Orthopädin: Ein Fersensporn bedingt starke und stechende Schmerzen

Sebastian
Von außen ist nichts zu sehen, aber höllische Schmerzen verursachen kann es trotzdem: Wenn der Fuß beim Auftreten sticht und schmerzt, kann ein sogenannter Fersensporn vorliegen. Umso früher eine Behandlung eingeleitet wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Wir zeigen was die Ursachen sind und welche therapeutischen Maßnahmen helfen.

Massive Schmerzen am Hacken beim Auftreten, ohne äußerlich erkennbare Ursache, gehen oftmals auf einen Fersensporn zurück. Die Betroffenen werden hierdurch in ihrem Alltag mitunter für Monate erheblich eingeschränkt. Welche Ursachen die Entstehung des Fersensporns hat und wie dieser behandelt werden kann, erläuterte die Chefärztin der Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie in Bad Neustadt an der Saale, Renée Fuhrmann.

(Bild: bilderzwerg/fotolia.com)
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Der Fersensporn ist hierzulande eine regelrechte Volkskrankheit, wobei die Betroffenen nicht selten monatelang unter Schmerzen leiden. Von außen sei dieser nicht zu erkennen, aber unter Belastung würden sich gegebenenfalls stechende Schmerzen zeigen. Ursache sei die Bildung eines zusätzlichen kleinen Knochens, wobei die Verknöcherung an sich häufig vorkomme und nicht zwangsweise zu Beschwerden führe. Bildet sich allerdings in der weiteren Folge eine Plantarfasziitis, also eine Entzündung der Plantarsehne an der Fußsohle, seien schlimmstenfalls bei jedem Schritt heftige Schmerzen zu verzeichnen. Insgesamt würden rund zehn Prozent der Deutschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an Fersenschmerzen leiden.

Zwei Formen des Fersensporns
Grundsätzlich ist der Fersensporn laut Aussage von Renée Fuhrmann „sehr häufig“ und rund jeder dritte Mensch zeige diese zusätzliche Verknöcherung. Bei Personen im Alter über 50 Jahren nehme die Häufigkeit weiter zu. Dabei werden abhängig von der Lokalisation zwei verschiedene Formen des Fersensporns unterschieden. Die Haglund-Exostose (auch Haglund-Syndrom), welche durch einen Knochenauswuchs am oberen Ansatz der Achillessehne gekennzeichnet ist und der weitaus häufigere Knochenauswuchs unter dem Fuß, welcher als plantarer Fersensporn oder Kalkanueussporn bezeichnet wird. Die Schmerzen bei einem Fersensporn sind vermehrt morgens nach dem Aufstehen festzustellen, was zunächst unlogisch scheint, da die Füße in den Stunden zuvor nicht belastet wurden. Laut Renée Fuhrmann befinden sich die Füße während des Schlafs jedoch in einer Beugestellung und morgens wird die Wadenmuskulatur bei der ersten Belastung gedehnt, was im Fall einer Entzündung der Plantarsehne die Schmerzen verursache.

Schuhe mit hohem Absatz und Übergewicht sind Risikofaktoren
Nicht selten bleibt der Fersensporn für lange Zeit unentdeckt, insbesondere wenn keinerlei Beschwerden zu verzeichnen sind. Selbst „wenn er im Röntgenbild zu sehen ist, heißt das nicht, dass man Schmerzen haben muss“, wird Renée Fuhrmann von der „dpa“ zitiert. Zudem bestehe die Erkrankung meist schon lange, wenn der Fersensporn beim Röntgen erkennbar ist. „Sie ist ein Zeichen dafür, dass es dort mal eine entzündliche Veränderung am Muskel-Sehnen-Ansatz gegeben hat“, so die Chefärztin. Besonders gefährdet seien dabei Frauen, die insgesamt deutlich häufiger erkranken als Männer. Zudem würden Patienten mit Rheuma überdurchschnittlich oft erkranken und auch bei Patienten mit Senk- oder Plattfuß sei ein erhöhtes Erkrankungsrisiko feststellbar. Des Weiteren sei Übergewicht ein Risikofaktor und auch durch das vermehrte Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen könne der Fersensporn begünstigt werden. Durch die hohen Absätze werde eine Verkürzung der Wadenmuskulatur bedingt und hierdurch steige das Risiko einer Plantarfasziitis, so Fuhrmann.

Physiotherapie verspricht Linderung
Gegen die Fersenschmerzen ist laut Aussage der Expertin „eine Dehnungsbehandlung der Wadenmuskulatur“ die beste Option. Diese könne zum Beispiel durch entsprechende Übungenbei einem Physiotherapeuten erfolgen. Hierbei werde die Wadenmuskeln trainiert und durch die Dehnübungen zeige sich in der Regel schon nach kurzer Zeit eine Besserung. Die Übungen müssen allerdings solange fortgesetzt werden, bis die Patienten beschwerdefrei sind, was gegebenenfalls mehrere Monate dauern kann. Zudem würden viele Orthopäden hierfür kein Rezept ausstellen.Alternativ könnten die Betroffenen auf eigene Kosten beim Physiotherapeuten sinnvolle Übungen erlernen. Helfen sämtliche Behandlungsversuche nicht, bleibt laut Aussage der Expertin noch ein operativer Eingriff als letzte Option, bei dem die Sehnen vom Knochen abgelöst wird. Dieser sei allerdings nur sehr selten erforderlich und lediglich ein Szenario für den Extremfall. Injektionen mit Kortison, die gegen die Entzündung helfen sollen, würden indes häufiger angewandt. Auch bilde die Elektrotherapie eine Möglichkeit der Behandlung.

Heilung braucht Monate
Um die Füße gegen den Druck zu schützen, werden von Orthopäden laut Aussage der Expertin häufig Einlagen für die Schuhe verschrieben. Diese Einlagen mit sogenannten Softspots würden von den Patient oft als sehr angenehm empfunden und seien praktisch wie Wellness für den Fuß. Für die Heilung bringe dies jedoch wenig, da so eine Einlage keinen Einfluss auf das Krankheitsbild habe. Hat sich eine Plantarfasziitis entwickelt, ist laut Aussage der Expertin ohnehin ein längerer Heilungsszeitraum einzuplanen. Denn diese gehe „nicht nach vier Wochen weg. Man muss schon in Monaten kalkulieren“, so Fuhrmann gegenüber der „dpa“. Ihrer Ansicht nach braucht die Heilung realistisch ein halbes bis Dreivierteljahr. Allerdings zeige sich bei der Plantarfasziitis auch eine Selbstheilungstendenz. Die Beschwerden würden üblicherweise wieder abklingen und es sei „sehr unwahrscheinlich, dass der Schmerz chronisch bleibt.“

Besondere Schonung nicht erforderlich
Sofern die Schmerzen es zulassen, brauchen sich die Betroffenen bei einer Plantarfasziitis nicht besonders schonen, sondern können sämtliche gewohnten Tätigkeiten verrichten, erläutert Fuhrmann weiter. Auch Einschränkungen beim Sport seien in der Regel nicht erforderlich Selbst Joggen zum Beispiel bleibe möglich. Insbesondere Bewegung, die gut für die Wadenmuskulatur ist, könne hier sogar einen positiven Effekt haben. Sollten die Fersenschmerzen auch nach Monaten anhalten, sei möglicherweise ein Nervenkompressionssyndrom die Ursache, welches ein relativ spezielles Beschwerdebild darstelle und auch nicht jeder Orthopäde gleich erkennen würde. In diesem Fall wäre laut Aussage der Expertin eine Operation notwendig. (fp)