Parkinson teilweise eine Autoimmunkrankheit?

Alexander Stindt
Autoimmunantwort spielt eine wichtige Rolle bei der Parkinson-Erkrankung
Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, welche auf der ganzen Welt weitverbreitet ist. Forscher haben jetzt den ersten direkten Beweis dafür gefunden, dass die sogenannte Autoimmunität eine wichtige Rolle bei der Parkinson-Krankheit spielt.

Die Wissenschaftler des Columbia University Medical Center (CUMC) stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Autoimmunität einen starken Einfluss auf die Parkinson-Erkrankung hat. Wenn das Immunsystem das körpereigene Gewebe angreift, kann sich dies erheblich auf die Entstehung von Parkinson auswirken. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Nature

Unsere körpereigene Immunantwort scheint an der Parkinson-Erkrankung beteiligt zu sein. Ein fehlerhafter Angriff des Immunsystems auf Neuronen kann ausgelöst werden, wenn diese bereits durch Parkinson beschädigt wurden. (Bild: Astrid Gast – fotolia)

Alpha-Synuclein kann T-Zellen aktivieren
Die aktuellen Untersuchungsergebnisse zeigen eine Möglichkeit, um den Tod von Neuronen bei Parkinson-Erkrankungen durch eine die Immunantwort dämpfende Therapie zu verhindern, sagen die Experten. Die Vorstellung, dass ein fehlerhaftes Immunsystem zu Parkinson beiträgt, sei fast schon 100 Jahre alt, erklärt Autor Professor David Sulzer. Bisher war allerdings niemand in der Lage, einen Zusammenhang zu nachzuweisen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass zwei Fragmente von Alpha-Synuclein, einem Protein das sich in den Gehirnzellen von Menschen mit Parkinson ansammelt, die T-Zellen aktivieren können, erklären die Wissenschaftler. Diese Zellen seien an sogenannten Autoimmunangriffen beteiligt.

Personen mit einem erhöhten Risiko identifizieren
Es bleibt abzuwarten, ob die Immunantwort auf Alpha-Synuclein eine anfängliche Ursache für Parkinson ist oder ob sie zum neuronalen Tod beiträgt und so die Symptome nach dem Beginn der Erkrankung verschlechtert, erläutert die Autor Professor Alessandro Sette. Die aktuellen Ergebnisse könnten jedoch zur Entwicklung eines dringend benötigten diagnostischen Test für die Parkinson-Krankheit beitragen und so helfen, Personen mit einem erhöhten Risiko oder Betroffene in frühen Stadien der Krankheit zu identifizieren, erläutern die Forscher.

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T-Zellen können durch Alzheimer geschädigte Neuronen als Invasoren ansehen
Durch eine Studie aus dem Jahr 2014 wurde klar, dass Dopamin-Neuronen (die von der Parkinson-Krankheit betroffen sind) besonders anfällig sind, weil sie Proteine auf der Zelloberfläche aufweisen, welche dem Immunsystem helfen, Fremdstoffe zu erkennen, erklären die Forscher. Mit anderen Worte: T-Zellen können Neuronen als körperfremde Invasoren ansehen, wenn diese durch die Parkinson-Krankheit beschädigt wurden.

Mediziner untersuchten für ihre Studie über 100 Probanden
Bei ihrer Studie untersuchten die Forscher die Blutproben von 67 Parkinson-Patienten und 36 im Alter angepassten gesunden Probanden. Dabei suchten sie nach Fragmenten von Alpha-Synuclein und anderen Proteinen, welche in Neuronen gefunden werden können. Sie analysierten die Proben der Teilnehmer, um herauszufinden, welche Proteinfragmente eine Immunantwort auslösten.

Wodurch entsteht Autoimmunantwort bei Parkinson?
Die festgestellte Immunantwort wurde mit der gemeinsamen Form eines bestimmten Gens assoziiert. Dies könnte erklären, warum viele Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung eine solche Genvariante in sich tragen, betonen die Wissenschaftler. Die Autoimmunantwort bei einer Parkinson-Krankheit entstehe, wenn Neuronen nicht mehr in der Lage sind, das abnorme Alpha-Synuclein abzubauen, so die Vermutung der Forscher.

Recyclingprozess der Proteine wird durch Parkinson reduziert
Normalerweise werden die beschädigten Proteine abgebaut und recycelt. Dieser Recyclingprozess reduziert sich allerdings mit dem Alter und durch bestimmten Krankheiten – einschließlich Parkinson, erläutert Professor Sulzer in einer Pressemitteilung des Columbia University Medical Centers.

Weitere Forschung ist nötig
Wenn das abnorme Alpha-Synuclein sich zu akkumulieren beginnt, könnte das Immunsystem das Protein mit Krankheitserregern verwechseln. Dies führt dann zu einem Angriff durch das Immunsystem, erklären die Mediziner. Zusätzliche Forschung soll nun die Immunantwort bei weiteren Patienten untersuchen und die molekularen Schritte identifizieren, welche zu einer Autoimmunantwort in Tier- und Zellmodellen führen.

Immuntherapie könnte Toleranz des Immunsystems für Alpha-Synuclein erhöhen
Die neuen Erkenntnisse eröffnen die Möglichkeit, einen Immuntherapie-Ansatz zu verwenden, um die Toleranz des Immunsystems für Alpha-Synuclein zu erhöhen. Dies könnte dazu beitragen, die Verschlechterung der Symptome bei Parkinson-Patienten zu bremsen, fügt Professor Sette hinzu. (as)