Pflege Angehöriger führt oft zu Depressionen

Fabian Peters
Erhebliche psychische Belastungen bei der Pflege von Familienangehörigen
Die Pflege hilfsbedürftiger Angehöriger ist oftmals mit massiven psychischen Belastungen verbunden, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der privaten Pflegeberatung „Compass“. Auch körperlich sehen sich die Pflegenden mitunter an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Hinzu kommen zudem vermehrte Schwierigkeiten im sozialen Umfeld. Insbesondere die Pflege demenzkranker Angehöriger ist den Umfrageergebnissen zufolge für die Pflegenden eine erhebliche Herausforderung.

Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 1.003 Personen befragt, „die aktuell einen pflegebedürftigen Menschen in ihrem privaten Umfeld pflegen bzw. in der Vergangenheit gepflegt haben“, berichtet die Pflegeberatung „Compass“. Rund ein Drittel der Befragten habe angegeben, dass für die pflegebedürftige Person eine ärztliche Demenz-Diagnose vorliege. Die Mehrheit der Fälle beziehe sich auf die Pflege eines eigenen Elternteils (46 Prozent) oder des Elternteils der Partner (15 Prozent).

Die Pflege von Familienangehrigen ist oftmals mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)
Die Pflege von Familienangehrigen ist oftmals mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Hohe emotionale Belastungen
„Insgesamt fühlen sich 20 Prozent der Befragten häufig mit der Pflege überfordert“, berichtet „Compass“. Zwei Drittel der Pflegenden (65 Prozent) hätten sich häufig oder manchmal mit der Pflege überfordert gesehen. Bezieht sich die Pflege auf eine Person mit Demenz-Diagnose, seien die Helfer besonders häufig überfordert. 32 Prozent der Befragten seien durch die Pflege bereits selbst in eine depressive Phase gerutscht. Ein Großteil der Befragten (73 Prozent) habe angegeben, die Pflege als emotional/psychisch „sehr“ beziehungsweise „eher“ belastend zu empfinden. Dabei würden Frauen aufgrund der Pflege eine deutlich höhere emotionale/psychische Belastung empfinden als Männer.

Auch körperliche und soziale Belastungen feststellbar
Auf die Frage nach den Beweggründen für die Übernahme der Pflege erklärten 63 Prozent der Befragten, dass ihnen dies ein Bedürfnis und Anliegen gewesen sei. „Gleichzeitig fühlen sich jedoch auch 60 Prozent der Befragten der pflegebedürftigen Person gegenüber verpflichtet“, so die Mitteilung von „Compass“. Finanzielle Gründe hätte indes bei den wenigsten Pflegenden (9 Prozent) eine Rolle gespielt. Neben den psychischen Belastungen seien oftmals auch körperliche und soziale Belastungen mit der Pflege verbunden. So gaben „50 Prozent der Befragten an, dass sie die Pflege als körperlich sehr bzw. eher belastend empfinden“, berichtet die Pflegeberatung. 52 Prozent der Befragten hätten zudem die Pflege als sozial sehr beziehungsweise eher belastend empfunden.

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Unzureichende Information über Entlastungsangebote
Hinzu kommt, dass sich 20 Prozent der Befragten „schlecht“und 30 Prozent „weniger gut“ über vorhandene Entlastungsangebote informiert fühlen. Lediglich 12 Prozent der Befragten haben angegeben, sie seien „sehr gut über die vorhandenen Entlastungsangebote informiert“, berichtet „Compass“. In diesem Zusammenhang erklärte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), gegenüber der „Passauer Neuen Presse“, dass die bestmögliche Unterstützung und Entlastung der pflegenden Angehörige gewährleistet sein müsse. Diesem Anspruch werde auch mit der geplanten Verabschiedung des zweiten Pflegestärkungsgesetzes kommende Woche Rechnung getragen. (fp)