Pille danach: Immer mehr Frauen nutzen die Notverhütung seit der Rezeptfreiheit

Sebastian
Nachfrage nach Pille danach deutlich erhöht
Seitdem im März die Rezeptpflicht für die „Pille danach“ aufgehoben wurde, ist die Nachfrage nach solchen Präparaten deutlich in die Höhe geschossen. Deutsche Apotheker melden ein Absatzplus von bis zu 60 Prozent. Die Rezeptfreiheit war lange umstritten.

Absatz um fast 60 Prozent gestiegen
Nachdem Mitte März die Rezeptpflicht aufgehoben wurde, hat es einen regelrechten Ansturm auf die Pille danach gegeben. „Die Absatzzahlen dieser Produkte haben sich deutlich erhöht. Es hat eine Spitze gegeben. Jetzt ist es auf höherem Niveau stabil“, sagte der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Friedemann Schmidt, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Seit der Freigabe können Frauen das Notfall-Verhütungsmittel nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Rezept und Beratung durch einen Arzt sofort in der Apotheke kaufen. Laut Angaben der ABDA stieg der Absatz der Präparate von Februar bis Mai um 58 Prozent. Während es im Februar noch gut 38.000 Packungen waren, sind im Mai rund 60.000 Schachteln abgegeben worden. Im Juni wurden rund 59.000 Packungen verkauft.

Die Pille danach: Immer mehr Frauen nutzen die Notverhütung. Bild: DingDong - fotolia
Die Pille danach: Immer mehr Frauen nutzen die Notverhütung. Bild: DingDong – fotolia

Freigabe der Pille danach war lange umstritten
Wie Schmidt sagte, hat die Absicht des Gesetzgebers, die Pille danach als sicheres Verhütungsmittel im Notfall Frauen besser zugänglich zu machen, „wie vorauszusehen war, zu einer stärkeren Nachfrage geführt.“ Zudem erläuterte er: „Es sind keinerlei, wirklich keinerlei Sicherheitsprobleme aufgetaucht.“ Dies gelte auch für jüngere Frauen und Mädchen. Seiner Aussage nach habe sich bestätigt, dass es sich um „sehr sichere Arzneimittel“ handele. Bevor die Rezeptfreiheit beschlossen wurde, hatten Gesundheitsexperten vor potentiellen Risiken durch die Freigabe der Pille danach gewarnt. So hatten etwa Frauenärzte darauf hingewiesen, dass die nötige ausführliche Beratung, die den Apothekern auferlegt ist, im Kundengespräch nicht zu leisten sei. Die Präparate greifen Medizinern zufolge massiv in den Hormonhaushalt der Einnehmerinnen ein. Des Weiteren wurde über verschiedene Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Unterbauchschmerzen, Blutungen, Übelkeit und Erbrechen berichtet. Das Arzneimittel ähnelt zwar der konventionellen „Anti-Baby-Pille“, allerdings seien die Konzentrationen der Wirkstoffe um ein Vielfaches höher dosiert.

Bundesgesundheitsminister vollzog Kurswechsel
Wie die dpa schreibt, wurden vor der Freigabe etwa 20 Prozent der Präparate mit Rezepten über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausgegeben und 80 Prozent mit Rezepten, die entweder über die private PKV oder auf eigene Kosten abgerechnet wurden. Seit der Freigabe gehen 81 Prozent der Frauen in die Apotheke und bezahlen die Pille selbst, sechs Prozent rechnen sie über ein GKV-Rezept ab und 13 Prozent über Privatrezepte. Schmidt meinte: „Wir glauben, dass wir immer der Verantwortung gerecht geworden sind, die mit der Rezeptfreiheit der Pille danach auf die Apotheker übergegangen ist.“ Bei der Erarbeitung der Beratungsrichtlinien durch die Apotheker seien stets auch die Gynäkologen mit einbezogen worden. „Wir lassen uns nicht vorwerfen, dass wir hier irgendetwas im Handstreich übernommen hätten.“ Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte Ende vergangenen Jahres nach langem Widerstand einen Kurswechsel in dieser Frage vollzogen, nachdem der EU-Arzneimittelausschuss die Rezeptfreiheit für die Pille danach empfohlen hatte. (ad)