Placebo kann Sexualempfinden steigern

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Placebo steigert Libido von Frauen

Studie: Der Einsatz von Placebo ohne medizinischen Wirkstoff kann das sexuelle Empfinden von Frauen steigern.

Der bloße Glaube an den Nutzen von Medikamenten kann zur Gesundung von Erkrankungen beitragen. Eine US-Amerikanische Studie hat nun heraus gefunden, dass auch die sexuelle Lust (Libido) von Frauen mit der Gabe von Placebo gesteigert werden kann. Sogenannte Placebos enthalten keinerlei medizinische Wirkstoffe, dennoch werden Wirkstoff-freie Arzneimittel jeden Tag tausendfach in Kliniken mit Erfolg eingesetzt.

Viele Ärzte und Therapeuten sprechen nicht gern über den Nutzen von Placebo. Zu Recht, denn die erhoffte Wirkung könnte gefährdet sein, wenn Mediziner zu häufig darüber sprechen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2004 unter Medizinern und Krankenschwestern hat ergeben, dass über die Hälfte der Placebo-Anwender im therapeutischen Alltag einsetzen. Ein Drittel derer ist davon überzeugt, dass Placebo tatsächlich ihren Nutzen erfüllen, 61 Prozent der Anwender konnte gelegentlich einen gewünschten Effekt beobachten. Wirkstoff-lose Arzneien werden vor allem bei Schwindel, Angst, Einschlafproblemen, Drogenabhängigkeit, innerer Unruhe, Zahnwachstum und sogar bei Asthma eingesetzt. Für Pharmakonzerne können in Vergleichsstudien Placebo sogar zum Problem werden. Denn wenn Mittel ohne Wirkstoff besser wirken als das eigentlich untersuchte neue Medikament, kommen Arzneimittel-Hersteller in Erklärungsnöte.

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Sexualtherapeuten und Forscher von der Universität in Texas (University of Texas Austin) haben die Wirkung von Placebos bei sexueller Unlust bei Frauen erforscht. Die Teilnehmerinnen der Studie litten unter chronischer sexueller Unlust und Erregungsstörungen. Insgesamt nahmen 200 Frauen an der dreimonatigen Studie teil. Studienleiterin Andrea Bradford werteten eine sog. Doppelblindstudie aus. Ein Großteil der Probanden nahm ein Wirkstoff-Präparat ein, 50 Frauen hingegen nahmen Scheinmedikamente. Das Ergebnis ließ selbst die Forscher erstaunen: Jede dritte Studienteilnehmerin, die ein Wirkstoff-freies Medikament verabreicht bekam, berichtete über eine deutliche Verbesserung des eigenen Sexuallebens. Die Teilnehmerinnen gaben an, sich erregter zu fühlen. Zudem schliefen die Frauen häufiger mit ihrem Partner, die Anzahl der erfüllenden Sexualkontakte stieg an.

In dem US-Fachmagazin "Journal of Sexual Medicine" betonten die Sexualforscher, dass alle Probanden mit Psychologen über ihre sexuellen Probleme und Gefühle sprechen konnten. Zudem sollten alle Studien-Teilnehmerinnen ihre Sexualität und ihre Gefühle genau beobachten. Wahrscheinlich haben diese beiden Aspekten ebenfalls zu dem positiven Ergebnis geführt. Denn allein schon die Fixierung auf ein Problem und das Sprechen darüber, kann zur Problemlösung effektiv beitragen. So sieht das auch die Studienleiterin Dr. Andrea Bradford: "Schon die Teilnahme an der Studie führte wahrscheinlich zu einigen wichtigen Gesprächen". Wenn sich jemand Zeit nimmt und mit den Frauen über ihre Probleme und Gefühle spricht, wird sehr wahrscheinlich die positive Wirkung der Placebos unterstützt. Ein Gespräch und das Zuhören hat demnach einen großen Nutzen. Das weiß auch die Naturheilkunde: Behandelnde nehmen sich ausdrücklich viel Zeit und besprechen eingehend alle gesundheitlichen Probleme. (sb, 20.09.2010)

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