Paracetamol in der Schwangerschaft ist ein hoher Risikofaktor für die Fruchtbarkeit der Kinder

Die Einnahme von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft kann zu Beeinträchtigungen des ungeborenen Kindes führen. (Bild: Tinatin/fotolia.com)
Fabian Peters
Schmerzmittel könnten sich auf Fruchtbarkeit von folgenden Generationen auswirken
Es gibt viele Medikamente, die Mütter während der Schwangerschaft nicht einsetzen sollten. Denn die Auswirkungen auf den ungeborenen Nachwuchs können erheblich sein. Jetzt behaupten Forscher, dass Mütter auch kein Paracetamol in der Schwangerschaft nutzen sollten.

Einige Medikamente sind nicht für werdende Mütter zu empfehlen. Dies gilt anscheinend auch für das Schmerzmittel Paracetamol. Eine aktuelle Studie stellte fest, dass Paracetamol der zukünftigen Fruchtbarkeit von Töchtern schaden könnte. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“.

Die Einnahme von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft kann zu Beeinträchtigungen des ungeborenen Kindes führen. (Bild: Tinatin/fotolia.com)
Die Einnahme von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft kann zu Beeinträchtigungen des ungeborenen Kindes führen. (Bild: Tinatin/fotolia.com)

Schmerzmittel führen bei Ratten zu kleinen Eierstöcken und weniger Jungen
In Tests an Versuchsratten wurde festgestellt, dass Paracetamol oder das Aspirin-ähnliche Medikament Indomethacin, bei Müttern in der Schwangerschaft nicht verschrieben werden sollten. Denn die weiblichen Nachkommen der Mütter entwickeln unter dem Einfluss der Arzneien weniger Eizellen als diejenigen, die in der Schwangerschaft nicht solchen Arzneimitteln ausgesetzt waren, erläutern die Mediziner. Betroffene weibliche Nachkommen hatten auch kleinere Eierstöcke und gebaren kleinere Würfe von Babys. Wir müssen jetzt verstehen, wie diese Medikamente Auswirkungen auf die reproduktive Entwicklung in der Gebärmutter nehmen, betont Professor Richard Sharpe von der „University of Edinburgh“. So sei es dann auch möglich, die volle Wirkung von solchen Medikamenten zu verstehen. Männliche Ratten waren auch betroffen. Sie zeigten weniger Zellen, die im späteren Leben an der Produktion von Spermien beteiligt sind. Jedoch gewinnen die Zellen ihre Fruchtbarkeit mit der Zeit zurück, sagen die Wissenschaftler.

Bei Schmerzen in der Schwangerschaft wurde früher zu Paracetamol geraten
Schmerzmittel wirken auf Hormone namens Prostaglandine, welche dafür bekannt sind, dass sie den Eisprung und den Menstruationszyklus regulieren.Wenn die Medikamente nicht unbedingt erforderlich sind, sollten Frauen nur die kleinstmögliche Dosis einnehmen, warnen die Forscher. Paracetamol werde oft als die einzige sichere Möglichkeit zur Behandlung von Schmerzen in der Schwangerschaft angesehen und das Medikament routinemäßig in allen Phasen der Schwangerschaft verwendet, um Schmerzen zu lindern. Bisher habe es keine Beweise dafür gegeben, dass solch eine Behandlung schädliche Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben könnte, erklären die Forscher. Doch empfehlen zum Beispiel die britischen Gesundheitsbehörden, dass Frauen keine Medikamente in der Schwangerschaft verwenden sollten, vor allem nicht in den ersten drei Monaten. Wenn es trotzdem notwendig sei ein Schmerzmittel einzunehmen, wurde früher dazu geraten, Paracetamol zu sich zu nehmen, berichten die Wissenschaftler.

Paracetamol hat viele negative Auswirkungen auf ungeborene Kinder
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Studie an Ratten durchgeführt wurde, nicht an Menschen. Es gebe allerdings viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Fortpflanzungssystemen, erklärt Professor Sharpe. Die Ratten erhielten die Medikamente über mehrere Tage und die Wirkung entfaltete sich nach ein bis vier Tagen. Das Medikament schien auf die unmittelbaren Nachkommen der Mutter zu wirken, aber es hatte auch Auswirkungen auf nachfolgende Generationen, sagen die Forscher. Enkelinnen der Versuchsraten hätten auch kleinere Eierstöcke und eine veränderte reproduktive Funktion gezeigt. Einige Schmerzmittel können die Entwicklung unserer sogenannten „Keimzellen“ beeinflussen, vermuteten die Wissenschaftler. Die Studie beinhaltete die Verwendung von Schmerzmitteln über einen relativ langen Zeitraum. Wir müssen jetzt untersuchen, ob eine kürzere Dosis einen ähnlichen Effekt auslöst, so Professor Richard Sharpe und Kollegen. Anschließend sollten diese Informationen nutzbringend für den menschlichen Gebrauch umgesetzt werden. Die Wissenschaftler von der „University of Edinburgh“ fanden auch heraus, dass die Schmerzmittel die Produktion von Testosteron in Babymäuse unterbinden, wenn sie für mindestens eine Woche verabreicht werden. Bereits im Jahr 2010 wurde von dänischen Forschern vermutet, dass solche Medikamente das Risiko von Hodenhochstand bei männlichen Babys erhöhen. Im Jahr 2014 kamen amerikanische Forscher zu dem Schluss, dass Paracetamol während der Schwangerschaft das Risiko zur Entwicklung von Hyperaktivität bei Kindern erhöhen kann. (as)

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