PKV-Studien: Gesundheitsversorgung in Deutschland europaweit am besten

Alfred Domke
Deutschland hat laut PKV die beste Gesundheitsversorgung Europas
Lange Wartezeiten auf einen Facharzttermin, überfüllte Krankenhäuser, abgelehnte Therapien: Viele Bundesbürger äußern sich oft sehr negativ über das deutsche Gesundheitssystem. Eine neue Studie des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Gesundheitsversorgung hierzulande die beste in Europa ist.

Gesundheitssystem besser als sein Ruf
Das deutsche Gesundheitssystem hat nicht unbedingt den besten Ruf. So zeigte etwa eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK), dass fast jeder vierte Patient vermutet, in einer Arztpraxis falsch behandelt worden zu sein. Bemängelt werden oft auch die langen Wartezeiten auf einen Facharzttermin. Doch trotz aller Kritik ist die deutsche Gesundheitsversorgung laut einer aktuellen Studie die beste in Europa.

Viele Bundesbürger schimpfen über lange Wartezeiten beim Arzt und andere vermeintliche Missstände im deutschen Gesundheitssystem. Doch die Gesundheitsversorgung in Deutschland ist laut einer neuen Studie die beste in Europa. (Bild: RioPatuca Images/fotolia.com)

Deutsche Gesundheitsversorgung ist europäische Spitze
Nach einer neuen Studie des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) steht die Gesundheitsversorgung in Deutschland an der Spitze in Europa.

Die Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) zeigt demnach, dass hierzulande alle Bürger im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen sehr guten Zugang zu medizinischen Leistungen haben.

Laut einer Mitteilung des Instituts erhalten 76 Prozent der deutschen Patienten am selben oder nächsten Tag einen Arzttermin. „Mit diesem Ergebnis liegt Deutschland auf Platz eins aller befragten Länder“, heißt es vom WIP.

Den Angaben zufolge liegen diese Quoten in häufig mit Deutschland verglichenen Staaten darunter. In den Niederlanden beispielsweise bei 63 Prozent, in Schweden bei 58 Prozent und in Frankreich bei 57 Prozent.

Keine langen Wartezeiten auf Facharzttermin
Auf einen Termin beim Facharzt müssten hierzulande nur drei Prozent der Befragten zwei Monate oder länger warten. In den Niederlanden seien es laut der Studie sieben Prozent, in der Schweiz neun Prozent und in Norwegen 28 Prozent.

„Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass internationale Vergleichsstudien, administrative Daten sowie Umfrageergebnisse zeigen, dass Wartezeiten in Deutschland eine untergeordnete Rolle spielen“, heißt es in einem Zwischenfazit der Studie.

Und weiter: „Auch aus Sicht der OECD wirkt die Wartezeitendebatte in Deutschland im Hinblick auf die Situation in anderen Ländern eher unbedeutend: Deutschland führe im internationalen Vergleich eine Phantomdebatte über die Wartezeiten.“

Schneller Zugang zu innovativen Medikamenten
Darüber hinaus verfügen Patienten nirgendwo sonst in Europa über einen derart schnellen Zugang zu innovativen Medikamenten.

Von der Zulassung bis zur Markteinführung vergehen hierzulande nur 3,5 Monate, während es in den Niederlanden 5,8 und in Spanien sogar fast 16 Monate sind.

Ein weiteres besonderes Merkmal sei die große Wahl- und Therapiefreiheit im deutschen Gesundheitssystem. Patienten haben in Deutschland einen direkten Zugang zum Facharzt ihrer Wahl. In der Mehrzahl der anderen europäischen Länder ist dies ausgeschlossen.

Und: „Auch weitere Zugangshürden, wie hohe obligatorische Zuzahlungen für ärztliche Behandlungen, sind außerhalb Deutschlands weit verbreitet“, heißt es in der Mitteilung.

Behandlungen im Ausland
Als ein Indiz für die Zufriedenheit der Patienten mit ihrem Gesundheitssystem werden Behandlungen im Ausland angesehen.

Den Angaben zufolge variiere die Bereitschaft zur medizinischen Behandlung ins Ausland zu reisen im europäischen Vergleich sehr stark.

In den Niederlanden ist sie demnach mit 66 Prozent der Befragten am höchsten und in Deutschland mit elf Prozent am niedrigsten. (ad)