Politischer Durchbruch der Komplementärmedizin

Heilpraxisnet

CAM Konferenz im Europaparlament: „Politisch ein Durchbruch“

29.11.2012

Im Europaparlament fand im Oktober die erste „CAM Conference“ statt, bei der die Bedeutung der Komplementärmedizin in der europäischen Gesundheitsversorgung erörtert wurde. Unter dem Titel „Complementary and Alternative Medicine – innovation and Added Value for European Healthcare“ informierten Wissenschaftler aus ganz Europa über den Nutzen und die Möglichkeiten komplementärmedizinischer Heilverfahren. Insbesondere bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Krankheiten wächst demnach die Bedeutung der Komplementärmedizin.

Rund 70 Prozent der Krankheitskosten in entwickelten Industrieländern entfallen inzwischen auf chronische Erkrankungen wie Hypertonie, Herzkrankheiten, Diabetes Mellitus, Arthritiden, Asthma Bronchiale oder Depression. Die konventionelle Medizin bietet chronisch Kranken jedoch nur wenige kurative Therapieansätze. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der hohen Belastungen der Gesundheitssysteme durch chronisch Kranke begrüßt der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) die CAM Konferenz im Europaparlament als ein deutliches Signal dafür, dass das Thema im Bewusstsein der europäischen Gesundheitspolitik angekommen ist. „Alternativ- und Komplementärmedizin ist für Europa, genauso wie für Deutschland, ein wichtiges gesundheitspolitisches Thema, das immer noch unterschätzt wird,“ erklärt Cornelia Bajic, erste Vorsitzende des DZVhÄ. „Die Politik ist aufgefordert, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Patienten einen unkomplizierten Zugang zu wirksamen CAM-Verfahren wie beispielsweise der Homöopathie zu ermöglichen.“ Gastgeber der Konferenz waren drei Parlamentarier des Europaparlaments, finanziert wurde die Veranstaltung von der Europäischen Kommission und der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher.

Zur Wirtschaftlichkeit von CAM-Verfahren
Claudia Witt von der Berliner Charité schilderte in Brüssel die Ergebnisse eines Systematischen Reviews zu den Kosten und zur Kosteneffektivität von Komplementärmedizin. Demnach zeigt etwa ein Drittel der qualitativ hochwertigen wirtschaftlichen Evaluierungen von nicht- pharmakologischen Behandlungen einen höheren Nutzen bei niedrigeren Kosten im Vergleich zu einer konventionellen medizinischen Behandlung. Damit ist die oft kolportierte Aussage wissenschaftlich widerlegt, dass CAM-Therapien nur Kosten in die Höhe trieben, ohne einen Zusatznutzen zu schaffen. Pauschalisierende Aussagen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis von komplementärmedizinischen Therapieverfahren lassen sich aus der Übersichtsarbeit allerdings nicht ableiten, weil ausschließlich einzelne Therapieverfahren untersucht wurden und nicht die Komplementärmedizin insgesamt.

„So viel offenkundige Unterstützung gab es in Europa noch nie“
Moderiert wurde die CAM Konferenz von Harald Walach, Professor für Forschungsmethodik komplementärer Medizin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). „So viel offenkundige Unterstützung für die Komplementärmedizin gab es in Europa noch nie“, erklärt Wallach. Er verweist dabei auf das europäische Projekt CAMbrella. Dieses von der EU mit 1,5 Mio. Euro geförderte dreijährige Projekt wird vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung am Klinikum der Technischen Universität München (TUM) koordiniert und betreibt selbst keine eigene Forschung. Es soll vielmehr ein Netzwerk europäischer Forschungseinrichtungen im Bereich der Komplementärmedizin aufbauen und deren internationale Kooperationen fördern. Eine Sonderausgabe des Journals „Forschende Komplementärmedizin“ fasst zusammen, warum, wie und wo Komplementärmedizin in Europa erforscht wird.

Laut Walach ist CAMbrella ein Zeichen dafür, „dass Politiker mittlerweile verstanden haben, dass sie es nicht mit einem Randphänomen zu tun haben.“ Sein Fazit: „Die Tagung war politisch ein Durchbruch und ein wichtiges Zeichen, denn sie dokumentiert: Hier gibt es ein Thema, auf das die Politik aufmerksam geworden ist, weil es wichtig ist für die Bürger.“ Die Konferenz endete mit einem 4-seitigen „Call for Action“ an die EU-Kommission, EU-Parlament und die EU Mitgliedsstaaten, den gleichberechtigten Zugang zu CAM-Therapien in der EU zu fördern und die information über CAM-Methoden und -Anbieter zu vereinheitlichen, um die grenzüberschreitende Behandlung von EU-Bürgern zu erleichtern. Das Papier kann von der ECH-Webseite heruntergeladen werden: www.homeopathyeurope.org > Media (pm)

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Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de