Online-Therapie hilft Stotterern genauso gut wie Therapie im Sprechzimmer

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Teletherapie Stotterern genauso gut hilft, wie eine vergleichbare Behandlung im Sprechzimmer. (Bild: verbaska/fotolia.com)
Alfred Domke
Teletherapie bei Stottern gleichauf mit Behandlung im Sprechzimmer
Rund 800.000 Menschen in Deutschland stottern. Sie leiden oft doppelt, zum einen unter ihrer Sprechstörung, zum anderen an den Reaktionen ihrer Mitmenschen. Eine neue Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass eine Online-Therapie Stotterern genauso gut hilft, wie eine vergleichbare Behandlung im Sprechzimmer.

Über ein Prozent der Deutschen stottern
Mehr als ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland stottert. Die Unterbrechung des Redeflusses durch auffällige Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen führt leider häufig dazu, dass insbesondere Kinder oft Opfer von Mobbing werden. Zwar endet das Stottern meist mit der Pubertät, doch längst nicht bei allen. Warum manche Menschen stottern, und andere nicht, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Teletherapie Stotterern genauso gut hilft, wie eine vergleichbare Behandlung im Sprechzimmer. (Bild: verbaska/fotolia.com)
Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Teletherapie Stotterern genauso gut hilft, wie eine vergleichbare Behandlung im Sprechzimmer. (Bild: verbaska/fotolia.com)

Verschiedene Therapieansätze
Für stotternde Kinder, Jugendliche und Erwachsene stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung, die in unterschiedlichen Formen angeboten werden. Unterschieden werden zwei Hauptrichtungen: „Die Stottermodifikation (auch „Nicht-Vermeidungs-Ansatz“ genannt) und das Erlernen von Sprechtechniken („Fluency Shaping“)“, erklärt die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e. V. auf ihrer Webseite. Man muss sich dafür nicht unbedingt in ein Behandlungszimmer begeben, wie eine wissenschaftliche Untersuchung nun zeigt.

Online-Angebot hilft genauso gut wie Behandlung im Sprechzimmer
Die Studie im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) kommt zu dem Schluss, dass eine Teletherapie Stotterern genauso gut hilft, wie eine vergleichbare Präsenztherapie. Wie die Kasse in einer Mitteilung berichtet, hatte das Team rund um Professor Dr. Harald Euler über einen Zeitraum von einem Jahr sowohl die messbaren Sprecherfolge als auch die gefühlte Verbesserung systematisch erfasst und in einem internen Forschungsbericht mit einer Präsenzgruppe verglichen.

Das Ergebnis: „Hinsichtlich der Stotterhäufigkeiten zeigten beide Behandlungsformate desselben Therapieverfahrens eine Wirkung mit mäßig hoher bis hoher Effektstärke, hinsichtlich der subjektiven Beeinträchtigung mit sehr hoher Effektstärke“, so Euler.

Keine Qualitätsverluste
Die Online-Therapie gegen das Stottern wird in Kooperation mit der TK schon seit Jahren angeboten.

„Teletherapie macht es möglich, dass wir ein qualitativ hochwertiges Angebot wie die Kasseler Stottertherapie an jeden Ort im Bundesgebiet bringen können. Jetzt wissen wir, dass durch diese Behandlung aus der Ferne keine Qualitätsverluste entstehen“, sagte Dr. Susanne Klein, Referatsleiterin im TK-Versorgungsmanagement.

„Perspektivisch sehen wir große Potenziale für eine Reihe weiterer teletherapeutischer Angebote, die helfen, zeitliche und räumliche Distanz zu überbrücken“, so die Expertin.

Online-Kommunikation wird in zehn Jahren selbstverständlich sein
Bei der Bevölkerung kommen Online-Angebote wie die Teletherapie ebenfalls immer besser an. So gehen laut TK-#Smarthealth-Studie rund 82 Prozent der Befragten davon aus, dass Online-Kommunikation in zehn Jahren selbstverständlich sein wird und 68 Prozent meinen, dass Mediziner ihre Patienten künftig regulär auch online versorgen.

So funktioniert die Teletherapie
Am Anfang der Teletherapie von Stotterern steht die Teilnahme an einem Diagnostik- und Informationstag in Kassel, damit sich die Therapeuten einen persönlichen Eindruck von ihrem Online-Schützling machen können.

Dann folgt eine reine Online-Therapie, die auf dem Prinzip des sogenannten „Fluency Shaping“ basiert – das Ziel ist dabei eine veränderte, weichere Sprechweise, um das Stottern zu lindern oder sogar ganz zu überwinden. Diese beginnt mit einer zehntägigen Intensivphase mit nahezu täglichen mehrstündigen Sitzungen, um am Sprechen zu arbeiten.

Die Therapie findet in Einzel- und Gruppensitzungen statt. Ein computergestütztes Programm hilft beim Üben außerhalb der Therapiestunden. (ad)

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