Paleo-Diät: Ist die Steinzeit-Essen gesund?

Heilpraxisnet

Paleo: Essen wie in der Steinzeit

09.04.2015

Trennkost, Rohkost, Vegan: Alternative Ernährungskonzepte haben Hochkonjunktur. Bei manchen Menschen ist mittlerweile auch die sogenannte Paleo-Diät beliebt. Deren Anhänger essen wie in der Steinzeit: Fleisch und Gemüse ja, Getreide und Milch nein. Ernährungsforscher sind kritisch.

Essen wie in der Steinzeit
Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Obst und Gemüse, sowie Pilze, Nüsse und Honig sind okay, Zucker oder Milch hingegen nicht: Paleo-Fans setzen auf Essen wie in der Steinzeit. Die Grundidee besteht darin, vor allem das zu essen, was Urmenschen vor über 20.000 Jahren in der Steinzeit verzehrt hatten. Diese Ernährungsform wird daher auch „Steinzeit-Diät“ oder „Steinzeiternährung“ genannt. Dabei gilt, dass das was durch Ackerbau und Viehzucht dazukam, tabu ist: Getreide und damit Brot oder Müsli sowie Milch und damit Joghurt oder Butter, aber auch Zucker.

Ernährungstrend findet mehr Anhänger
Unter anderem bei vielen aktiven Sportlern ist die Paleo-Kost sehr beliebt. In den USA ist der Ernährungstrend schon länger angesagt, mittlerweile findet er auch in Deutschland mehr Anhänger. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, ist das „Mammeo“ im Frankfurter Stadtteil Bornheim eines der noch wenigen Restaurants in Deutschland, wo gekocht, gebacken und getrunken wird wie im Paläolithikum, der Altsteinzeit. Vor einem Jahr hat Sariya Forkel damit angefangen. Ab Mitte Mai will die 28-Jährige ihr Café mit Mittagstisch am Wochenende auch abends öffnen und dann auch „richtig schöne Steaks“ anbieten. Es gibt nur wenige Vorbilder: 2011 hat das „Sauvage“ in Berlin-Neukölln eröffnet, in Prenzlauer Berg kam 2013 ein – noch größerer – Ableger hinzu.

Unterschiedliche Gründe für die steinzeitliche Kost
Unter den Anhängern dieser Kost sind oft Fleisch- und Fisch-Fans zu finden. Viele setzen aber auch aus anderen Gründen, zum Beispiel, weil sie unter Laktose-Intoleranz oder Gluten-Unverträglichkeit (Glutenallergie) leiden, auf das „Steinzeitessen“. In manchen Ratgebern propagieren die Befürworter einen effektiven Schutz vor zahlreichen westlichen Volkskrankheiten, die erst durch das Entstehen von fortschrittlichen Zivilisationen entstanden seien. Demnach soll die Fleischkost vor Herzinfarkt, Adipositasund Diabetes schützen. Forkel, die sich selbst seit rund drei Jahren nach den Regeln der Paleo-Diät ernährt, erklärte: „Ich wollte keine industriell verarbeiteten Lebensmittel mehr essen.“ Sie meinte, sie wollte schließlich ein Restaurant eröffnen, „in das ich selbst gern gehen würde“. Das Motto ihres Ladens lautet: „Real Food“.

Ernährungsexperten gegen „Ernährungs-Dogmatismus“
Ernährungsforscher stehen dem Ganzen jedoch eher kritisch gegenüber. Laut dpa lehnt Susanne Klaus, die beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung die Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels leitet, jeglichen „Ernährungs-Dogmatismus“ ab. Dies sei manchmal auch „eine Art Religionsersatz“. Zudem gibt es Kritiker, die den Vertretern dieser Ernährungsweise vorwerfen, dass die Aussagen in Bezug auf die steinzeitliche Lebensweise aus reinen Hypothesen besteht, für die keine wissenschaftlichen Belege existieren. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Rekonstruktion der Ernährung während des Steinzeitalters nur ansatzweise möglich. Unter anderem sei nicht klar, ob Steinzeit-Menschen wirklich vordergründig Fleisch gegessen haben. Zudem wird bemängelt, dass die Steinzeit-Ernährungsform nicht an den modernen Menschen angepasst ist, der sich in der heutigen Zeit weniger körperlich betätigt als zu Urzeiten. (ad)

>Bild: siepmannH / pixelio.de