Opfer von Schlaganfällen leiden vielfach unter Depressionen

Alexander Stindt

Mediziner klären über die seelischen Auswirkungen eines Schlaganfalls auf

Ein Schlaganfall ist in der heutigen Gesellschaft leider weit verbreitet. Allein in Deutschland erleiden etwa 270.000 Menschen pro Jahr einen solchen Hirnschlag. Die negativen körperlichen Auswirkungen eines Schlaganfalls sind mittlerweile ausreichend bekannt, doch nur die wenigsten Menschen wissen von den seelischen Schäden, welche durch einen Schlaganfall entstehen können.

Die negative seelische Auswirkung (Depression) eines erlittenen Schlaganfalls wird von Experten als sogenannte Post Stroke Depression (PSD) bezeichnet. Wissenschaftler der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe weisen jetzt in einer Pressemitteilung zum Weltschlaganfalltag 2017 darauf hin, dass Depressionen nach einem Schlaganfall unbedingt behandelt werden sollten, weil sie die Erfolge der Rehabilitation gefährden.

Nach einem Schlaganfall leiden die Erkrankten oft unter Depressionen. Frauen sind dabei besonders häufig betroffen. (Bild: boryanam/fotolia.com)

Frauen leiden öfter an Depressionen nach einem Schlaganfall

Mindestens ein Drittel aller Patienten leidet unter einer Depression nach dem Schlaganfall, schätzen die Mediziner. Frauen seien dabei generell anfälliger für eine solche Depression. Außerdem scheine eine solche Erkrankung häufiger ältere Menschen zu treffen. Wenn die Patienten keine guten sozialen Bindungen haben, sei es in der Familie oder in einem sozialen Netzwerk, sind sie dadurch stärker gefährdet, fügen die Experten hinzu.

Eine Rehabilitation nach einen Schlaganfall ist sehr harte Arbeit

Eine sogenannte neurologische Rehabilitation ist für viele Betroffen wirklich harte Arbeit, besonders wenn die Auswirkungen des Schlaganfalls sehr schwer waren, erklären die Mediziner. Wenn beispielsweise ein Bein gelähmt ist und Betroffene nicht mehr gehen können, erfordere es sehr viel Disziplin, Training und Geduld, um dieses Bein wieder funktionsfähig zu machen. Wenn die Betroffenen nicht ein Mindestmaß an Eigenmotivation aufweisen und fest an sich glauben, werde die Rehabilitation erheblich erschwert.

Depression raubt Betroffenen den Antrieb für eine erfolgreiche Rehabilitation

Eine auftretende Depression verhindert die wichtige Eigenmotivation und den positiven Glauben an eine Heilung. Die Depression raubt Betroffenen den Antrieb und führt dazu, dass sie Therapien nicht mehr ernsthaft ausführen, sagen die Autoren. Eine solche Beobachtung wurde bereits von verschiedenen Ärzten und Therapeuten wissenschaftlich belegt.

Positive Auswirkungen von Antidepressiva nach einem Schlaganfall

Bei der sogenannten FLAME-Studie wurde verschiedenen Schlaganfall-Patienten in einem frühen Stadium ein Antidepressivum gegeben. Die Medikamente führten dazu, dass diese Menschen am Ende nicht nur seltener an einer Depression erkrankten, sondern sich auch besser erholten und mehr ihrer motorischen Fähigkeiten zurück erlangten, verglichen mit Teilnehmern der Untersuchung, welche kein Antidepressivum eingenommen hatten.

Ein Schlaganfall kann eine Veränderung der Persönlichkeit bewirken

Die sogenannte Post Stroke Depression (PSD) wird von Experten auch als eine reaktive Depression bezeichnet. Diese entsteht als eine Reaktion auf einen erlittenen Schlaganfall. Die reaktive Depression ist sozusagen die Trauer über den Verlust von Fähigkeiten, welche durch den Schlaganfall verloren gegangen sind, erklären die Wissenschaftler. Der Verlust treibe die Patienten letztendlich in eine Art vollständiger Hoffnungslosigkeit. Zudem ist ein Schlaganfall eine Verletzung im Gehirn, welche alleine schon oft zu Veränderungen der Persönlichkeit bei Betroffenen führen kann.

Organisch bedingte Wesensveränderungen tragen zur Depression bei

Klinische Beobachtungen zeigten bereits, dass Patienten nach einem Schlaganfall häufiger depressiv werden als Orthopädie-Patienten. Diese Auswirkung bleibt auch weiter bestehen, wenn die auftretende körperliche Behinderung vergleichbar bist. Also ist nicht unbedingt Trauer nötig, um eine Depression zu entwickeln, erläutern die Mediziner. „Das sind organisch bedingte Wesensveränderungen“, erklärt der Neurologe und Psychiater Dr. Hans-Peter Neunzig in der Pressemitteilung. „Vielen Angehörigen fällt es ganz schwer, das zu ertragen und damit umzugehen“, fügt der Experte hinzu.

Angehörige der Patienten spielen eine große Rolle bei der Genesung

Eine wichtige Rolle bei der Bewältigung einer auftretenden Depression spielen die Angehörigen der Betroffenen. Eine Depression nach einem Schlaganfall ist nicht unabwendbar. Eine solche Erkrankung ist heilbar, behaupten die Experten. Für eine erfolgreiche Behandlung werde eine Kombination aus Medikamenten (Antidepressiva) und Gesprächen (Psychotherapie) benötigt. Natürlich ist für die Therapie professionelle Hilfe erforderlich und auch die Angehörigen der Betroffenen spielen eine große Rolle für den Erfolg. Viel weitere Aufklärungsarbeit ist jetzt nötig, um die breite Öffentlichkeit besser über die psychischen Folgen eines Schlaganfalls zu informieren, erklären die Forscher. (as)