Organspende-Skandal: Arzt bestreitet Manipulation

Nina Reese

Erster Prozess im Organspende-Skandal Göttingen

19.08.2013

Im Zusammenhang mit dem Organspende-Skandal an der Universitätsklinik Göttingen wird nun vor dem Landgericht Göttingen der erste Prozess verhandelt. Angeklagt ist ein 46-jähriger Arzt, der von der Staatsanwaltschaft Niedersachsen des elffachen versuchten Totschlags sowie der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge beschuldigt wird – doch dieser weist die Vorwürfe vehement zurück.

Angeklagter weist Vorwürfe entschieden zurück
Am ersten Tag des Prozesses um den Organspende-Skandal an der Universitätsklinik Göttingen hat der beschuldigte Mediziner und frühere Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin den Vorwurf des 11-fachen Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge vehement von sich gewiesen. In einer schriftlichen Erklärung hatte er am Montag bestritten, die Verteilung von Organen manipuliert bzw. diese veranlasst zu haben.

Jahrelange Manipulation von Patientendaten?
Der Organspende-Skandal hatte im Juni für viel Aufsehen gesorgt. So hatte der angeklagte Leberchirurg nach Ansicht der Staatsanwaltschaft über Jahre hinweg der zentralen Vergabestelle „Eurotransplant“ manipulierte Daten von Patienten übermittelt, um die Dringlichkeit für eine Organ-Transplantation zu erhöhen. In einigen Fällen soll er zudem laut „NDR 1“ fälschlicherweise dokumentiert haben, dass Patienten dialysepflichtig seien, was ebenso die Chance erhöht, schneller ein Spenderorgan zu erhalten. Hinzu kommt der Vorwurf, dass der Mediziner Patienten zu Transplantationen angemeldet haben soll, ohne dass die vorgeschriebene Alkoholabstinenz von sechs Monaten eingehalten worden war.

Angeklagter habe „bewusst wahrheitswidrig gehandelt“
Wie NDR 1 berichtet, hat der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft „bewusst wahrheitswidrig gehandelt“ und mit seinem Verhalten in Kauf genommen, dass andere schwerkranke Patienten kein Spenderorgan erhalten konnten und deshalb möglicherweise gestorben sind. Dementsprechend forderte die Staatsanwältin in ihrer Anklage ein Berufsverbot für den Mediziner – aus Sicht des Angeklagten jedoch völlig unverständlich, denn er sei „Tag und Nacht für die Patienten bereit" gewesen und habe seinen Beruf als Arzt als „eine Lebensaufgabe“ betrachtet, berichtet NDR 1.

Verteidigung bezeichnet Vorwürfe als „absurd“
Auch für die Verteidigung sind die Vorwürfe „absurd“, denn wie inzwischen nachgewiesen worden sei, wäre niemand zu Schaden gekommen. Und selbst wenn gefälschte Daten an Eurotransplant übermittelt worden wären, sei dies dennoch kein Fall für den Strafrichter – denn zum maßgeblichen Zeitpunkt hätte es noch „keine entsprechende Strafvorschrift gegeben“, so die Begründung der Anwälte des Angeklagten.

Urteil frühestens im Januar 2014
Die Verhandlung des Organspende-Skandals wird voraussichtlich mehrere Monate dauern – angesetzt sind 42 Verhandlungstage. Mit einem Urteil rechnen Experten frühestens im Januar 2014. Sollte der Angeklagte verurteilt werden, drohen ihm nach Angaben von NDR 1 „mehr als drei Jahre Haft“. (nr)

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