Pest auf Madagaskar fordert 60 Todesopfer

Fabian Peters

Pest auf Madagaskar fordert 60 Todesopfer und 200 Menschen haben sich infiziert

31.03.2011

Auf Madagaskar wütet die Pest (lateinisch Pestis = Seuche). Nach offiziellen Angaben sind seit Jahresbeginn bereits 60 Menschen in dem südost-afrikanischen Inselstaat an einer Pest-Erkrankung gestorben. Fälle der äußerst ansteckende Infektionskrankheit wurde aus fast allen Regionen Madagaskars gemeldet, berichten die zuständigen Gesundheitsbehörden.

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Hunderte Einwohner Madagaskars leiden unter der Pest. Die Gesundheitsbehörden zeigten sich nicht nur aufgrund der schnellen Ausbreitung der Infektionskrankheit äußerst besorgt, sondern auch, weil einige Erreger-Stämme bereits weitreichende Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben. „Wenn sich diese Stämme weiter verbreiten, dann wird das ernsthafte Probleme für die öffentliche Gesundheit verursachen“, warnte die Pestexpertin Elisabeth Carniel vom Pariser „Institut Pasteur“ in einem Bericht des Fernsehsenders „ZDF“.

Antibiotika resistente Pesterreger?
Die Ausbreitung der Pest ist nach Aussage von Medizinern vor Ort außerdem problematisch, weil die Behandlungsmöglichkeiten nicht auf eine derart rasche Ausbreitung der Seuche ausgelegt sind. „Wir sind sehr besorgt“, betonte Bruno Maes vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars. Die Unwissenheit der Bevölkerung im Umgang mit der gefährlichen Infektionskrankheit stellt nach Aussage des Experten ein weiteres Problem dar. So kämen zum Beispiel die infizierten Menschen „aus Furcht, die Medikamente nicht zahlen zu können“ oftmals viel zu spät zum Arzt. Doch die Präparate sind grundsätzlich kostenlos, erklärte Bruno Maes. Aktuell sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden rund 200 Personen auf Madagaskar mit Pest infiziert, 60 Menschen seien seit Beginn des Jahres bereits an Pest verstorben. Normalerweise lässt sich eine Pest-Erkrankung mit Antibiotika relativ unproblematisch erfolgreich behandeln. Doch bei den auf Madagaskar auftretenden Erreger-Stämmen wurden zum Teil multiple resistente Bakterien nachgewiesen. Der französischen Pestexpertin Elisabeth Carniel zufolge ist der gefährlichste Pesterreger-Stamm bereits gegen acht der Antibiotika, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen werden, immun. Sollten sich diese resistente Pesterreger ausbreiten, drohen Seuchen in längst vergessenem Ausmaß.

Pest auch in Industriestaaten nicht besiegt
Obwohl in Europa die Pest längst der Vergangenheit angehört, ist die Seuche weltweit nicht annähernd besiegt. Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen der Pest, vor allem in Regionen wo Menschen und Ratten auf engem Raum zusammenleben. Denn die Pest wird in erster Linie durch den Biss von Rattenflöhen auf Menschen übertragen. Meist sind ärmere Regionen stärker betroffen, da hier die Ratten im unmittelbaren Umfeld der Menschen leben oder sich – wie aktuell in Madagaskar – während der Regenzeit oder bei regelmäßigen Überschwemmungen in die Dörfer und Städte flüchten. Doch auch moderne Industriestaaten sind vor dem Ausbruch der Pest nicht geschützt. So treten zum Beispiel in den südwestlichen Bundesstaaten der USA immer wieder Pest-Erkrankungen auf, wobei jährlich etwa zehn bis zwanzig Menschen an der hochansteckenden Infektionskrankheit erkranken. Zuletzt wurden außerdem aus China ein Ausbruch der Pest gemeldet. Insgesamt waren bei den Pestausbrüchen der letzten zehn Jahre jedoch meist afrikanische Staaten betroffen.

Gesundheitsversorgung auf Madagaskar Pestausbruch nicht gewachsen
Madagaskar wurde zuletzt im Jahr 2009 von der Pest heimgesucht, als 18 Menschen in Folge eines Ausbruch der Seuche verstarben. Das die Krankheit in dem weltweit zweitgrößten Inselstaat nun erneut ausgebrochen ist, geht nach Einschätzung der Experten auch auf die stetige Aushöhlung der Gesundheitsversorgung in Madagaskar zurück. Im Zuge der Putschversuche und Regierungsumstürze der letzten Jahre habe sich die Situation für die Einwohner drastisch verschlechtert und es bleibt zu bezweifeln, ob die seit Ende März 2009 regierende, demokratisch nicht legitimierte, Übergangsregierung der aktuellen Pest-Ausbreitung aus eigener Kraft Herr werden kann. In dem Inselstaat kommen laut dem „Human Development Report 2009: Madagascar“ auf 100.000 Personen lediglich 29 Ärzte und die Ausgaben der Regierung im Gesundheitswesen liegen bei jährlich unter 30 US-Dollar pro Einwohner. Den Angaben der Vereinten Nationen zufolge (UN) hat weniger als die Hälfte der Einwohner Zugang zu sauberem Trinkwasser und mehr als 70.000 Kinder sterben jährlich vor ihrem fünften Geburtstag an einer vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall, Atemwegsentzündungen oder Malaria.

Droht die Rückkehr der Pest?
Dass in Madagaskar offenbar Antibiotika resistente Pesterreger im Umlauf sind, ist nach Aussage der Experten eine kaum zu unterschätzende Bedrohung der öffentlichen Gesundheit. Um sich vor Augen zu führen welch verheerende Ausmaße die Seuche annehmen kann, wenn keine Behandlung mit Antibiotika möglich ist, sei an das Europa des Mittelalters erinnert. Hier raffte die Pest in ihrer Hochphase fast die Hälfte der Bevölkerung hin und prägte die Gesellschaft wie keine andere Krankheit. Zwar ist aufgrund der verbesserten Hygiene-Situation heutzutage ein vergleichbar katastrophaler Seuchenverlauf trotz möglicherweise resistenter Erreger eher unwahrscheinlich, doch auf Madagaskar leben insbesondere in der aktuellen Regenzeit Ratten und Menschen auf engstem Raum zusammen, so dass die Übertragung der Pesterreger durch die Rattenflöhe begünstigt wird. Versagen nun auch noch die gängigen Antibiotika, droht eine dramatische Ausbreitung der Pest. (fp)