Pferdeseuche: Virus-Verdacht bei 2000 Pferden

Fabian Peters

Untersuchung auf Virus-Erkrankung bei 2000 Pferden

23.09.2012

Mehr als 2.000 Pferde werden aufgrund einer möglichen Infektion mit der „Ansteckenden Blutarmut“ (Infektiöse Anämie bei Einhufern) in den kommenden Wochen untersucht. Anlass für die Blutuntersuchungen ist der Kontakt mit einem infizierten Blutspende-Pferd zwischen September 2009 und Juni 212 in einer Tierklinik bei Bonn. Der Großteil der betroffenen Pferde stamme aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, berichtet das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.

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Die für Pferde lebensgefährliche Virus-Erkrankung wurde bei dem Blutspende-Pferd der Tierklinik in Wachtberg bei Bonn bereits im August festgestellt. Anschließend folgte eine Kontrolluntersuchung bei 600 Pferden, die in unmittelbarem Kontakt mit dem infizierten Pferd standen. Dabei wurden keine weiteren Erkrankungen mit der „Infektiösen Anämie bei Einhufern“ festgestellt. Nun haben sich die zuständigen Behörden dazu entschlossen, auch die 2.039 Pferde zu überprüfen, die in den Jahren 2009 bis 2012 möglicherweise Kontakt mit dem Blutspende-Pferd hatten, so die Mitteilung des Landesumweltamtes Nordrhein-Westfalen.

Mehr als 2.000 Pferde in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz werden untersucht
Betroffen von einer möglichen Infektion mit der „Ansteckenden Blutarmut“ durch das Klinikpferd sind laut Angaben des Landesumweltamtes in erster Linie Pferde aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Einige möglicherweise infizierte Tiere leben jedoch auch in anderen Bundesländern, weiteren EU- Mitgliedstaaten wie Belgien und den Niederlanden oder auch Drittländern wie der Schweiz, Russland, USA, Saudi Arabien oder Quatar. In Deutschland haben die „örtlich „zuständigen Veterinärämter in den Kreisen und kreisfreien Städten Listen der betroffenen Pferdebesitzer erhalten“, berichtet das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen. In den kommenden Wochen sollen die Pferdebesitzer kontaktiert werden, „um die Blutprobe beim Pferd zu nehmen“, so die Mitteilung der Behörde. Die „Pferdebesitzer werden um Unterstützung und Verständnis für die Untersuchung gebeten – nur so kann der gesamte Pferde-Bestand geschützt werden“, erklärte das Landesumweltamt in Recklinghausen am Freitag. Der Aufwand sei wichtig, um einerseits die Infektionsquelle für das Klinikpferd zu ermitteln und andererseits „auszuschließen, dass sich ein Pferd in der Klinik infiziert hat“, so die offizielle Mitteilung.

Ansteckende Blutarmut bleibt oft über Jahre unerkannt
Zwar führt die Infektiöse Anämie bei Pferden nicht selten zum Tod, doch bricht die Erkrankung mitunter erst Jahre nach der eigentlichen Infektion aus. Im Anfangsstadium verläuft die ansteckende Blutarmut in der Regel „zunächst schleichend ohne äußerlich sichtbare Zeichen“, weshalb Pferde über mehrere Jahre hinweg Träger der Infektion sein können, ohne dass dies bemerkt wird. Sobald das Tier unter besonderer Belastungen wie beispielsweise anderen Krankheiten, Umstallung oder Besitzerwechsel steht, setzt eine Virusvermehrung ein und erste Anzeichen wie Müdigkeit, Apathie, Appetitlosigkeit und beginnende Anämie werden bei den Tieren bemerkbar. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium sind starkes Fieber, eine deutliche Anämie sowie Wasseransammlungen am Bauch und in den Beinen der Pferde typische Anzeichen der „Ansteckenden Blutarmut“. Übertragen wird die Erkrankung meist über das Blut, wobei Pferdebremsen und andere blutsaugende Insekten als Hauptüberträger gelten. Für Menschen sind die Erreger nicht gefährlich. (fp)