Positive Einstellung verlangsamt das Altern

Heilpraxisnet

Geistig fit und aktiv bis ins hohe Alter

08.11.2014

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich bekannt gegeben, dass es bis zum Jahr 2050 zu einem Anstieg der über-60-Jährigen auf über zwei Milliarden kommen könnte. Nicht allen ist es vergönnt bis ins hohe Alter körperlich fit und geistig rege zu bleiben. Durch eine positive Einstellung kann die Ausgangslage dafür aber verbessert werden, wie ein Experte erklärte.

Älter werdende Gesellschaft
Die Welt muss sich auf eine immer älter werdende Gesellschaft einstellen. Erst kürzlich hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt, dass es bis zum Jahr 2050 zu einem Anstieg der über-60-Jährigen auf über zwei Milliarden kommen könnte. Auch in Deutschland steigt die Lebenserwartung, allerdings graut vielen Menschen davor, alt zu werden. Wie der Jenaer Altersforscher Christoph Englert nun in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte, müsse mit der Vorstellung aufgeräumt werden, „dass Alter gleich weniger Leistung bedeutet“. Es sei vielmehr so, dass auch Senioren zu hohen geistigen Leistungen fähig sind. „Das Bild, das man selbst vom Alter hat, beeinflusst, wie gut man physisch und psychisch altert“, so der Experte.

Senioren bei Sportveranstaltungen heutzutage stark vertreten
Christoph Englert, der seinen Angaben zufolge selbst viel Sport betreibt, sagte in dem Interview, dass es auffällt, „dass in den Sportveranstaltungen die Altersklassen der 60- und teilweise auch 70-, 80-Jährigen noch stark vertreten sind.“ Da die Lebenserwartung durchschnittlich um drei Monate pro Jahr steigt, leben wir heute rund fünf Jahre länger als die Menschen vor 20 Jahren, erklärte der Altersforscher. Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist unser Leben seiner Aussage "nach leichter geworden, wenn man beispielsweise den Vergleich zieht zu der schweren Arbeit vor 100 Jahren etwa in der Landwirtschaft". Zudem spielt sicher auch der medizinische Fortschritt eine wesentlich Rolle. „Es ist zu beobachten, dass wir insgesamt langsamer altern“, so Englert.

Gehirn fit halten durch das Erlernen einer neuen Sprache
Wie der Altersforscher gegenüber dpa sagte, nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit im Alter natürlich ab, doch es gibt „Studien, die belegen dass man kognitive Dinge wie Sprachenlernen im höheren Alter noch ganz gut kann.“ Ähnliches sagte vor kurzem auch Ulman Lindenberger vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, der auf die positiven Auswirkungen hinwies, die sich einstellen können, wenn Ältere eine neue Sprache lernen oder sich mit quirligen Enkelkindern umgeben. Dies könne bei manchen das Gehirn bis ins hohe Alter fit halten. Prof. Englert, meinte, dass es leider oft einen negativen Beigeschmack hat, wenn übers Altern geredet wird. Solange von einer Überalterung der Gesellschaft die Rede ist und dabei etwas Bedrohliches mitschwingt, werden wir auch schlechter altern, so der Experte.

Senioren in Asien genießen höheres Ansehen
Auf die Frage, ob die Qualität des Alterns durch die Art, wie wir über das Altern denken, beeinflusst werde, erklärte er, dass dem so sei und es interessante psychologische Studien darüber gibt, wie das Altersbild einer Gesellschaft auf das Altern zurückwirkt. So genießen etwa in Asien ältere Menschen ein ganz anderes Ansehen als hier. „Wir sind da stärker leistungsgeprägt und müssten endlich mal mit dem Bild aufräumen, dass Alter gleich weniger Leistung bedeutet. Wenn Sie jemanden wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt sehen, zeigt sich doch, dass man im Alter kognitiv absolut leistungsfähig sein und sozusagen positiv altern kann“, sagte Englert.

Ältere nicht aufs Abstellgleis schieben
Der Forscher erläuterte, was er unter „positiv altern“ versteht: „Damit meine ich eine gewisse Leistungsbereitschaft und Beweglichkeit, kognitiv nicht abzubauen.“ Zudem ist es auch für Menschen im fortgeschrittenen Alter wichtig, das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden. Positives Altern werde nicht gefördert, indem Menschen mit 65 aufs Abstellgleis gestellt werden und ihnen gesagt wird, sie dürfen nicht mehr arbeiten, sondern in Rente gehen. Dann altert man schlechter. Zu positivem Altern trägt es bei, wenn man eine Aufgabe hat und in die Gesellschaft integriert ist, wie eine Großmutter, die sich um die Enkel kümmert.

Aufhalten kann man das Altern nicht
Zum Thema der Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit im Alter erklärte Prof. Englert, dass es in der Altersforschung erst einmal darum geht, „die Macht der Gene zu verstehen“. Anhand verschiedener Organismen, wie etwa Mäusen und Fischen, werde versucht, „eine Idee zu kriegen, wie viele Gene überhaupt am Altern beteiligt sind“. Wenn das verstanden wird, könne man schauen, ob in die Signalwege eingegriffen werden kann. „Das Altern aufzuhalten ist schwierig, aber wir wissen, dass wir als Gesellschaft das Altern verlangsamen können“, so Englert. Wie der Experte abschließend erläuterte ist die älteste Frau, die auf der Erde lebte, "122 Jahre alt geworden". So weit bekannt, war sie „bis zu ihren letzten Tagen eine jugendlich wirkende Frau, die mit 117 noch gefochten hat und Fahrrad gefahren ist“. Doch auch wenn es zahlreiche Beispiel gibt, „wo das Altern durch eine positive Einstellung dazu verlangsamt worden ist. Umkehren oder aufhalten wird man es nicht können.“ (ad)

Bild: twinlili / pixelio.de

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