Passivrauchen: Giftige Rauchpartikel befinden sich auch in rauchfreien Zonen

Alexander Stindt

Auch eine rauchfreie Umgebung schützt nicht vor Rauchpartikeln

Die schädlichen Rückstände von Zigarettenrauch können auch in Räume gelangen und sich dort ablagern, in denen vorher noch nie geraucht wurde. In einen Versuch wurden in einem rauchfreien Raum fast 30 Prozent der winzigen Partikel in der Luft mit Zigarettenrauch in Verbindung gebracht. Dies führt zu verschiedenen negativen Faktoren für die Gesundheit, welche durch das Passivrauchen ausgelöst werden können.


Die Wissenschaftler der Drexel University in Philadelphia stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Partikel vom Rauch von Zigaretten auch in Räumen zu finden sind, in denen eigentlich noch nie geraucht wurde. Dies erhöht natürlich die Gefahr durch die Auswirkungen von Passivrauchen verschiedene Erkrankungen zu entwickeln. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Science Advances“.

Rauchen schadet nicht nur den Rauchern selbst, sondern durch das Passivrauchen werden auch Personen im Umfeld geschädigt. Partikel von Zigarettenrauch können sogar in Bereiche gelangen, in denen zuvor noch nie ein Mensch geraucht hat. (Bild: Danny/fotolia.com)

Knapp 30 Prozent der Partikel stammten aus Zigarettenrauch

Bei der aktuellen Untersuchung maßen die Experten die winzigen Partikel in der Luft, welche mit Zigarettenrauch in Verbindung stehen. Der Versuch wurde in einem leeren Klassenzimmer durchgeführt, indem zuvor noch nie geraucht wurde. Die Forscher konnten so feststellen, dass etwa 30 Prozent der Partikel in der Luft in diesem Raum mit Zigarettenrauch in Verbindung standen. Die Wissenschaftler hatten nicht erwartet in einer eigentlich rauchfreien Umgebung eine solche Signatur von Tabakrauch zu finden, erklärt Studienautor Professor Peter DeCarlo von der Drexel University.

Negative Auswirkungen wurden in Tierstudien festgestellt

Die Gefahren von Passivrauchen sind allgemein gut dokumentiert. Aber ob die Exposition gegenüber Rauch aus dritter Hand die gleichen Gesundheitsschäden für die Menschen mit sich bringt, ist bisher noch nicht bekannt, bemerkt Professor DeCarlo. Tierstudien hatten jedoch bereits ergeben, dass die Exposition gegenüber Rauch aus dritter Hand negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, fügt der Experte hinzu.

Wie gelangen die Partikel in rauchfreie Räume?

In Nichtraucherbereichen dringen die schädlichen Partikel aus dem Rauch durch Lüftungssysteme und Kleidung ein. Diese Partikel setzen sich dann an Wänden und Möbeln ab. Sie sind nur sehr schwer zu entfernen und können jahrelang schädliche Stoffe emittieren, erklärt Professor DeCarlo.

Ist Passivrauchen schädlich?

In den Labortests verwendeten die Ermittler Zigarettenrauch, um zu bestätigen, dass Tabakrückstände von ihrer Quelle in Bereiche gelangen können, in denen noch niemand zuvor geraucht hat. In der Vergangenheit waren noch viele Menschen skeptisch, ob Passivrauchen überhaupt gefährlich sei. Dann hatten umfangreiche Studien jedoch deutlich gezeigt, dass Passivrauchen schlecht für die Gesundheit ist. Jetzt sind wir mit einer weiteren Gefahr konfrontiert, dem Rauch aus dritter Hand, sagen die Forscher. Für manche Menschen, wie beispielsweise Personen mit Asthma, sei der Rauch aus dritter Hand besonders gefährlich. Nun stellt sich die Frage, ob diese Rauchpartikel auch für die breite Öffentlichkeit gefährlich sind, erläutern die Mediziner.

Belastung auch durch E-Zigaretten?

Insgesamt 29 Prozent der winzigen Partikel in Innenräumen, die Menschen in einem Nichtraucherraum einatmen können, wurden mit den Rückständen von Rauch aus dritter Hand in Verbindung gebracht. Diese Ergebnisse könnten auch für Partikel gelten, die von E-Zigaretten freigesetzt werden, sagt Professor DeCarlo.

Teer haftet überall und setzt giftige Stoffe frei

Die Menschen sollten wissen, dass eigentlich rauchfreie Umgebungen nicht unbedingt frei von Rauchrückständen oder Tabakrauch sind, warnt der Experte. Die Partikel vom Rauch von Zigaretten bleiben leider sehr lange in der Luft. Frühere Forschungen haben bereits gezeigt, dass organische Verbindungen im Zigarettenrauch (Teer) an Wänden, Teppichen, Möbeln, Kleidung, Haut und Haaren haften. Sobald sie sich irgendwo absetzen, können sie dort Monate und sogar Jahre verbleiben und neue, manchmal giftigere Stoffe freisetzen

Umgebung hatte eigentlich eine hohe Luftqualität

Was diese Studie so bemerkenswert macht, ist, dass die Drexel University seit über 20 Jahren rauchfrei ist und die Luftqualität während ihrer Experimente sehr hoch war. Es konnte bei der Studie beobachtet werden, dass selbst sehr kleine Mengen von Zigarettenrauch große Auswirkungen auf die Luftqualität haben.

Wie kann die Raumluft verbessert werden?

Kleine Partikel, welche durch die Luft getragen werden, sind sehr wichtig für die menschliche Gesundheit, weil sie tief in die Lunge eindringen können. Selbst eine geringe Konzentration dieser Partikel in der Luft erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen. Da die Nutzung von Tabakerzeugnissen einen so starken Einfluss auf die Chemie unserer Raumluft hat, ist die Durchsetzung einer strengen Rauchfrei-Politik und die Bereitstellung umfassender Dienstleistungen für Menschen, die aufhören wollen zu Rauchen, sehr wichtig. So kann die Raumluft sauber gehalten werden, was zu einem verbesserten Schutz der öffentlichen Gesundheit führen würde, betonen die Experten. (as)