Organspenden erreichen in Deutschland Rekordwert

Fabian Peters

Organspenden erreichen in Deutschland 2010 Rekordwert

13.01.2011

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) meldet, das deutschlandweit im Jahr 2010 knapp 1.300 Menschen nach dem Tod die Organe entnommen wurden. Damit habe die Zahl der Transplantationen in Deutschland ihren bisherigen Rekordwert erreicht.

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„Noch nie konnte in Deutschland so vielen Patienten mit einer Transplantation geholfen werden wie im vergangenen Jahr“, berichtetet die DSO. Obwohl die Mehrheit der Deutschen keinen Organspendeausweis besitze, habe die Zahl der Organtransplantationen im vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht, so die Mitteilung der Stiftung. „Nach dem Einbruch der Organspendenzahlen 2008 und dem Stillstand 2009 geht es nun wieder aufwärts“, erklärte die DSO. So seien im Jahr 2010 1.296 Menschen nach ihrem Tod Organe entnommen worden – 79 mehr als noch im Jahr zuvor. Trotz des Rekordwertes sehen die Experten jedoch noch erhebliches Potenzial im Bereich der Organspenden. Im internationalen Vergleich habe Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf, so das Urteil der DSO.

Deutschlandweit über 4.200 Organe gespendet
Im Verlauf des letzten Jahres ist die Zahl der gespendeten Organe den Angaben der DSO zufolge von 3.897 im Jahr 2009 auf 4.205 im Jahr 2010 gestiegen, wobei „mit jeder Organspende (…) Menschenleben“ gerettet werden, betonte Günter Kirste, Medizinischer Vorstand der DSO. Allerdings stehen mehr als 12.000 Patienten auch weiterhin auf der Warteliste, von denen zwei Drittel eine neue Niere benötigen, so die Aussage der DSO. Dennoch sei die Entwicklung insbesondere im Norden und der Mitte Deutschlands durchaus erfreulich. So sind nach Angaben der Stiftung in der DSO-Region-Nord, den Bundesländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, sowie den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland der DSO-Region-Mitte die Transplantationszahlen deutlich gestiegen.

Zahl der Organspenden regional sehr unterschiedlich
In der DSO-Region-Mitte ist die Zahl der Transplantationen von 312 im Jahr 2009 auf 444 im Jahr 2010 gestiegen, wobei sich die Zahl der Organspender von 139 auf 202 erhöhte, berichten die Experten der DSO. In der DSO-Region-Nord stiegt die Zahl der gespendeten Organe von 665 im Jahr 2009 auf 729 im Jahr 2010, so der Medizinische Vorstand der DSO weiter. Die Zahlen zeigen eine erfreuliche Entwicklung und verdeutlichen, „dass hierzulande genügend Potenzial vorhanden ist, um die Organspendenzahlen noch zu steigern“, betonte Professor Günter Kirste .Allerdings ergeben die erhobenen Daten der DSO auch, dass in einigen Bundesländern noch erheblicher Nachholbedarf besteht. So sei die Zahl der Organspender und der gespendeten Organe in Nordrhein-Westfalen gegenüber dem Jahr 2009 erneut gesunken. Den Angaben der DSO zufolge ist hier die Zahl der Organspender im Jahr 2010 um drei zurückgegangen (von 259 auf 256) und die Zahl der gespendeten Organe hat sich von 839 auf 804 reduziert. Um die Zahl der Organspenden in ganz Deutschland künftig zu steigern, müssten alle beteiligten Institutionen ihre Aufgaben verbindlich erfüllen, erklärte Günter Kirste. Zugleich forderte der Experte eine bessere Zusammenarbeit und Koordination aller Partner, wobei nach Aussage des Medizinischen Vorstands der DSO neben den Ärzten, Kliniken und Organisationen auch die Krankenkassen in der Pflicht stehen.

Dabei beurteilt die DSO die aktuelle Diskussion über neue Gesetze zur Transplantation eher skeptisch. Entscheidender sei zum Beispiel, dass die Rahmenbedingungen zur Meldepflicht der Krankenhäuser bundesweit vereinheitlicht werden, um potentielle Organspender verlässlich zu erkennen und ihren Wille umzusetzen. „Deshalb brauchen wir mehr Verbindlichkeiten für alle Partner im System“, betonte Günter Kirste. Das 2010 gestartete Projekt der Inhousekoordination sei ein erste wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch erste Ergebnisse seien erst Ende 2011 zu erwarten, so die Sprecherin der DSO, Birgit Blome, gegenüber der „Ärzte Zeitung“

Positive Effekte durch Steinmeiers Nierenspende
Positive Effekte sind nach Ansicht der DSO unter anderem von der großen Aufmerksamkeit, die im vergangenen Jahr durch die Nierenspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier geschaffen wurde, eingetreten. Bei den Nieren stamme rund jedes fünfte in Deutschland transplantierte Organ von einem lebenden Spender, wobei dies grundsätzlich möglich ist, weil Menschen zwei Nieren besitzen, jedoch nur ein gesundes Organ zum Überleben brauchen. Die zweite Niere können bei Bedarf und Zustimmung des Spenders für die Transplantation zur Verfügung gestellt werden, erklärte die DSO. Zwar tauchen die Lebendspenden in den aktuellen Statistiken der DSO nicht auf, da nur Organe toter Spender erfasst werden, doch seien eindeutig positive Tendenzen zu beobachten.

Organspendenbereitschaft in Deutschland nimmt zu
Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zur Organspendenbereitschaft der Deutschen hat ergeben, dass die Deutschen grundsätzlich eher Bereit waren ihre Organe nach dem Tod zu spenden, als noch vor zwei Jahren. So sei der Anteil der Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren, die auf Nachfrage einer Organspende zustimmen würden, von 67 Prozent im Jahr 2008 auf zuletzt auf 74 Prozent gestiegen. Allerdings haben nach Angaben der Gesundheitsbehörden und verschiedener Experten dennoch nur 14 bis 25 Prozent der Deutschen einen Organspenderausweis. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich mit einer Quote von jährlich rund 16 Organspendern pro eine Million Einwohner deutlich zurück, erklärten die Experten der DSO. In anderen Ländern wie Belgien, den USA, Österreich, Frankreich, Italien oder Finnland seien es mehr als 20 und in Spanien sogar 34, betonte Günter Kirste

DSO als Koordinierungsstelle für Organspenden
Die DSO ist als bundesweite Koordinierungsstelle der Organspenden nach dem Tod zuständig für die Organisation aller Schritte des Organspendenprozesses einschließlich des Transports der Organe zu den Empfängern. Um diese Aufgabe zu bewältigen, sind bundesweit fast 70 Koordinatoren der DSO im Einsatz, die auch das Personal in den Krankenhäusern beim Ablauf der Organspende unterstützen. Dem Transplantationsgesetzes zufolge können in Deutschland Personen ab dem vollendeten 16. Lebensjahr eigenständig in eine Organspende einwilligen. Bereits ab dem 14. Lebensjahr können Spender eine Entscheidung durch Dritte für wirksam erklären oder ihr widersprechen. Dabei ist es nach heutigem Forschungsstand möglich relativ viele Organe des menschlichen Körpers zu transplantieren. Zu unterscheiden ist zwischen Organen, die nur durch eine Todspende gewonnen werden können und solchen, die von einem Lebendspender übertragbar sind. Die von der DSO registrierten Organspenden nach einem Todesfall umfassen dabei zum Beispiel Bauchspeicheldrüsen, Blutgefäße, Haut, Herz, Herzklappen, Hornhaut der Augen, Knochengewebe, Knorpelgewebe und vieles mehr. (fp)

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Bild: Günther Richter / pixelio.de