Ozon-Grenzwerte in Hessen und NRW überschritten

Fabian Peters

Viele Menschen reagieren empfindlich auf das Reizgas Ozon

23.07.2013

Die anhaltend hohen Temperaturen und wolkenfreien Wetterlagen haben einen deutlichen Anstieg der Ozonwerte zur Folge. In Hessen wurde am frühen Montagabend eine Überschreitung des Grenzwertes von 180 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter Luft festgestellt, so die Mitteilung des Landesamtes für Umwelt und Geologie in Wiesbaden. Auch sei beispielsweise in Marburg (185,7 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft um 13 Uhr) eine Überschreitung des Grenzwertes gemessen worden. In Nordrhein-Westfalen haben einige Messstellen heute ebenfalls eine Grenzwertüberschreitung festgestellt, berichte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.

„Ozon kann bei höheren Konzentrationen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Atemwege führen“, warnt das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie. Anstrengungen im Freien sollten daher vermieden und sportliche Aktivitäten reduziert oder eher in die Morgenstunden verlegt werden. Insbesondere anfällige Personen und Kinder hätten bereits bei leichten Überschreitungen des Grenzwertes zum Teil mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Werden Werte von mehr als 240 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter Luft erreicht, zeigen sich auch bei widerstandsfähigeren Personen Beschwerden wie Atemwegsreizungen mit entsprechenden Atembeschwerden, vermehrter Husten, Schleimhautreizungen, Tränenreiz und Kopfschmerzen. Nicht selten werden die Symptome von den Betroffenen zunächst mit einer Sommergrippe verwechselt.

Hohe Schadstoffbelastungen der Luft begünstigen Überschreitung der Ozon-Grenzwerte
Sollte das Sommerwetter anhalten könnten die Ozonwerte auch in den kommenden Tagen weiter steigen und unter Umständen eine Überschreitung des behördlichen Alarmwertes von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreichen. Entsprechend gravierend wären die möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen in der Bevölkerung. Verantwortlich für den Anstieg der Ozon-Werte sind neben den hohen Temperaturen vor allem die geringe Luftbewegung und Luftfeuchtigkeit. Besonders hoch liegen die Werte in Region mit starke Schadstoffbelastung der Luft (meist städtische Bereiche), da Ozon unter anderem entsteht, wenn die Luftschadstoffe durch das Sonnenlicht aufgespalten werden.

Langfristige Gesundheitsschäden durch Ozon
Welche gravierenden Folgen Ozon auf die Gesundheit haben kann, zeigt sich insbesondere bei Betrachtung der langfristigen Wirkung des Reizgases. So berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf die Aussage von Experten der US-Umweltschutzbehörde EPA, dass neuere Studien gezeigt hätten, wie Ozon langfristig auch zu Schädigungen des Herzens und Beeinträchtigungen des Herzkreislaufsystems führen kann. Durch die Ozonbelastung würden Herzzellen zum programmierten Zelltod animiert. Sport ist bei erhöhten Ozonkonzentrationen besonders kritisch, da die individuelle Belastung mit der Atemmenge korreliert. Bei körperlicher Anstrengung erhöht sich die Atemfrequenz, wodurch auch bei gleichbleibenden Ozonwerten eine erhöhte Ozonaufnahme einsetzt.

Kinder besonders durch hohe Ozonwerte gefährdet
Säuglinge sind durch hohe Ozonkonzentrationen in besondere Weise gefährdet, da sie auch im Ruhezustand eine größere Luftmenge einatmen als Erwachsene (im Verhältnis zum Körpergewicht), berichtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Damit nehmen sie bereits ohne zusätzliche körperliche Belastung vermehrt Ozon auf. Leiden Kinder an allergischen Atembeschwerden wie beispielsweise einer Pollenallergie oder Asthma, kann die steigende Ozonkonzentration für sie allgemein eine erhebliche Belastung darstellen, so der BVKJ weiter. Nicht selten zeige sich zudem neben den bereits erwähnten Atemwegs- und Schleimhautreizungen auch eine Erhöhung der Herzfrequenz beziehungsweise Herzrasen, berichtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Die BVKJ-Experten empfehlen den Eltern ihre Kinder bei erhöhten Ozonkonzentrationen in den Stunden zwischen 11 und 22 Uhr möglichst in kühlen Räumen spielen zu lassen und alle körperlichen Anstrengungen im Freien zu vermeiden. Herumtollen und Sport sei tabu, auch wenn das den Kindern oftmals nur schwer zu vermitteln ist. (fp)

Advertising