Paracetamol in der Schwangerschaft erhöht Risiko für den Nachwuchs

Fabian Peters
Paracetamol kann Unfruchtbarkeit bei männliche Nachkommen bedingen
Die Verwendung von Paracetamol in der Schwangerschaft kann bei männlichen Babys zu Entwicklungsstörungen führen und die Fruchtbarkeit nachhaltig beeinträchtigen. Galt bisher die Einnahme geringer Mengen Paracetamol zum Beispiel zur Linderung von Kopfschmerzen während der Schwangerschaft als ärztlich vertretbar, so ist hier nun ein drastisches Umdenken erforderlich.

Wissenschaftlern des MRC Centre for Reproductive Health der Universität von Edinburgh konnten in ihren Untersuchungen nachweisen, dass durch die Einnahme des Schmerzmittels Paracetamol in der Schwangerschaft die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron unterdrückt wird. Dies habe vermehrt Fehlstände der Hoden und damit ein erhöhtes Risiko für Fruchtbarkeitsstörungen bei den männlichen Nachkommen zur Folge, berichtet das Forscherteam um Sander van den Driesche und Joni Macdonald in dem Fachmagazin „Science Translational Medicine“. Zahlreiche weitere Fachzeitschriften wie beispielsweise das „British Medical Journal“ oder das „Deutsche Ärzteblatt“ haben angesichts der aktuellen Studienergebnisse ebenfalls vor dem leichtfertigen Einsatz von Paracetamol in der Schwangerschaft gewarnt.

Foetus
Das ungeborene Kind kann durch die Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft geschädigt werden. Bild: Jonathan/fotolia.com

Erhöhtes Risiko eines Hodenhochstands
Im Jahr 2011 hatte eine epidemiologische Studie bereits ein signifikant erhöhtes Risiko für die Entwicklung des sogenannten Kryptorchismus (Hodenhochstand) bei Jungen festgestellte, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol einnahmen. „Bei den betroffenen Kindern kann es später zu einer verminderten Zeugungsfähigkeit und einem erhöhten Risiko für das Auftreten von bösartigen Hodentumoren kommen“, berichtet die Schmerzklinik Kiel. Die kombinierte Einnahme von zwei Schmerzmitteln bei Schwangeren sei sogar mit einer siebenfach erhöhten Rate eines Kryptorchismus der neugeborenen Jungen verbunden gewesen. Allerdings konnte ein ursächlicher Zusammenhang in der damaligen Studie noch nicht eindeutig nachgewiesen werden.

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Deutlich verringerte Testosteronproduktion
Die aktuelle Studie hat nun den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und der Fruchtbarkeit der Kinder in einem experimentellen Ansatz untersucht, bei dem die Bedingungen während der menschlichen Schwangerschaft simuliert wurden, indem die Wissenschaftler kastrierten Mäusen menschliches fetales Hodengewebe einsetzten und ihnen anschließend Paracetamol oder ein Placebo verabreichten. Bei den Mäusen, die sieben Tage mit Paracetamol behandelt wurden, lag der Spiegel von Testosteron im Blut durchschnittlich 45 Prozent niedriger, als bei den Mäusen der Placebo-Gruppe. Erhielten die Tiere nur für einen Tag Paracetamol, zeigte sich kein bedeutsamer Effekt auf die Testosteronproduktion. Den Zeitraum zwischen zwei und sechs Tagen haben die Forscher nicht analysiert. Nachfolgende Untersuchungen in der Gebärmutter von Ratten zeigten, dass die Paracetamol-induzierte Reduktion der Testosteronproduktion vermutlich auf eine verringerte Expression spezieller Schlüsselenzyme zurückgeht, schreiben die Forscher in dem Fachmagazin „Science Translational Medicine“.

Gravierende Auswirkungen der Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft
Die Wissenschaftler der Universität von Edinburgh konnten mit ihrer Studie erstmals entschlüsseln, „wie Paracetamol männliche Geschlechtshormone während der Entwicklung der Geschlechtsorgane im Mutterleib bei männlichen Föten stört“, kommentiert Professor Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, die Ergebnisse. Besonders aussagekräftig sei die Untersuchung, weil die Paracetamol-Konzentration in der Studie nicht höher lag, als die üblich therapeutische Dosierung gegen Schmerzen beim Menschen. Schon nach der Einnahme an sieben Tagen in der Schwangerschaft seien lebenslange nachteilige Auswirkungen für die ungeborenen Kinder zu befürchten. Die Studie sei ein weiterer Beleg für die gravierenden Auswirkungen der Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft. Schwangere Frauen sollten unbedingt auf die neuen Studienergebnisse hingewiesen werden, damit sie bewusst und aktiv entscheiden können, ob aufgrund dieser Datenlage Paracetamol für die Behandlung von Kopf- oder Rückenschmerzen verantwortet werden kann, so die Mitteilung der Schmerzklinik Kiel. Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft sollte zudem in jedem Fall mit dem Arzt abgesprochen werden. (fp)

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