Parodontose-Behandlung gefährlich fürs Herz

Astrid Goldmayer

Parodontose-Behandlung kann gefährlich fürs Herz werden

14.09.2012

Für Patienten mit Herzproblemen können zahnmedizinische Eingriffe zum Risiko werden. Deshalb sollten Herzpatienten vor er Behandlung beim Zahnarzt ihren kardiologischen Untersuchungspass vorlegen. Häufig ist eine sogenannte Endokarditis Prophylaxe mit Antibiotika empfehlenswert, um erwünschte Folgen für Für das Herz auszuschließen.

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Neue Richtlinien für Zahnärzte schützen Patienten nicht vor Herzerkrankung
Die Deutsche Kardiologischen Gesellschaft hat spezielle Richtlinien für Zahnärzte verfasst, damit Herzpatienten bei zahnärztlichen Behandlungen keine gesundheitliche Gefahr droht. Cornelia Piper, Kardiologin und Wissenschaftlerin im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), hat nun erstmals im Rahmen einer Studie untersucht, ob und wieweit die neuen Richtlinien Wirkung zeigen. Das wenig zufriedenstellende Ergebnis für Herzpatienten: „Hochrisiko-Patienten sind vor zahnärztlicher Behandlung nach wie vor gut beraten, wenn sie ihren kardiologischen Untersuchungspass vorlegen. Die neuen Richtlinien der Deutschen Kardiologischen Gesellschaft haben bisher nicht dazu beigetragen, die Achtsamkeit der Zahnmediziner insbesondere gegenüber Vorsorgemöglichkeiten zu einer lebensbedrohlichen entzündlichen Herzerkrankung (Endokarditis) zu erhöhen“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung des HDZ NRW.

Unter einer Endokarditis verstehen Ärzte eine Entzündung der Herzinnenhaut. Diese überzieht die Herzklappen und kleidet die Herzhöhlen sowie die herznahen Arterien und Venen aus. Wenn der Blutstrom im Herz krankheitsbedingt verändert ist, kann es durch Verwirbelungen immer wieder zu kleinen Verletzungen an den gleichen Stellen der Herzinnenhaut kommen. Gelangen Bakterien ins Blut sind diese Stellen besonders anfällig für Entzündungen. Normalerweise ist eine Endokarditis gut mit Antibiotika behandelbar. Erfolgt jedoch keine Therapie, führt die Erkrankung zum Tod des Betroffenen. Besonders gefährdet sind Menschen mit mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern, insbesondere nach einem Ersatz der Herzklappen.

„Eine Parodontose-Behandlung kann für diese Hochrisiko-Patienten hochgefährlich werden“, erklärt Piper. „Sogenannte grampositive Bakterien aus den Zahnfleischtaschen können im Gefolge zahlreicher zahnärztlicher Eingriffe in die Blutbahn gelangen. Die Bakterien setzen sich dann bevorzugt an den Herzklappen fest und vermehren sich. Eine Endokarditis ist die Folge.“ Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie sollen sich Hochrisiko-Patienten vor der zahnärztlichen Behandlung der Endokarditis-Prophylaxe, einer Antibiotika-Therapie, unterziehen. „Eine Stunde vor der Parodontose-Behandlung eingenommen, bewirkt das Antibiotikum, dass sich die Bakterien allenfalls noch in geringen Mengen an den Herzklappen ansiedeln können. Das Risiko einer Entzündung der Herzinnenhaut wird dadurch deutlich gesenkt“, berichtet die Ärztin.

Gefahr fürs Herz wird durch Antibiotika-Therapie reduziert
Bis 2007, vor dem Inkrafttreten der neuen Richtlinien, sei die Antibiotika-Prophylaxe sogar für Patienten mit einem geringeren Risiko verordnet worden. Laut Studienergebnis von Piper waren die Patienten damals besser beraten. „Das Kind wurde sozusagen mit dem Bade ausgeschüttet“, berichtet die Ärztin. Die Zahnärzte würden nun deutlich weniger Antibiotika-Therapien auch bei Hochrisiko-Patienten durchführen.

Piper belegte bereits 2003 mit einer früheren Studie, dass die Richtlinien bezüglich zahnärztlicher Behandlungen in der Praxis Probleme bereiten. „Es hat sich gezeigt, dass der sicherste Weg für unsere Patienten der sogenannte Patientenausweis darstellt, der mit den entsprechenden Leitlinien versehen dem jeweils behandelnden Arzt vorgelegt werden sollte“, berichtet Piper. „Zur Diskussion steht auch die Frage, ob nicht auch für Patienten mit einem sogenannten moderaten Risiko zur Endokarditis eine Antibiotika-Prophylaxe empfehlenswert ist. Hier fehlen aktuell noch belastbare Daten.“ (ag)