Osteoporose: Knochenbrüche vermeidbar

Heilpraxisnet

Osteoporose: Vermehrte Frakturen durch Knochenschwund im Alter

14.10.2014

Osteoporose ist eine relativ weit verbreitetet Knochenkrankheit, die vor allem ältere Menschen befällt und mit vermehrten Knochenbrüchen einhergeht. Selbst leichte Stürze können bei den Betroffenen zu schweren Frakturen führen. Anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober informieren verschiedene Fachgesellschaften, Gesundheitseinrichtungen und Krankenkassen über die neuesten Erkenntnisse zu dieser besonderen Knochenerkrankung und über neue Ansätze in den Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose.

„Osteoporose ist die am weitesten verbreitete Knochenerkrankung im Alter“, berichtet die AOK in ihrer Pressemitteilung zum Welt-Osteoporose-Tag. Dem Kuratorium Knochengesundheit zufolge seien „in Deutschland insgesamt 7,8 Millionen der über 50-Jährigen von der Knochenerkrankung betroffen“ und „6,5 Millionen davon sind Frauen“, so die Mitteilung der Krankenkasse. Bleibt die Erkrankung unerkannt beziehungsweise erfolgt keine rechtzeitige Behandlung, drohen vermehrte Knochenbrüche sowie chronische Schmerzen oder gar eine Behinderung mit Pflegebedürftigkeit. Allerdings lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung mit einer Kombination aus Medikamenten und Bewegungstherapie durchaus erfolgreich verhindern. In Selbsthilfegruppen können betroffene Seniorinnen und Senioren mit spezieller Gymnastik gegen die nachlassende Knochendichte angehen.

Viele Betroffene werden pflegebedürftig
Osteoporose hat zur Folge, dass die Knochen bereits bei alltäglichen Belastungen brechen können, wobei dem Kuratorium Knochengesundheit zufolge vor allem die Wirbelkörper, der hüftnahe Oberschenkel und der Unterarm besonders häufig betroffen sind. Insgesamt seien in Deutschland 26 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahren von Osteoporose betroffen. Im Zuge des demografischen Wandel ist daher eine deutliche Zunahme der Osteoporose-Erkrankungen zu erwarten. So zählt die Osteoporose zu den großen gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Für viele Betroffene ist die Diagnose zunächst ein Schock, doch ohne Diagnosestellung keine Behandlung und ohne Behandlung kann die Erkrankung schnell Ausmaße annehmen, die eine vollständige Pflegebedürftigkeit der Patienten zur Folge haben. Denn „ein Bruch im fortgeschrittenen Alter stellt alles infrage. Für viele ist es vorbei mit der Selbstständigkeit“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ die Vorsitzende des Dachverbands Osteologie (DVO), Heide Siggelkow. Ein Viertel der Betroffenen könne "nach einer entsprechenden Fraktur nicht mehr für sich selbst sorgen und werden pflegebedürftig". Zudem sei insbesondere "bei schweren Hüftbrüchen innerhalb des ersten Jahres nach der Fraktur ein deutlich erhöhtes Sterberisiko der Betroffenen festzustellen".

Alter und Geschlecht beeinflussen das Erkrankungsrisiko
Zu den Ursachen der Osteoporose erläuterte Johannes Pfeilschifter, kooptiertes DVO-Mitglied vom MVZ Endokrinologikum Ruhr und Koordinator für die Weiterentwicklung der Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnose und Therapie der Osteoporose, dass hier das Alter und Geschlecht eine wesentliche Rolle spielen. „Im Alter von 70 ist Osteoporose eine Volkskrankheit“, zitiert die „dpa“ den Experten. Allerdings sei bislang nicht abschließend geklärt, wieso mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit einer Osteoporose derart steigt. Hier kumulieren sich "vermutlich eine ganze Reihe von Faktoren, die Osteoporose befördern können", so Pfeilschifter. Beispielsweise sei ein Zusammenhang mit der verringerten Ausschüttung von Sexualhormonen festzustellen, denn Östrogen und Testosteron haben einen wesentlichen Einfluss auf die Knochenerneuerung. Zudem spiele die nachlassende Muskelkraft im Alter eine Rolle, da sie eine reduzierte Knochendichte mit sich bringt.

Kombination aus Medikamenten und Bewegungstherapie
Unabhängig von den Ursachen der Osteoporose, lässt sich mit verschiedenen Medikamenten die Knochenfestigkeit deutlich verbessern. Allerdings können Medikamente alleine das Fraktur-Risiko nur begrenzt beeinflussen. Eine wesentliche Rolle spielt daher die Bewegungstherapie, mit der einerseits das Sturzrisiko gesenkt werden soll und anderseits die Knochenerneuerung stimuliert wird. Voraussetzung für die Einleitung der Therapie ist jedoch eine entsprechende Diagnose. Hier sieht die DVO-Vorsitzende allerdings deutliche Defizite. Denn „in Deutschland liegen wir, was die Diagnose betrifft, noch weit hinten“, zitiert die „dpa“ Heide Siggelkow. Oft seien Hausärzte zu wenig sensibilisiert für die Anzeichen der Knochenerkrankung und selbst nach mehreren Knochenbrüchen werde zu selten auf eine Osteoporose geschlossen.

Nachsorge bislang oftmals unzureichend
Zudem erfolge im Anschluss an einen Knochenbruch oftmals keine angemessene Nachsorge. Laut Siggelkow kümmert sich „der Chirurg in der Regel bestens darum, dass die Hüfte wieder funktioniert“; doch müsse viel stärker in den Blick genommen werden, „wie es gelingen kann, dass der ganze Mensch wieder funktioniert“, berichtet die „dpa“. Hier seien andere Länder mit der Wiedereingliederung von Patienten nach einem Bruch deutlich weiter. Spezielles Pflegepersonal kümmere sich um eine angemessene Nachsorge. „Ansätze, wie wir die Übergänge zwischen Krankenhaus, Heimen oder häuslichem Umfeld verbessern, stecken bei uns noch in den Kinderschuhen“, zitiert die „dpa“ die DVO-Vorsitzende. Insgesamt eröffnen die neuen Leitlinien der DVO hier zahlreiche neue Ansätze, die im Rahmen des Welt-Osteoporose-Tages nun in eine breiteren Umfeld thematisiert werden sollen. (fp)

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