Plötzlicher Herztod ohne Vorwarnung

Fabian Peters

Plötzlicher Herztod ereilt Menschen meist völlig unerwartet

18.10.2012

Der plötzliche Herztod bedingt jährlich mehr als 100.000 Todesopfer in Deutschland. Die Betroffenen erliegen unvermittelt einem kardiologischen Ereignis. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel Herzmuskelentzündungen, Herzrhythmusstörungen und strukturelle Erkrankungen des Herzens. Die zugrundeliegenden Erkrankungen bleiben im Vorfeld des plötzlichen Herztods nicht selten unentdeckt.

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Während bei älteren Menschen der plötzliche Herztod meist Folge eines Herzinfarktes mit massiven Herzrhythmusstörungen ist, sind bei jüngeren Betroffenen oftmals auf den Herzmuskel übergreifende Infektionen Ursache des plötzlichen Herztodes. Durch die Infektion entsteht eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), die zu Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern und schließlich zum Tod der Patienten führen kann. Da die Herzmuskelentzündung oft längerer Zeit unbemerkt bleibt, ist sie für Betroffene besonders gefährlich, wie auch der tragische Tod des Models Jennifer Scherman, bekannt aus der Vox-Castingshow „Das perfekte Model“, auf tragische Weise verdeutlicht. Scherman erlitt im Zuge einer verschleppten Grippeinfektion eine Myokarditis und starb im Alter von nur 20 Jahren an plötzlichem Herztod.

Herzmuskelentzündung als Ursache des plötzlichen Herztodes
Zwar sind Herzmuskelentzündungen insgesamt relativ selten, doch das Risiko ist keineswegs zu unterschätzen. Denn die Myokarditis wird oftmals erst deutlich verspätet diagnostiziert. In rund 20 Prozent der Fälle steht die Diagnose erst nach Autopsie der Verstorbenen fest. Die Diagnose einer Herzmuskelentzündung ist nicht zuletzt aufgrund der unspezifischen Symptome relativ schwierig. Eindeutige Leitsymptome sind nicht bekannt. Allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Fieber und Atemnot werden im Zuge des Erkrankung häufiger beobachtet, gehen jedoch auch mit zahlreichen anderen Krankheiten einher. Ein geringer Anteil der Patienten verzeichnet ein Stechen in der Brust, Herzschmerzen, Herzstolpern oder Herzrasen, was zumindest einigermaßen zuverlässige Hinweise auf Beschwerden des Herzens liefert.

Unspezifische Symptome einer Herzmuskelentzündung
Auch der stellvertretender Direktor der Abteilung für Kardiologie und Pulmologie an der Berliner Charité, Carsten Tschöpe,bestätigte gegenüber „Welt Online“, dass die „virus-bedingte Myokarditis nicht einfach zu diagnostizieren“ ist. Daher sei bei den relativ unspezifischen Symptomen besondere Aufmerksamkeit geboten. Dies „sind Warnhinweise, die im Verlauf dringend weiter abgeklärt werden müssen“, betonten der Experte. Als wichtigste Untersuchungsmethoden zur Diagnose der Myokarditis nannte Tschöpe das Herz-Ultraschall und das Elektrokardiogramm. Hiermit lassen sich die Störungen der Herzfunktion relativ eindeutig nachweisen. Verursacht die Myokarditis jedoch keine gestörte Herzfunktion, wird sie weder durch Ultraschall noch durch ein Elektrokardiogramm zuverlässig entdeckt. Hier kann nur eine Biopsie (Gewebeprobeentnahme) des Herzmuskels eine eindeutige Diagnose ermöglichen. Diese ist allerdings relativ aufwendig und bringt immer eine Verletzung des Herzens mit sich.

Herzmuskelentzündung meist durch Viren ausgelöst
Mögliche Hinweise auf die Herzmuskelentzündung liefert den behandelnden Ärzten auch die Krankheitsgeschichte der Patienten. Ging den aktuellen eher unspezifischen Beschwerden eine Infektionskrankheit voraus, so liegt der Verdacht nahe, dass die Infektion möglicherweise auf das Herz übergegangen ist. Bei unspezifischen Anzeichen auf eine Herzmuskelentzündung sollten sich die behandelnden Ärzte daher auf jeden Fall die Zeit nehmen und die Patienten zu kürzlichen Infektionskrankheiten befragen. Generell können virale, bakterielle oder parasitäre Infektionen unter Umständen auch das Herz befallen und hier eine Myokarditis auslösen. Hierzulande sind jedoch meist virale Infektionen Ursache der Herzmuskelentzündung. Enteroviren, insbesondere die sogenannten Coxsackie-Viren, gelten dabei als häufigste Auslöser. Eine Myokarditis durch Bakterien oder Parasiten ist in Deutschland äußerst selten.

Sport als Ursache einer Myokarditis?
Die Enteroviren führen im Normalfall lediglich zu einem grippalen Infekt mit typischen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Schonen sich die Betroffenen nicht ausreichend und sind möglicherweise auch noch körperlich aktiv, steigt jedoch das Risiko einer Ausweitung der Infektion auf den Herzmuskel. Sport während eines grippalen Infektes gilt laut Aussage der Experten als maßgeblicher Risikofaktor für das Auftreten einer Myokarditis. Die Herzmuskelentzündung heilt bei den meisten Patienten zwar wieder von alleine ab, ein Fünftel der Betroffenen zeigt allerdings einen deutlich schwereren Verlauf. „In diesen Fällen kann das Immunsystem die Entzündungsreaktion des Herzens nicht mehr stoppen“, erläuterte der Experte von der Berliner Charité.

Herzmuskelentzündungen mit fatalen Folgen
Im Zuge der Myokarditis werde das „Herz dann im weiteren Verlauf immer mehr geschädigt“ und letztendlich droht der plötzliche Herztod, so Tschöpe gegenüber „Welt Online“. Laut Aussage des Experten von der Berliner Charité kommen die betroffenen Patienten meist erst deutlich nach Abklingen der ursprünglichen grippalen Symptome mit einer bereits seit längerem bestehenden Herzmuskelentzündung zum Arzt. Die Schäden am Organ seien daher oftmals schon zu weit fortgeschritten, um sie wieder zu beseitigen. Hier gelinge es „leider nicht immer, die normale Herzfunktion wieder vollständig herzustellen“, erklärte Tschöpe. Dauerhafte Schädigungen des Herzens sind im Vergleich zu der dramatischen Konsequenz eines plötzlichen Herztodes jedoch noch eine eher harmlose Folge der Myokarditis. Denn werden zu große Teile des Herzmuskels durch die Entzündung geschädigt, kann das Herz die erforderlich Pumpleistung nicht mehr aufbringen, schwere Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern und schlimmstenfalls ein vollständiges Versagen des Organs sind die Folge. Die Betroffenen müssen als kardiologischer Notfall umgehend in eine Klinik eingeliefert werden, um einen tödlichen Verlauf möglichst zu vermeiden. (fp)