Pille verändert die Partnerwahl und Beziehung

Fabian Peters

Die Partnerwahl und Beziehungsqualität wird durch die Pille signifikant beeinflusst

12.10.2011

Die hormonell wirkende Pille hat wesentlichen Einfluss auf die weibliche Partnerwahl. Zu diesem Ergebnis kommen britische Forscher der University of Stirling in einer umfassenden Untersuchung zu der Partnerwahl und den Beziehungen von Frauen, die mit der Pille verhüten.

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Bereits im Vorfeld der aktuellen Studie waren zahlreiche Forscher davon überzeugt, dass die Einnahme der Pille wesentlichen Einfluss auf die Partnerwahl und die Qualität der Beziehungen hat. So tendieren Frauen, die die Pille nehmen, durch den simulierten Schwangerschaftszustand, der von den eingenommenen Hormone ausgelöst wird und zur Verhütung dient, bei der Wahl ihrer Partner zu Männern, die sie sich gut als Väter vorstellen können. Dies sind in der Regel jedoch nicht die besonders dominanten und sexuell aktiven Männer, sondern eher die klassischen Vaterfiguren, berichten die Forscher der Universität Stirling.

Im Rahmen ihrer Untersuchung analysierten die Wissenschaftler nicht nur die Partnerwahl, sondern auch die Qualität der Beziehung inklusive sexueller Aktivität von insgesamt rund 2.519 Frauen mit mindestens einem Kind. Die Forscher befragten die 1.005 Teilnehmerinnen, die die Pille eingenommen haben und die 1.514, die ohne eine derartige Verhütung auskamen, um herauszufinden, welchen Einfluss das Verhütungsmittel tatsächlich auf die Partnerschaft hat. Das verblüffende Resultat: Die Pillennehmerinnen waren in ihrer Partnerschaft zwar sexuell weniger aktiv, fühlten sich jedoch geborgener und führten im Durchschnitt deutlich längere Beziehungen. Die Partnerschaften mit den Vätern ihrer Kinder hielten im Schnitt 24 Monate länger, als bei den Studienteilnehmerinnen, die nicht hormonell verhüteten (84 Monate versus 60 Monate).

Obwohl in der Fachwelt bereits seit längerem die Vermutung vorherrscht, dass die Einnahme der Pille wesentlichen Einfluss auf die Partnerwahl und die Qualität der Beziehung hat, ist der Ansatz der britischen Forscher, dies anhand von Befragungen zur Qualität der Partnerschaft zu überprüfen, neu. Dass Frauen, die mit der Pille verhüten längere Beziehungen aber dafür schlechteren Sex haben, entspricht hingegen den grundsätzlichen Erwartungen. Denn über die Einnahme der Hormone suggerieren die Betroffenen ihrem Körper eine bestehende Schwangerschaft, um den Eisprung zu verhindern. Vereinfacht dargestellt, sinkt daher das Interesse an Sex und dafür wächst das Bedürfnis nach einem verlässlichen Partner und gutem Vater. Die klassischen Vaterfiguren werden daher eher als Partner gewählt, als die sexuell hoch aktiven, dominanteren Männer. Denn letztere seien in der Regel keine zuverlässigen, vertrauenswürdigen potenziellen Papas, berichten die britischen Wissenschaftler. So geht mit der Einnahme der Pille langfristig ein deutlich verändertes Verhalten bei der Partnerwahl sowie eine andere Beziehungsqualität einher.

Die aktuellen Forschungsergebnisse stimmen mit den Berichten zahlreicher Frauen überein, die sich nach der Einnahme der Pille über eine zurückgehende Libido beklagen und während ihrer Partnerschaft entsprechend wenig Bedürfnis nach sexueller Aktivität haben. Allerdings war bisher nicht bekannt, dass die betroffenen Frauen sich bei der Partnerwahl auch sexuell entsprechend weniger aktive Männer aussuchen. (fp)

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