern steigt. Dadurch steigt auch die Zahl der Krebserkrankungen, da diese Krankheit bei Älteren häufiger ist. Doch offenbar erkranken auch immer mehr Jüngere an Krebs, wie eine Studie nun zeigt.

Zahl der Krebs-Neuerkrankungen steigt weltweit
Im Welt-Krebs-Bericht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) wurde vor einem Anstieg der Krebserkrankungen gewarnt. Laut den Experten könnte es bis zum Jahr 2025 jährlich zu 20 Millionen Neuerkrankungen kommen. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Krebserkrankungen. Die Zahl der Neuerkrankungen hat sich hierzulande seit 1970 fast verdoppelt. Wesentlicher Hintergrund der weltweit gestiegenen Krebserkrankungen ist die steigende Lebenserwartung – Krebs ist bei alten Menschen häufiger.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken. Eine neue Studie hat jetzt aber gezeigt, dass auch immer mehr Jugendliche Krebs bekommen. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Immer mehr Jugendliche mit Krebs
Laut Prognosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bis zum Jahr 2030 weltweit 21,6 Millionen neue Krebsfälle im Jahr erwartet. 2012 waren es 14 Millionen. Auch die Todesfälle durch Krebs werden voraussichtlich von 8,2 auf 13 Millionen jährlich ansteigen.

Zwar sind Krebserkrankungen im Alter häufiger, allerdings haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass auch immer mehr Jüngere an Krebs erkranken.

So berichteten Experten auch Großbritannien vor kurzem über eine Auswertung, die ergab, dass Krebs-Neuerkrankungen bei Kindern dramatisch zunehmen.

Und eine Langzeitstudie des Departments of Public Health und dem Lowell Center of Sustainable Production der University of Massachusetts (USA) zeigte nun eine Zunahme der Krebserkrankungen bei Teenagern zwischen 15 und 19 Jahren von mehr als 25 Prozent.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Fachmagazin „PLOS ONE“.

Stärkster Anstieg bei Lymphknotenkrebs
Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, wertete das Forscherteam um Jessica Burkhammer, David Kriebel und Richard Clapp Daten des SEER- Krebsregisters aus.

Wie die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs auf ihrer Webseite berichtet, beobachteten die Wissenschaftler über den Zeitraum von 1975 bis 2012 einen Anstieg der diagnostizierten Erkrankungen von mehr als 25 Prozent (jährlich 0,67 Prozent Zunahme für junge Männer und 0,62 Prozent für junge Frauen).

Für einzelne Diagnosen ist die Entwicklung demnach unterschiedlich. So wurden beim Lymphknotenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) mit 2,16 Prozent für Männer und 1,38 Prozent für junge Frauen die größten jährlichen Häufigkeitsanstiege beobachtet.

Es folgte der Schilddrüsenkrebs (jährlich plus 2,12 Prozent bei jungen Frauen, plus 1,59 Prozent bei jungen Männern), die akute Knochenmarksleukämie bei jungen Frauen (jährlich plus 1,73 Prozent) und der Hodenkrebs (jährlich plus 1,55 Prozent). Die Hodgkin-Erkrankung war über den beobachteten Zeitraum bei beiden Geschlechtern rückläufig.

Kleine vergleichbaren Untersuchungen aus Deutschland
Die Ursache der Veränderungen ist unklar. Beim Schilddrüsenkrebs spielen womöglich bessere Diagnosemethoden eine Rolle.

Wegen des gleichmäßigen Anstiegs über alle Jahre hinweg halten die Autoren jedoch eine generelle Erklärung durch methodische Veränderungen in der Medizin für unwahrscheinlich und diskutieren unter anderem Umwelteinflüsse.

Aus Deutschland gibt es keine vergleichbaren Untersuchungen. „Wir haben hier ein bedauerliches Defizit. Die jetzt veröffentlichten Daten aus den USA sollten auch in Deutschland zu verstärkten Forschungsanstrengungen führen“, sagte Prof. Dr. med. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Die Autoren der US-Studie betonten die große Bedeutung, die die Identifikation von Ursachen für den Anstieg der Krebserkrankungen der Teenager für die Gesellschaft hätte. (ad)