Pflegeversicherung: Pflege-Bahr oft nicht sinnvoll

Nina Reese

Stiftung Warentest zeigt: Pflege-Bahr nur im Einzelfall sinnvoll

16.04.2013

Die staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung, der so genannte „Pflege-Bahr“, ist in den meisten Fällen nicht ausreichend, um den Bedarf im Pflegefall zu decken – zu diesem Ergebnis ist nun die Stiftung Warentest gekommen.

Fünf Euro Zuschuss vom Staat seit Januar 2013
Im Prinzip kann es jeden treffen, denn laut dem Chefredakteur der "Finanztest", Hermann-Josef Tenhagen, werden rund 50 Prozent aller Versicherten zum Lebensende hin pflegebedürftig. Und das kann sehr teuer werden – daher bezuschusst der Staat seit Januar 2013 Pflegetagegeldversicherungen mit fünf Euro monatlich, vorausgesetzt, der Versicherte leistet mindestens zehn Euro Monatsbeitrag selbst und die Versicherung genügt den staatlichen Vorgaben. Doch wie sinnvoll ist der „Pflege-Bahr“ tatsächlich? Sollten Verbraucher in Hinblick auf die hohen Kosten für Pflege idealerweise einen solchen geförderten Vertrag abschließen? Diese Frage stellte sich auch die Stiftung Warentest und untersuchte für die aktuelle Mai-Ausgabe ihres Verbrauchermagazins „Finanztest“ 17 geförderte Tarife und 23 Tarife ohne Förderung.

Subventionierte Tarife nicht ausreichend
Die Tester kamen dabei einem klaren Ergebnis: Die neuen subventionierten Tarife sind schlichtweg nicht ausreichend, „um die finanzielle Lücke im Pflegefall zu schließen. Die nicht geförderten Tarife dagegen lohnen mehr“, so die Pressemitteilung der Stiftung. Denn Pflege kann schnell sehr teuer werden: „Über 3.000 Euro im Monat kostet professionelle Pflege oft, wenn man sehr pflegebedürftig ist“, erklärt Chefredakteur Tenhagen.

Gesetzliche Versicherung übernimmt nur Hälfte der Pflege-Kosten
Etwa die Hälfte der Kosten einer intensiven Pflege im Heim oder zu Hause würde dabei die gesetzliche Versicherung übernehmen – was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass die Versicherten circa 1500 bis 1800 Euro monatlich selbst aufbringen müssten, „insgesamt bis zum Lebensende oft einige zehntausend Euro“, so Tenhagen weiter. Doch hier würden dem Test nach auch die 17 Angebote neuer geförderter Tarife nur bedingt Abhilfe schaffen, denn diese „bieten in vielen Fällen eine maximale Leistung von oft 600 bis 700 Euro im Monat, und davon muss der Beitrag für die Pflegeversicherung selbst auch noch weiter beglichen werden“, erklärt der Experte.

Ungeförderte Versicherung bringen mehr Vorteile
In Hinblick auf die maximale Leistung von 600 bis 700 Euro im Monat sind die zu leistenden Aufbringungen nicht zu unterschätzen, wie die Stiftung weiter aufzeigt: Denn für 600 bis 700€ müsse ein 45-jährige Kunde monatlich zwischen 10 und 16 Euro einzahlen, bei einem 10 Jahre älteren Versicherten würden sogar 14 Euro und 26 Euro fällig. Dementsprechend lohne sich der Pflege-Bahr aus Sicht der Stiftung Warentest nur in wenigen Fällen, beispielsweise „wenn jemand wegen seines hohen Alters oder einer Erkrankung keine ungeförderte Versicherung mehr bekommt oder wenn jemand jung ist und ein erhöhtes Krankheitsrisiko hat“, so die Pressemitteilung der Stiftung – hier könne das geförderte Produkt eine sinnvolle Alternative sein, da Versicherer bei Pflege-Bahr-Tarifen im Vergleich zu ungeförderten Verträgen keine Kunden ablehnen dürften.

Große Qualitätsunterschiede bei ungeförderten Verträgen
Generell geht daher die Empfehlung der Stiftung Warentest in Richtung ungeförderter Verträge: „Wer es sich leisten kann, für den Pflegefall vorzusorgen, sollte deshalb eine Pflegetagegeldversicherung ohne staatliche Zulage abschließen“, so der Expertenrat. Allerdings sollte genau geschaut werden, denn schon bei den getesteten Angeboten hätten sich große Unterschiede gezeigt, die Bewertungen reichen von „Sehr gut“ bis „Ausreichend“. Für die „sehr guten“ und „guten“ Tarife müssten dabei Kosten von rund 55 Euro im Monat für 45-jährige Neukunden und 85 Euro für 55-jährige einkalkuliert werden, die dann jedoch das finanzielle Pflegerisiko in allen Pflegestufen absichern würden, so die Stiftung weiter.

„Pflege-Bahr“ kann Absicherungsproblem der meisten Verbraucher nicht lösen Zusammenfassend hätte die Untersuchung nach Hermann-Josef Tenhagen also gezeigt, dass der „Pflege-Bahr“ das Absicherungsproblem der meisten Verbraucher nicht lösen könne. Daher empfiehlt Tenhagen Personen, die noch gesund sind und über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, „einen „guten“ oder „sehr guten“ Pflegetagegeldtarif ohne Förderung“ abzuschließen oder alternativ im Alter das eigene Vermögen teilweise bzw. ganz für die Bezahlung der Pflegekosten einzusetzen. Wer nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügt, so erklärt Tenhagen weiter, „für den wird weiterhin das Sozialamt zahlen müssen – und anschließend, sofern es welche gibt, die eigenen Kinder mit ordentlichem Einkommen heranziehen.“ (nr)

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