Phobie: Was bei Angst vor Spinnen wirklich hilft

Heilpraxisnet

Was gegen Spinnenphobie hilft

28.12.2014

Angststörungen, bei denen sich Menschen vor bestimmten Tieren fürchten, sind weit verbreitet. Hierzulande gehört die Angst vor Spinnen zu den häufigsten Phobien. Mit den richtigen Methoden können Betroffene ihre Spinnenphobie jedoch oft unter Kontrolle bekommen.

Weit verbreitete Angst vor Spinnen
Viele Menschen haben Angst vor Umständen wie schwindelerregenden Höhen oder dem Fliegen. Auch Angststörungen, bei denen sich Betroffene vor bestimmten Tieren fürchten, sind weit verbreitet. Die Angst vor Spinnen gehört hierzulande zu den häufigsten Phobien. Betroffene müssen manchmal nicht einmal auf ein lebendes Exemplar mit haarigen Beinen und dickem Körper treffen, sondern schon das Betrachten von Fotos kann ausreichen, um körperliche Symptome wie zitternde Hände und Beine, einen trockenen Mund, Schweißausbrüche oder Ekelgefühle, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen können, auszulösen. Manche Spinnenphobiker klagen zudem oft über einen Kloß im Hals, Schwindeloder auch Herzrasen, wenn sie auf die Tierchen treffen.

Angst vor „dem Bewegungsmuster der Tiere“
Wie Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN) und Fachärztin für Psychotherapie aus Andernach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärte, sind Phobien vor Tieren, die der menschlichen Silhouette am wenigsten ähneln, am häufigsten. Doch auch wenn dies bei Spinnen der Fall ist, kann sich Holger Kirk die extremen Reaktionen nicht erklären. Der Hamburger, der Seminare gibt, in denen Menschen ihre Spinnenphobie überwinden, sagte der Agentur: „Fest steht, dass Phobiker keineswegs Angst vor einem Spinnenbiss haben, sondern vor dem Bewegungsmuster der Tiere“. Dabei sind die Ursachen für eine Phobie vielfältig. „Grundsätzlich ist Angst eine entwicklungsgeschichtlich wichtige Emotion, die davor schützt, Gefahren einzugehen“, so Roth-Sackenheim. Bei Phobien handele es sich um eine „Fehlregulation des gesunden Angstempfindens“.

Erfahrungen in Selbsthilfegruppen austauschen
Grundsätzlich bezeichnet man jede Form einer gerichteten Angst als Phobie. „Pathologisch ist es dann, wenn es die Lebensqualität einschränkt“, erklärte Roth-Sackenheim. Kirk ergänzte, dass eine Tierphobie mehr ist, als nur eine Abneigung. Die Angst vor der Angst ist ein weiteres Kennzeichen. So meiden Menschen, die eine Phobie haben, Situationen, in denen diese ausgelöst werden kann. Durch die Vermeidung werde die Phobie jedoch nur stärker. Betroffene haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Angst in den Griff zu bekommen. Für viele sind Selbsthilfegruppen hilfreich, um Erfahrungen auszutauschen. Ist die Angst extrem und geht mit Problemen wie massivem Herzrasen, Schweißausbrüchen oder stundenlanger Unruhe einher, sollte man eine Verhaltenstherapie machen, wie Roth-Sackenheim empfiehlt: „Hier lernt man, die Angst abzubauen.“

Verschiedene Therapiemöglichkeiten
Oft geht es bei Behandlungen um Konfrontation. „Das Rezept ist einfach: Begib dich, angeleitet durch einen Helfer, in die angstauslösende Situation, verharre so lange darin, bis du keine Angst mehr hast“, erklärte Kirk. „Und danach bist du frei.“ Allerdings sei die Dauer, für die man sich der Situation aussetzt, entscheidend. „Phobiker erwarten nicht, dass ihre Angst abnimmt“, so Kirk. Naturgemäß passiere dies aber, da der Körper nicht über viele Stunden hinweg auf hohem Angstniveau bleiben könne. „Irgendwann werden wir ruhiger.“ Kirk betonte jedoch gleichzeitig, dass diese Behandlungen mit großer Sensibilität erfolgen müssen. „Eine Schocktherapie ist abzulehnen.“ In seinen Seminaren bestimmen die Teilnehmer, wie schnell sie in der Konfrontation vorangehen. Er sagte: „Gerade für die Spinnenphobie gilt: Sie ist zunächst schrecklich, aber sie lässt sich meist in einem zwei- bis vierstündigen Seminar überwinden.“ Wenn die Ängste so stark ausgeprägt sind, dass es Betroffene nicht mehr aus dem Haus schaffen, können Medikamente helfen. „Sie versetzen denjenigen überhaupt erst in die Lage, einen Therapeuten aufsuchen zu können“, so Roth-Sackenheim. Neben psychotherapeutischen Verfahren haben sich bei der Behandlung von Phobien zudem tiefenpsychologische Verfahren, Verhaltenstherapien oder Therapien mit Hypnose bewährt. (ad)

Bild: Gerhard Eichstetter / pixelio.de