Peppa Wutz: Ärzte warnen vor einigen Fehlbotschaften in der Kinderserie

Fabian Peters

Schürt Peppa Wutz die unangemessene Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen?

In einem aktuellen Beitrag des Britisch Medical Journal (BMJ) wird auf die Fehlbotschaften hingewiesen, welche mit der Fernsehserie Peppa Wutz verbreitet werden, und vor möglichen Folgen bei der Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen gewarnt. In mehr als 180 Ländern weltweit werde die Serie gesendet und die Auswirkungen auf die Erwartungshaltungen der Gesellschaft seien nicht zu unterschätzen, so der Hinweis im BMJ.

Oft habe sie sich als Hausärztin die Frage gestellt, warum einige Patienten auch bei leichten Beschwerden sofort einen Arzt konsultieren, berichtet die Autorin Catherine Bell. Fernsehserien wie Peppa Wutz könnten ihrer Ansicht nach hier eine Rolle spielen. In der Serie werde ein Bild von Ärzten gezeichnet, dass unerfüllbare Erwartungen schüre und zu eine vermehrten Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen führe, so die These der Medizinerin.

Viele Kinder gucken gerne Peppa Wutz. Allerdings wird in der Kinderserie nach Auffassung von Medizinern ein unangemessenes Bild der ärztlichen Versorgung gezeichnet. (Bild: HERRNDORFF/fotolia.com)

Werden unrealistische Erwartungen geweckt?

Peppa Wutz ist eine beliebte Kinderserie, in der es um das junge Schwein Peppa, ihre Familie, Tierfreunde und Mitglieder der Gemeinschaft geht. Dr. Braunbär ist der Hausarzt, der bei allen medizinischen Problemen hilft. Dieser bietet seinen Patienten einen exzellenten Service mit promptem und direktem Telefonzugang, Kontinuität der Pflege, verlängerten Öffnungszeiten und stetiger Verfügbarkeit für Hausbesuche. Eine Darstellung der allgemeinen Praxis, die nach Auffassung von Catherine Bell zu unrealistischen Erwartungen an die medizinische Versorgung beitragen kann.

Beispiel aus der Kinderserie

Anhand von drei Beispielen aus der Serie beschreibt die Medizinerin die möglichen Auswirkungen, die Dr. Braunbärs Aktionen auf das Patientenverhalten haben könnten. In dem ersten Fall hat ein drei Jahre altes Ferkel einen erythematösen makulopapulösen Gesichtsausschlag und die Eltern rufen den Doktor an. Dieser rät, den Patienten ins Bett zu bringen, und entscheidet sich für einen dringenden Hausbesuch. Bei dem Besuch wird die Zunge des Patienten untersucht und ein „Hautausschlag“ diagnostiziert. Den Eltern versichert der Arzt, dass es „nichts Ernstes“ sei, bietet aber auf Nachfrage eine Dosis Medizin an. Der Ausschlag werde wahrscheinlich so schnell verschwinden, wie er entstanden ist, so das Fazit von Dr. Braunbär.

Unangemessenes Vorgehen von Dr. Braunbär

Die Beschwerden weisen auf einen viralen Hautausschlag hin und schon aus Kostengründen sei in solchen Fällen kein Hausbesuch angebracht, betont Bell. Auch sei dies ein Beispiel für unnötige Medikamenten-Verschreibung bei einer Viruserkrankung und ermutige Patienten, entsprechend unangemessen auf ihren Hausarzt einzuwirken. „Abhängig von der Interpretation des Medikaments verschreibt Dr. Braunbär entweder Antibiotika in einem Zeitalter der steigenden Antibiotikaresistenz oder andere rezeptpflichtige Medikamente, deren Kosten zu Lasten des Gesundheitssystems gehen“, so Bell.

Arztbesuch nach zwei Minuten Erkältung

Im zweiten Beispiel erkältet sich Schorsch (Peppas Bruder) und die Eltern rufen nach zweiminütigem Auftreten der Erkältungssymptome bei dem Monate alten Ferkel Dr. Braunbär an. Obwohl es Samstag geht dieser umgehend ans Telefon und entscheidet sich sofort für einen dringenden Hausbesuch. Nach Untersuchung des Rachens diagnostiziert er eine Infektion der oberen Atemwege und rät zur Bettruhe und der Einnahme von warmer Milch. Die Symptome klingen anschließend innerhalb von zwölf Stunden ab.

Ständige Verfügbarkeit suggeriert

Dem hier dargestellten Verständnis nach, ist der Arzt auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten jederzeit erreichbar und er entscheidet sich erneut für einen klinisch unangemessenen dringenden Hausbesuch, so Bell. Zumindest sei jedoch die Empfehlung in diesem Fall angemessen gewesen und sein Rat könne die Familie dazu ermutigen, in Zukunft ähnliche Krankheiten selbst zu behandeln.

Husten in der Spielgruppe

In dem dritten Fall hustet das dreijährige Pony Pedro dreimal während der Teilnahme an der Spielgruppe und die Kindergärtnerin ruft Dr. Braunbär an, der in der Spielgruppe sofort einen Besuch abstattet – in grünem Auto mit Sirene. Für die Diagnosestellung fragt er, ob es ein kitzelnder Husten oder ein tiefsitzender Husten ist, und erkundigt sich über die Dauer der Symptome. Ohne Benennung der Diagnose verabreicht der Arzt eine Dosis Medizin und warnt, dass der Husten potenziell übertragbar ist. Anschließend entwickeln auch die restlichen Teilnehmer der Spielgruppe und ihre Eltern Symptome und alle erhalten eine Dosis der nicht näher spezifizierten rosafarbenen Medizin. Selbst der Dr. Braunbär erkrankt und muss anschließend seine Medizin einnehmen.

Burnout bei Dr. Braunbär

Im letzten Fall zeigen sich laut Bell offenbar erste Anzeichen von Burnout bei Dr. Braunbär. Er missachtet die Vertraulichkeit, die elterliche Einwilligungspflicht, die Dokumentationspflicht und den eigenen Infektionsschutz. „Er ist nicht mehr in der Lage, das von seinen Patienten erwartete Serviceniveau zu bieten“, so die Autorin.

Fazit

Zwar vermittle Peppa Wutz insgesamt viele positive Botschaften im Bereich der öffentlichen Gesundheit und fördere eine gesunde Ernährung, Bewegung und Verkehrssicherheit. „Doch aus (wiederholter, meist unfreiwilliger) Überprüfung des Materials erwächst die Hypothese, dass die Exposition gegenüber Peppa Wutz und dieser Darstellung der allgemeinen Praxis die Erwartungen der Patienten erhöht und unangemessenen Gebrauch von medizinischen Dienstleistungen fördert“, so das Fazit der Ärztin. (fp)