PKV erhöht ihre Beiträge ab 2011

Fabian Peters

Drohender Beitrags-Schock für Millionen privat Versicherter in Deutschland: Deutliche höhere Beiträge bei den PKV im Jahr 2011

29.12.2010

Trotz massiver Zugeständnisse im Zuge der aktuellen Beschlüsse zur Gesundheitsreform, erheben die privaten Krankenversicherungen (PKV) im Jahr 2011 durchschnittlich sieben Prozent höhere Beiträge. Damit werden, „vor allem (…) Beamte und Pensionäre, die ohne großes Einkommen in der PKV versichert sind“, erheblich mehr Schwierigkeiten haben, ihre Beitragszahlungen zu leisten, erklärte Johannes Singhammer, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“

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Die Analysefirma Morgen & Morgen hat die voraussichtlichen Beitragssteigerungen bei den privaten und den gesetzlichen Krankenversicherungen für das Jahr 2011 berechnet. Als Grundlage diente hierfür die Entwicklung der Beiträge bei Neuabschluss eines Vertrages. Das Ergebnis:Privat-Patienten müssen 2011 im Schnitt sieben Prozent höhere Beiträge zahlen und auch bei den gesetzlich Versicherten werden rund vier Prozent höhere Zahlungen fällig, so die Berichterstattung der Zeitung „Die Welt“

PKV steigern Beiträge durchschnittlich um sieben Prozent
Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hatte im Zuge der Gesundheitsreform etliche Maßnahmen ergriffen, um die Kosten der PKV zu reduzieren und ihre Wettbewerbsposition zu stärken. So können die PKV künftig die bisher den gesetzlichen Versicherungen vorbehaltenen Arzneimittelrabatte übernehmen, der Wechsel von der GKV in Richtung PKV wurde erheblich erleichtert und die Zusatzversicherungen bei den GKV verboten, so dass fortan ausschließlich die PKV Zusatzversicherungen anbieten können. Doch die PKV kriegen ihre Kostensteigerungen offenbar dennoch nicht in den Griff, so dass zahlreiche private Versicherer im kommenden Jahr ihre Beiträge erheblich anheben – oft um mehr als 10 Prozent, bei einzelnen Tarifen sogar bis zu 34 Prozent wie aus den Berechnungen von Morgen & Morgen hervorgeht. So droht mit den Briefen der PKV, die zum Jahresende ihre Mitglieder über die Beiträge für das kommende Jahr informieren, vielen der rund neun Millionen privat Versicherten ein regelrechter Beitrags-Schock.

Auch gesetzliche Versicherte zahlen höhere Beiträge
Die etwa 50 Millionen gesetzlich Versicherten müssen zwar ebenfalls höher Beiträge in Kauf nehmen und zudem vermehrt Zusatzbeiträge leisten, doch im Verhältnis zur PKV sind die voraussichtlichen Beitragserhöhung hier relativ gering. So bezeichnete auch der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Maximilian Gaßner, die Finanzentwicklung der gesetzlichen Kassen im Jahr 2011 als „relativ stabil“. Zwar werden die 13 bundesweiten Krankenkassen, die von ihren Versicherten bereits einen Zusatzbeitrag verlangen, diesen voraussichtlich auch im Jahr erheben und „es werden auch noch vereinzelt welche dazukommen“ wie Gaßner gegenüber der Nachrichtenagentur dpa betonte, insgesamt seien die Beitragssteigerungen bei den gesetzlichen Versicherungen jedoch recht übersichtlich.

Das einzelne GKV dennoch Zusatzbeiträge erheben müssen, ist dadurch zu begründen, dass die Ausgaben der Kassen mit den 178,9 Milliarden Euro Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds 2011 nur im Durchschnitt gedeckt sind, erklärte Gaßner. „Einzelne Kassen können“, laut dem BVA-Präsident, „mit ihren Ausgaben darüber liegen“ und müssen daher Zusatzbeiträge zur Deckung ihrer Kosten erheben. Für die rund 50 Millionen gesetzlich Versicherten steigt der allgemeine Beitragssatz im kommenden Jahr von 14,9 auf 15,5 Prozent, wodurch die GKV nach den Berechnungen der Experten rund sechs Milliarden Euro mehr einnehmen. Das drohende Defizit von rund neun Milliarden Euro konnte jedoch nur durch zusätzliche Maßnahmen der Gesundheitsreform wie höhere Steuerzuschüsse und Einsparungen bei den Arzneimitteln, Ärzten und Kliniken vermieden werden. Um die finanzielle Belastungen der gesetzlichen Versicherten durch die mögliche Erhebung der Zusatzbeiträge zu begrenzen, werden künftig zudem Ausgleichszahlungen aus Steuermitteln fließen, wenn die Zusatzbeiträge zwei Prozent des Einkommens der Versicherten überschreitet.

PKV kriegen ihre Kosten nicht in den Griff
Als Grund für die erheblich höheren Beitragssteigerungen bei den PKV nennen die Experten die deutlich stärker gestiegenen Kosten. Anders als die gesetzlichen Versicherer erhalten die PKV keine Steuerzuschüsse und können ihren rund neun Millionen Kunden, die eine Krankenvollversicherung besitzen, von sich aus keine der vertraglich vereinbarten Leistungen kürzen. Allerdings haben die privaten Versicherer erheblich mehr Spielraum als die gesetzlichen Krankenkassen was die Anpassung der Beiträge und die Auswahl ihrer Kunden anbelangt. So müsste es ihnen eigentlich möglich sein „ihre Einnahmen und Ausgaben selbst in den Griff zu bekommen“, betonte auch Johannes Singhammer und ergänzte: „Deshalb ist es ja eine private Krankenversicherung.“ Während die einzelnen privaten Krankenversicherungen vor möglichen existentiellen Problemen warnen, befinden sich die gesetzlichen Versicherungen bereits in einer Art beschleunigtem Konzentrationsprozess des Marktes.

Die Zahl der gesetzlichen Krankenversicherungen ist dabei auf ein neues Rekordtief gesunken und die Tendenz ist weiterhin abnehmend. „Wir werden Anfang 2011 noch circa 150 Kassen haben“, wobei es zum Start des Gesundheitsfonds 2009 noch rund 200 waren, erklärte der BVA-Präsident. So decken bereits heute 32 Kassen rund 90 Prozent des Marktes ab „und es stehen noch weitere Fusionen an. Ende 2011 werden wir unter 150 Kassen kommen“, prophezeite Gaßner. Welche Folgen dies für die Versicherten mit sich bringen wird, bleibt abzuwarten. (fp)