Plan: Ohne Arztbesuch zum Physiotherapeuten gehen

Heilpraxisnet

Besserstellung von Physiotherapeuten und Masseuren geplant

03.04.2015

Einem Zeitungsbericht zufolge will die Union die Stellung von Physiotherapeuten, Logopäden, Masseuren und anderen Heilberufen deutlich stärken. Patienten können künftig möglicherweise ohne Rezept vom Arzt zu den Therapeuten. Mit der geplanten Regelung könnte auch Geld eingespart werden.

Stellung von Heilberufen aufwerten
Berichten aus den letzten Jahren zufolge haben etwa eine Million Kinder in Deutschland Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung. Vielen von ihnen kann bei einem Logopäden geholfen werden. Bei Nackenverspannungen, Rückenschmerzen oder nach Operationen werden Patienten oft zu einem Physiotherapeuten oder in manchen Fällen zu einem Masseur überwiesen. Betroffene brauchen bislang ein Rezept vom Arzt, wenn sie solche Therapeuten aufsuchen. Dies könnte sich möglicherweise künftig ändern, denn "die Union will die Stellung von Physiotherapeuten, Logopäden, Masseuren und anderen Heilmittel-Erbringern" einem Zeitungsbericht zufolge "deutlich aufwerten".

Therapeuten entscheiden über nötige Anwendungen
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) schreibt, sollen sie laut einem Papier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nicht nur mehr Geld bekommen. Sie sollen demnach "in Zukunft auch frei und ohne ärztliche Vorgabe darüber entscheiden können, welche Anwendungen ihre Patienten brauchen". Den Angaben zufolge wolle die Union sogar erproben lassen, dass sich Patienten auf Krankenkassenkosten direkt an ihre Therapeuten wenden können, ohne vorher zum Arzt zu gehen. Diese Vorgehensweise sei beispielsweise in Schweden und in den Niederlanden möglich.

Geplante Regelung könnte Geld einsparen
Die Praxis in Deutschland sieht anders aus: Hier schreibt der Arzt dem Therapeuten vor, welche Anwendung der Patient erhalten solle. Da die Therapeuten oftmals andere Methoden für geeigneter halten, führt diese Regelung häufig zu Konflikten, heißt es in dem Zeitungsbericht. Zudem deuten erste Erkenntnisse aus Feldstudien laut Union darauf hin, dass eine Blankoverordnung sogar Geld sparen würde. Demnach verringere sich die Zahl der Anwendungen, wenn die Ärzte den Therapeuten keine Vorgaben machen.

Patienten würden stärker profitieren
Des weiteren zeigen Studien laut Union auch, dass Patienten stärker von Leistungen profitieren, die etwa ihr Physiotherapeut vorschlägt. Der breitere Entscheidungsspielraum erhöhe außerdem auch die Zufriedenheit der Therapeuten mit ihrer Arbeit. Wie wichtig dies ist, erläuterte der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn: „Therapeuten sind eine wichtige Stütze unseres Gesundheitswesens. Wir müssen diesen Beruf zukunftsfähig und attraktiv für Nachwuchs machen.“ (ad)